Waiblingen

Coronakrise: Es wird noch schwerer, eine Hebamme zu finden

Hebamme Birgit Bauder
Geburtsvorbereitungskurse kann Hebamme Birgit Bauder nur noch online geben. © Gabriel Habermann

Mütter brauchen Geduld und Ausdauer. Schon lange, bevor das Baby auf die Welt kommt. Denn es wird seit Jahren immer schwieriger, eine Hebamme zu finden. Wer sich nicht bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft auf die Suche macht, findet unter Umständen überhaupt keine Betreuung für das Wochenbett. Die Coronakrise macht diese Suche noch schwieriger, obwohl gerade in dieser von Unsicherheit und Ängsten geprägten Zeit die Unterstützung einer vertrauten Hebamme für junge Familien wichtiger ist denn je.

Doch es gibt zu wenig Hebammen. Und die, die es gibt, können teilweise zurzeit gar nicht oder nur eingeschränkt arbeiten: „Kolleginnen, die keine Betreuung für ihre eigenen Kinder haben oder sich um kranke Eltern kümmern, arbeiten nicht oder weniger“, sagt die Waiblinger Hebamme Birgit Bauder. Da Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse nicht mehr stattfinden dürfen, bietet Bauder beide Formate als Online-Kurse an. Sie hat sich das digitale Know-how angeeignet und inzwischen auch kleine Videos und eine Präsentation erstellt, die sie in diese Kurse integriert. Aber das machen nicht alle Hebammen: „Manche Kolleginnen wollen keine Online-Kurse anbieten oder warten mit ihrer Entscheidung noch ab, wie sich die Situation entwickelt.“ Die Folge ist, dass weniger Kurse angeboten werden.

Beratung am Telefon und per Video-Chat

Doch auch wer eine Hebamme gefunden hat, muss sich auf eine andere Betreuung einstellen als vor der Corona-Pandemie. Denn nicht nur Kurse werden digital abgehalten. „Hebammen dürfen nur Hausbesuche machen, die zwingend notwendig sind“, erklärt Birgit Bauder. Dazu zählen die Schwangerenvorsorge, die Wochenbettbetreuung und Probleme, die eine Hilfestellung durch die Hebamme vor Ort nötig machen. Was sich auch telefonisch klären lässt, muss per Anruf oder Video-Chat besprochen werden. Obwohl dadurch manche Wege entfallen, braucht Birgit Bauder mehr Zeit als früher, um ihre Schützlinge zu betreuen. Denn es ergeben sich viele neue, zusätzliche Fragen: „Viele Schwangere sind verunsichert und fragen sich, wie Vor- und Nachsorge und die Geburt unter den Corona-Beschränkungen ablaufen werden.“

Umso entscheidender, aber auch zeitintensiver ist es für die Hebamme, die Familien zu unterstützen: Da die Väter je nach Klinik nur eingeschränkt bei der Geburt dabei sein dürfen, versucht Birgit Bauder, die Familien anzuleiten, wie sie sich auch nach Einsetzen der Wehen möglichst lange zu Hause sicher fühlen können, um sich möglichst spät auf den Weg ins Krankenhaus zu machen. Auch nach der Geburt zieht es während der Corona-Krise viele frischgebackene Mütter so schnell wie möglich nach Hause, da Besuche auf der Wochenbettstation nur sehr eingeschränkt möglich sind, Geschwister des Babys dürfen etwa gar nicht rein.

Beim Hausbesuch gelten strenge Hygieneregeln

Doch auch wenn die Hebamme zur Nachsorge kommt, müssen Vater und Geschwister draußen bleiben. „Wir haben schon immer einen hohen Hygienestandard bei unseren Hausbesuchen, der jetzt noch gestiegen ist“, sagt Birgit Bauder. Dazu gehört nicht nur, dass Mutter, Säugling und Hebamme alleine in einem Raum sind, sondern auch, dass Mutter und Hebamme Mundschutz tragen. Die Wöchnerinnen sollen vor dem Besuch lüften, einen eigenen Stift bereithalten und gründlich die Hände waschen. Birgit Bauder wäscht und desinfiziert nicht nur mehrmals ihre Hände, sondern desinfiziert auch ihr Arbeitsmaterial wie zum Beispiel die Babywaage. In ihrem Auto hat sie eine Art „Basisstation“ eingerichtet: Dort desinfiziert sie Flächen und dokumentiert ihre Hausbesuche. Sie wechselt außerdem häufig die Arbeitskleidung, die nach dem Arbeitstag bei 60 Grad gewaschen wird.

Hebammen fühlen sich alleingelassen

Diese Hygienepläne haben die Hebammen selbst erstellt - und fühlen sich mit der Verantwortung alleingelassen: „Wir wurden bei der Verteilung von Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmitteln nicht berücksichtigt“, sagt Birgit Bauder. Eine Anfrage vom 18. März ans Gesundheitsamt, die zuständige Aufsichtsbehörde, sei lange unbeantwortet geblieben. Am 30. April erreichte die Hebamme dann die Nachricht, dass das Landratsamt Masken stelle - allerdings zu einem Preis, der über dem liege, den Masken jetzt im Supermarkt kosteten. Auch mit den zusätzlichen Materialkosten für Schutzausrüstung fühlten sich die Hebammen alleingelassen. Ende April trat eine zusätzliche Vereinbarung in Kraft, nach der die Hebammen zwischen 19. März und 19. Juni einen Zuschlag in Höhe von 49 Cent pro Hausbesuch von den Krankenkassen erhalten.

Entmutigen lässt sich Birgit Bauder jedoch nicht. Auch wenn sich ihre Arbeit in den vergangenen Wochen stark verändert hat, versucht sie, den Kontakt zu jeder Schwangeren, die sie betreut, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufzubauen und zu halten und lieber einmal mehr telefonisch nachzufragen, wie es ihren Schützlingen geht. Denn ihr wichtigstes Ziel ist: „Die Familien sollen sich auch in dieser unsicheren Zeit sicher fühlen.“

Mütter brauchen Geduld und Ausdauer. Schon lange, bevor das Baby auf die Welt kommt. Denn es wird seit Jahren immer schwieriger, eine Hebamme zu finden. Wer sich nicht bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft auf die Suche macht, findet unter Umständen überhaupt keine Betreuung für das Wochenbett. Die Coronakrise macht diese Suche noch schwieriger, obwohl gerade in dieser von Unsicherheit und Ängsten geprägten Zeit die Unterstützung einer vertrauten Hebamme für junge Familien

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