Waiblingen

Corona: Wird es in den Schulen in Waiblingen bald mehr stationäre Lüftungsanlagen geben - und auch mobile Luftreiniger?

Stoßlüften
Unterricht in der Kaufmännischen Schule Waiblingen Anfang November 2020. Träger der Schule ist der Rems-Murr-Kreis. © Benjamin Büttner

Trotz Corona müssen Schüler und Lehrer am Schorndorfer Burg-Gymnasium im großen neuen Hauptgebäude nicht lüften – und zwar wegen der Lüftungsanlage. Es ist sogar verboten, während des Unterrichts die Fenster aufzureißen. „Unsere Lüftungsanlage funktioniert dann am besten, wenn die Klassenzimmer hermetisch abgeschlossen sind“, sagt Rektor Jürgen Hohloch. Wäre das eine Lösung gegen das permanente Frieren in den Schulen?

Unsere Zeitung hat nachgehakt, wie eigentlich die Lage an den Schulen in Waiblingen ist. Wir haben die Stadt gefragt, die für 14 Schulen zuständig ist – und den Landkreis, der in Waiblingen Träger des Beruflichen Schulzentrums ist. Gibt es bereits Lüftungsanlagen? Und werden als Reaktion auf die Pandemie weitere gebaut?

„Der Einbau würde mehrere Monate je Schule dauern“

Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist darauf, dass es von den städtischen Schulen nur eine mit Lüftungsanlage gibt – die Grundschule am Staufer-Schulzentrum. „Es handelt sich um eine Passivhausschule. Diese hat eine Lüftungsanlage seit dem Bau, also unabhängig von Corona.“

Enormer Bau- und Finanzaufwand

Dass weitere Schulen Lüftungsanlagen erhalten, ist nicht angedacht. Der nachträgliche Einbau von stationären Lüftungsanlagen wäre laut Hesky mit einem enormen Bau- und Finanzaufwand verbunden. „Lüftungsanlagen sind komplexe Maschinen, die auch eine entsprechende Steuerung benötigen. Der Einbau würde mehrere Monate je Schule dauern.“

Staat fördert momentan nur die Sanierung, nicht aber den Neubau

Immerhin hat der Bund ein Investitionspaket aufgelegt, mit dem Lüftungsanlagen saniert und aufgerüstet werden können. Der Zuschuss beträgt nach Angaben des Städtetags 40 Prozent der förderfähigen Ausgaben, maximal jedoch 100 000 Euro pro Anlage. Mobile Anlagen oder neue Anlagen werden allerdings nicht gefördert.

Von UV-Bestrahlung bis zu Aktivkohlefiltern

Dann gibt es derzeit noch Firmen, die für ihre professionellen Luftreiniger werben. Diese geben an, schon Schulen damit ausgestattet zu haben. Auch OB Hesky findet in seinem Postfach immer wieder Werbemails dazu. „Die Möglichkeiten zur Säuberung der Luft reichen von UV-Bestrahlung über Aktivkohlefilter und auch über Aufheizen der Luft, um nur ein paar Methoden zu nennen, die in den Werbebotschaften angepriesen werden.“

Eines haben die Anlagen nach Einschätzung von Andreas Hesky gemeinsam: Sie stehen an einem Punkt im Raum, müssen die gesamte Raumluft ansaugen, reinigen und wieder ausstoßen.

„Das müssen Tests ergeben, ob diese Geräte tauglich sind“

Da stellen sich für den Oberbürgermeister einige Fragen. Etwa diese: Wie ist sichergestellt, dass tatsächlich die gesamte Raumluft gefiltert wird? Werden die mechanischen Geräusche, die jedes Gerät hat, als störend empfunden, so dass dann das Gerät gar nicht eingesetzt wird? Zum Nutzen der Geräte teilt Hesky Folgendes mit: „Eine Bewertung steht mir nicht zu. Das müssen Tests ergeben, ob diese Geräte tauglich sind.“

Ab Dezember Geräte in zehn Klassenzimmern

Die Stadt Stuttgart versucht, das Infektionsrisiko an Schulen durch solche Luftreinigungsgeräte zu reduzieren. Begleitet wird die Maßnahme von der Uni Stuttgart. Von Dezember 2020 an sollen die Geräte in zehn Klassenzimmern an neun Schulen zum Einsatz kommen, die wegen des Zustands der Fenster nicht optimal gelüftet werden können.

Hesky hat erst jüngst davon in der Zeitung gelesen. „Mir wäre in Waiblingen kein solches Klassenzimmer bekannt. Sicher würde ich sonst schon von Beschwerden wissen, dass Klassenzimmer benutzt werden müssen, die nicht den Vorgaben des Landes gemäß gelüftet werden können.“ Was die Luftfilter angeht, gibt es bislang vom Land Baden-Württemberg keine Vorgabe für die Schulen.

Keine Alleingänge in Waiblingen

Oberbürgermeister Hesky will jedenfalls keine Alleingänge in Waiblingen machen. „Es wäre auch zu bedenken, dass bei einer Ausstattung der Schulen auch Kitas und Büros und Besprechungsräume auszustatten wären.“ Neben den hohen Kosten seien die Energie- und Wartungskosten nicht zu vernachlässigen. Und: Wenn jetzt Bestellungen in großen Stückzahlen für solche Geräte aufgegeben werden, rechnet Hesky mit langen Wartezeiten, bis diese alle abgearbeitet sind.

Was passiert an den Berufsschulen?

Die Berufsschulen in Waiblingen, für die der Landkreis zuständig ist, sind mit raumlufttechnischen Anlagen (RLT) sehr umfangreich ausgestattet. „Fast das gesamte Berufsschulzentrum bis auf die Räume der kaufmännischen Schule werden über RLT-Anlagen mit frischer Außenluft versorgt, zusätzlich zur möglichen Fensterlüftung in den außen liegenden Räumen“, betont Juliane Jastram von der Pressestelle des Landratsamts. In der Kaufmännischen Schule, die 1999 gebaut wurde, habe man bewusst auf eine RLT-Anlage verzichtet. „Die Räume wurden so gestaltet, dass eine reine Fensterlüftung ausreicht.“

Die bereits vorhandenen Lüftungsanlagen in Waiblingen sollen modernisiert werden. Dafür gibt es laut Landratsamt einen umfangreichen Sanierungsfahrplan für die nächsten Jahre – und die Planungen laufen bereits seit Anfang 2020.

Landratsamt hält wenig von Luftreinigern

Den Einsatz von mobilen Luftreinigern haben das Landratsamt und die Kreisbaugruppe geprüft und sich dagegen entschieden. Luftreiniger (Luftreinigungsgeräte mit integrierten Hepa-Filtern) tauschen nach Angaben des Landratsamts die Raumluft nicht aus, sondern verteilen die vorhandene Luft während des Filterns gleichmäßig im Raum.

„Andernfalls verteilen sie Viren durch die Luftbewegung eher noch weiter“

Wenn sie dabei wirkungsvoll für die gesamte Unterrichtsdauer Schwebepartikel wie Viren aus der Raumluft entfernen sollen, müsste laut der Pressesprecherin zunächst die Luftführung und -strömung im Raum exakt erfasst werden, um die Geräte gezielt platzieren zu können. „Andernfalls verteilen sie Viren durch die Luftbewegung eher noch weiter im Raum.“

Auch während des Betriebs müsse der Luftdurchsatz des Geräts stets daran angepasst werden, wie viele Personen sich wo im Raum aufhalten. „Luftreiniger verursachen also einen hohen Aufwand und sind zudem kostspielig.“

Was hält das Umweltbundesamt von Luftreinigern?

Für den Unterricht wären nach Einschätzung des Landratsamts hochwertige, sehr leise laufende Geräte nötig. Die Anschaffungskosten für Luftreiniger, die aus Sicht des Gesundheitsamtes geeignet wären, belaufen sich auf rund 3000 bis 5000 Euro netto pro Gerät. Würde das Landratsamt alle 600 Räume des Landkreises, die regelmäßig als Unterrichts- oder Gruppenräume genutzt werden, damit bestücken, wären dafür 2,125 Millionen Euro nötig. „Auch das Umweltbundesamt hält die Luftreiniger höchstens für eine Ergänzung vorhandener Lüftungsmöglichkeiten.“


Was sagt der geschäftsführende Waiblinger Schulleiter?

Für Axel Rybak, geschäftsführender Schulleiter der städtischen Schulen in Waiblingen und Rektor der Stauferrealschule, ist beim Thema Luftreiniger auch entscheidend, wie sehr sie durch ihre Lautstärke den Unterricht stören.

Beim Thema zentrale Lüftungsanlage erzählt er, dass seine Schule eine ältere Anlage hat, die früher auch die Räume mitbeheizt habe. In Betrieb sei diese aber nicht mehr. „Die war erstens teuer und sehr wartungsintensiv.“ Einmal habe die Anlage allerdings geholfen: Als es einen Kurzschluss bei einer Steckdose gab, habe sich der Geruch über die Lüftungsanlage im ganzen Schulhaus verbreitet. „Eine bessere Brandschutzanlage kann man sich nicht vorstellen.“

Trotz Corona müssen Schüler und Lehrer am Schorndorfer Burg-Gymnasium im großen neuen Hauptgebäude nicht lüften – und zwar wegen der Lüftungsanlage. Es ist sogar verboten, während des Unterrichts die Fenster aufzureißen. „Unsere Lüftungsanlage funktioniert dann am besten, wenn die Klassenzimmer hermetisch abgeschlossen sind“, sagt Rektor Jürgen Hohloch. Wäre das eine Lösung gegen das permanente Frieren in den Schulen?

Unsere Zeitung hat nachgehakt, wie eigentlich die Lage an den

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