Waiblingen

Das Altkleider-Geschäft bricht zusammen - das liegt aber nicht nur an Corona

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In manchen Städten baut das DRK seine Container ab. In Waiblingen – hier in der Richard-Wagner-Straße – ist daran noch nicht gedacht. Foto: Büttner © Büttner

In immer mehr Städten Deutschlands werden derzeit Altkleider-Container abgebaut. Die Ursachen dafür liegen nicht nur in der Corona-Krise, sondern im Konsumverhalten der Wegwerfgesellschaft. Eine Flut von Billigklamotten erschwert das Geschäft zunehmend. Zudem wird oft illegal Müll in den Containern entsorgt. Auch in Waiblingen und Umgebung sind die Probleme zu spüren, an eine Demontage von Containern denkt das Rote Kreuz vorerst aber nicht.

Viele Menschen empfinden verdreckte Container-Standorte als Ärgernis. Betroffen sind Behälter für Glas, Papier – und eben Altkleider. Besonders ärgerlich aus Sicht von Kleider sammelnden, gemeinnützigen Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz: „Wilder“ Müll wird nicht nur neben den Containern entsorgt, sondern auch in die Behälter geworfen. Wegen Überfüllung und Vermüllung sperrte und demontierte unter anderem das DRK in Hamburg seine Container. Das Rote Kreuz in Waiblingen wiederum bestätigt: „Ein großes Problem ist der Einwurf von Müll aller Art – etwa Sperrmüll, Hausmüll, Biomüll, Elektroschrott und gebrauchte Windeln. Entsorgung und Reinigung sind teuer und drücken die Erlöse. „Ich bitte darum, dass unsere Altkleidercontainer nur im Sinne des Verwendungszwecks benutzt werden“, appelliert DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler an die Nutzer. Müll in Containern führe bei den Verwertern zu erheblichen Kosten: Die Kleiderstube des DRK in Schorndorf beziffert die Kosten für den anfallenden Restmüll auf 500 Euro monatlich. Und: Ware wird so stark verunreinigt, dass sie für nichts mehr zu gebrauchen ist. Unterm Strich bleiben für die ehrenamtliche Arbeit des Roten Kreuzes geringere Erlöse.

Rapider Preisverfall

Im Verlauf der Corona-Pandemie ist der Altkleidermarkt zusammengebrochen – allerdings sieht das Rote Kreuz Rems-Murr nicht Covid-19 als Auslöser, allenfalls als Verstärker dieser Entwicklung. Tiefer liegende Ursache scheint die Schwemme an Billigkleidern zu sein. Stichwort „Fast Fashion“, schnelle Mode. Kleidung von so schlechter Qualität, dass sie nicht recycelt werden kann. Die Verwerter haben nichts davon, denn nur qualitativ hochwertige Ware kann erneuert werden. Die Folge ist ein rapider Preisverfall bei Altkleidern.

Die Corona-Pandemie mit ihren Reisebeschränkungen, die nicht zuletzt den Überseehandel betrafen, tat ihr Übriges. Während des Lockdowns bekamen die Verwerter aufgrund von Geschäfts- und Grenzschließungen ihre Ware nicht mehr los. Das so entstehende Überangebot drückt die Preise nach unten. „Es ist davon auszugehen, dass es Monate dauern wird, bis sich der Markt davon erholt hat“, teilt das DRK mit. Erlöse für die ehrenamtliche Arbeit springen kaum heraus. Die gute Nachricht: Überlegungen, Container oder Standorte abzubauen, hegt das DRK Rems-Murr dennoch nicht. „Solange der Kreisverband eine schwarze Null im Ergebnis erzielt und mit den Erlösen das Ehrenamt vor Ort unterstützen kann, werden wir an der Kleidersammlung in Containern festhalten“, sagt Utz Bergmann, Leiter Sozialarbeit beim DRK-Kreisverband.

Zu schlecht für Putzlappen

Der Rote Kreuz Rems-Murr sammelt Altkleider über Container und Spendenabgaben. Die Ortsvereine sammeln über die Kleiderstuben in Backnang, Schorndorf und Winnenden sowie bei Straßensammlungen. Rund 140 Altkleidercontainer des Roten Kreuzes verteilen sich auf das Kreisgebiet. 2019 kamen 800 Tonnen zusammen. Ziel ist einerseits, bedürftige Menschen mit Kleidung zu versorgen. Zum anderen fließen Überschüsse aus dem Weiterverkauf in die Jugendarbeit, an die Bereitschaften sowie die Gesundheits- und Familienprogramme. Verkauft wird die Ware an das DRK Schwäbisch Gmünd als Verwerter und die Firma Gras und Sigloch. Ein Teil wird zu Fußmatten und Putzlappen verarbeitet, ein Teil an Drittländer weiterverkauft. Ein weiterer Anteil wird für den Katastrophenschutz sowie für das Frauen- und Kinderschutzhaus zurückgelegt. Beträchtliche Mengen taugen nicht einmal mehr als Putzlappen und müssen wegen schlechter Qualität entsorgt werden.

In immer mehr Städten Deutschlands werden derzeit Altkleider-Container abgebaut. Die Ursachen dafür liegen nicht nur in der Corona-Krise, sondern im Konsumverhalten der Wegwerfgesellschaft. Eine Flut von Billigklamotten erschwert das Geschäft zunehmend. Zudem wird oft illegal Müll in den Containern entsorgt. Auch in Waiblingen und Umgebung sind die Probleme zu spüren, an eine Demontage von Containern denkt das Rote Kreuz vorerst aber nicht.

Viele Menschen empfinden verdreckte

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