Waiblingen

Daimler: Anwohner fürchten Verkehrschaos

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Der Autobauer Daimler kommt aufs Hess Areal. © Laura Edenberger
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Die Pläne haben sie sich genau angesehen und Alternativen erarbeitet: von links Ameisenbühl-Anrainer Hans Dörr, Hans-Günther Mayerlen, Joachim Mayerlen, Thomas Herrmann (stehend), Otto Sikler und Petra Kimmerle.

Waiblingen. Die Ansiedlung des Autobauers Daimler auf dem Hess-Areal bringt der Stadt Arbeitsplätze und Image – aber auch viel Verkehr für die Anrainer im Ameisenbühl.

Statt der avisierten Zufahrt über die Max-Eyth-, Maybach- und Dieselstraße schlägt die Stadt deshalb zwei alternative Anbindungen vor: die eine von der Westumfahrung abzweigend entlang der Bahnlinie. Die andere als Verlängerung der Ziegeleistraße mit einer Brücke über die Bahngleise.

Sie sind keine Nörgler und notorischen Gegner, betonen die Ameisen-Anrainer. „Wir befürworten das Projekt. Es ist eine tolle Lösung für das Areal“, sagt Anrainerin Petra Kimmerle. Allerdings müsse es vernünftig und auf lange Sicht geplant werden. Doch das vermissen sie und andere Anlieger bei den Plänen der Stadt. „Für mich ist die Planung ein Schnellschuss“, kritisiert Joachim Mayerlen. Viele im Ameisenbühl, ergänzt Kimmerle, hätten Bedenken wegen der geplanten Zufahrt.

Ein fast zwei Kilometer langer Umweg

Vorgesehen ist die Erschließung des 42 000 Quadratmeter großen Entwicklungsdienstleistungsparks über die Max-Eyth-Straße und die Verlängerungen der Maybach- und Dieselstraße. Statt über eine direkte Verbindung von der Westumfahrung sollen die Lkws und Autos eine fast zwei Kilometer lange Schleife fahren und dann mitten durch das Ameisenbühl. Dort aber, monieren die Kritiker, sei das tägliche Verkehrsaufkommen schon jetzt enorm. Rollt der ganze Daimler-Mitarbeiter- und Zuliefererverkehr zusätzlich durch die Straßen, sei der Verkehrsinfarkt programmiert.

Anwohner sorgen sich über erhöhtes Verkehraufkommen

Zwischen 3500 und 4000 Schüler kommen nach Rechnung der Anwohner täglich mit dem Auto, der Bahn und zu Fuß zum Kreisberufsschulzentrum und weitere Schulen. Dazu kommen der Zulieferer-, Versand- und Mitarbeiterverkehr der ansässigen Firmen sowie die Veranstaltungen in Moscheen und Gaststätten. Schon jetzt gebe es Staus und Parkprobleme, die durch das geplante Parkhaus und die Zufahrt zum Hess-Areal bedenklich verschärft werden würden. Von der Bauphase ganz zu schweigen, in der die Baufahrzeuge mitten durch das Ameisenbühl fahren müssten. „Da wohnen auch noch Leute“, erinnert Petra Kimmerle. Leute, die auch große Bedenken wegen der Umweltbelastung hätten.

Alternativen wären aus Sicht der Anwohner vorhanden. Zum einen die Zufahrt über die Ziegeleistraße, die mit einer Brücke über die Bahngleise zum künftigen Daimler-Gelände führen könnte. Zum anderen eine Straße von der Westumfahrung entlang der Bahngleise zum Daimler-Gelände, wobei an der Abfahrt und Auffahrt zur Westumfahrung ein Brückenbauwerk nötig wäre. Statt einen Umweg fahren zu müssen, würde der Verkehr direkt aufs Areal geleitet. Und auch die Straßen im Ameisenbühl sowie die Bahnhofstraße, Fronackerstraße und Devizesstraße würden entlastet.

Die Verkehrsgutachten werden derzeit erarbeitet

Noch steht nicht fest, wie der Verkehr zum Daimler-Areal tatsächlich einmal fließen wird. Das Bebauungsplanverfahren läuft, Verkehrsgutachten werden erstellt. „Bei der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens haben wir die Ideen der Anwohner aufgenommen“, sagt Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Ideen, die nun ins Verfahren einfließen und geprüft werden. Die Verlängerung der Ziegeleistraße könne sich die Verwaltung aufgrund der Brücke über die Bahngleise technisch allerdings nur schwer vorstellen.

Weit weniger drastisch als die Anwohner beurteilt die Baubürgermeisterin die Folgen einer Erschließung durch das Ameisenbühl. Auch die Ziegelei Hess habe einmal Verkehr angezogen, erinnert sie. Ertüchtigt werden müsse aber die Kreuzung an der Jet-Tankstelle. Man gehe aber davon aus, dass der Verkehr mit den bestehenden Straßen funktionieren würde. Auf lange Sicht solle das Ameisenbühl allerdings an die Westumfahrung angebunden werden. Priebe: „Dazu braucht man aber Grunderwerb.“

Wo Hasen hoppelten

„Man muss sich die Entwicklung im Ameisenbühl vor Augen führen“, sagt Hans Dörr. „Wir sind seit 1956 im Ameisenbühl. Früher waren hier Hasen, dann kamen kleine Lastwagen. Heute fahren hier Sattelschlepper durch. Wenn die rangieren, ist es jetzt schon schwierig.“

„Wir sind für Daimler“, betont Otto Sikler. „Aber nicht so“, ergänzt Joachim Mayerlen.

Wie berichtet, soll auf dem Hess-Areal ein 42 000 Quadratmeter großes Daimler-Entwicklungszentrum entstehen, in dem neue Antriebsstränge entwickelt und Prototypen für Verbrennungs-, Hybrid- und Elektromotoren gebaut werden.