Waiblingen

Das Ende der "Transporter-Falle"?

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Immer wieder schnappt die „Transporter-Falle“ zu: Am 6. Oktober 2015 blieb ein weißer Kleinlaster hängen. © Karolin Wratil (Online-Praktikant)
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Am Donnerstag, den 20.10.2016 gegen 8.45 Uhr ist zum wiederholten Mal ein Kleinlastwagen in der Unterführung am Beutelsbacher Bahnhof stecken geblieben. © Leonie Kuhn
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Trotz deutlicher Warnung mit Dauer-Blinklichtern, blieb bereits am 9.10.2016 ein Sprinter hängen. © Leonie Kuhn
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Am Montagabend, den 26.9.2016 steckte ein Lieferwagen fest. Erst am Freitag, den 23.9.2016 hatte es dort nachmittags einen Krankenwagen erwischt. Diesmal war es ein Möbeltransporter - sinnigerweise mit der Aufschrift "XXXL". © Leonie Kuhn
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Vielleicht liegt es auch an der Jahreszeit. Am Dienstag, den 6.10.2015 blieben gleich zwei LKWs an einem Tag hängen. © Leonie Kuhn
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Auch am Dienstag, den 25.09.2012 gegen 19.00 Uhr blieb ein zu hoher Lieferwagen in der Unterführung hängen. © Leonie Kuhn
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Unfall 24.07.2002 LKW steckt unter Bahnbruecke Beutelsbach fest
Der LKW, der am 24.07.2002 stecken geblieben ist, hat den sichtlich größten Schaden davon getragen. © Leonie Kuhn
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Am 26.3.2001 gab es einen Wohnmobilunfall in der Beutelsbacher Bahnunterführung. © Leonie Kuhn
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Zum zweiten Mal an diesem Tag. Ein Großtransporter hat sich ebenfalls, wie zuvor ein Mercedes Sprinter bei der Beutelsbacher Unterführung verhakt. © Karolin Wratil (Online-Praktikant)
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Zum zweiten Mal an diesem Tag. Ein Großtransporter hat sich ebenfalls, wie zuvor ein Mercedes Sprinter bei der Beutelsbacher Unterführung verhakt. © Karolin Wratil (Online-Praktikant)

Weinstadt-Beutelsbach. Sie sind neongelb, blinken – und werden missachtet. Die Warnschilder lassen keinen Zweifel: Fahrzeuge, die höher als zwei Meter sind, können die Bahnunterführung nicht passieren. Trotzdem fahren immer wieder Kleinlaster, Wohnmobile oder Transporter hinein und bleiben stecken. Hängende Latten sollen nun Abhilfe schaffen.

Als „Transporter-Falle“ hat die Unterführung Poststraße/Cannonstraße immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Stadt plant für etwa 15 000 Euro einen Höhenbegrenzer auf der Nordseite. Dieser soll Fahrzeugen, die aus der Richtung Großheppach kommen, anzeigen, wenn sie zu hoch für die Unterführung sind.

Mein Auto ist zu hoch

Die hängenden Latten aus Holz, Alu oder PVC/PE sollen zwischen Wendemöglichkeit und Bahnunterführung an einem Stahlgerüst angebracht werden. Fährt nun ein Fahrzeug, das mehr als zwei Meter hoch ist, an der Wendemöglichkeit vorbei und durch die Barriere, hört der Fahrer deutlich: Mein Auto ist zu hoch.

Aus Sicherheitsgründen hatte die Stadt in der Vergangenheit Höhenbegrenzer vor der Bahnunterführung abgelehnt. Stattdessen wurde in die Beschilderung investiert: Die Warnhinweise sollten jedem Verkehrsteilnehmer ins Auge springen. Trotzdem schnappte die Transporter-Falle immer wieder zu.

„Transporter-Falle“ hat eigene Facebook-Gruppe

Unserer Zeitung sind allein seit Anfang des Jahres drei Unfälle mit Kleinlastwagen bekannt. Wie oft tatsächlich Fahrzeuge in der Bahnunterführung hängen bleiben, ist unklar, da nicht jeder Vorfall bei der Polizei gemeldet wird. Routiniers lassen Luft aus den Reifen, um an Höhe zu verlieren, und befreien ihre Fahrzeuge selbst.

„Zum Glück gab es bisher keine gravierenden Unfälle“, sagt Michael Sonn, der Tiefbauamtsleiter der Stadt Weinstadt. Dass bei Unfällen mit Brücken hohe Schäden entstehen können, hat zuletzt ein Vorfall auf der B 14 gezeigt. Dabei war ein Baggertransporter an einer Eisenbahnbrücke hängen geblieben, diese musste abgebrochen werden.

Das „Nadelöhr im Remstal“

Die „Transporter-Falle“ sorgt im Internet für Hohn und Spott. Es gibt sogar eine eigene Facebook-Gruppe namens „Die Unterführung (Beutelsbach)“, in der Unfallbilder veröffentlicht und kommentiert werden. Die Bürger seien berechtigt, die Stadt zu fragen: „Was macht ihr denn da“, meint Sonn.

Der GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger gibt zu bedenken, dass Unfälle im Berufsverkehr fatal sein können. Die Bahnunterführung sei das „Nadelöhr im Remstal“. Auch der Zugverkehr muss bei jedem Unfall eingeschränkt werden. Daher plädiert Siglinger an den Technischen Ausschuss, Verantwortung zu übernehmen.

Wendemöglichkeiten vor der Bahnunterführung

Die Stadt ist zwar rechtlich nicht verpflichtet, etwas zu unternehmen, hat aber nun das Büro Bolz und Palmer Ingenieure beauftragt, den aktuellen Zustand zu analysieren und Lösungen vorzuschlagen. Dafür sind unter anderem die Wendemöglichkeiten vor der Bahnunterführung mit einem Sattelzug getestet worden.

Das Ergebnis: Auf der Nordseite (Cannonstraße) kann ohne Probleme gewendet werden. Auf der Südseite (Poststraße) wird darauf hingewiesen, dass es keine Wendemöglichkeit gibt. Im Notfall ist es allerdings bedingt möglich, wie die Überprüfung ergab.

Ein manueller Höhenbegrenzer auf der Nordseite

Die Ingenieure hatten mehrere Ansätze geprüft. Ihre Empfehlung an die Stadt war ein manueller Höhenbegrenzer auf der Nordseite und ein elektronischer auf der Südseite. Dort ist die Wendemöglichkeit so dicht an der Bahnunterführung, dass ein Höhenbegrenzer nur davor montiert werden kann.

Damit nicht jeder, der wenden möchte, durch die Barriere fahren muss, kommt hier nur eine elektronische, teurere Lösung infrage. Vorerst soll nach einem einstimmigen Beschluss des Technischen Ausschusses nur auf der Nordseite ein Höhenbegrenzer angebracht werden.

Die Bahn wird sich an den Kosten nicht beteiligen

Zur Begründung hieß es unter anderem, die meisten Unfallverursacher kämen ohnehin aus dieser Richtung. Bis zum Ende des Jahres soll der manuelle Höhenbegrenzer in der Cannonstraße dem Tiefbauamtsleiter zufolge aufgestellt sein.

Die Bahn wird sich an den Kosten von rund 15 000 Euro nicht beteiligen, so Sonn weiter. Unter anderem Manfred Siglinger kritisiert dies: Man müsse Druck gegen die Bahn ausüben. Der Zugverkehr sei schließlich auch betroffen.


Die Alternativen

Neben den Höhenbegrenzern hatten die Ingenieure weitere Lösungsmöglichkeiten geprüft:

Die Idee, den Straßenzug für Fahrzeuge, die mehr als zwei Meter hoch sind, zu sperren, ist in Gänze nicht umzusetzen, da Zufahrtswege der Remstalkellerei und des Industriegebiets betroffen wären.

Ein weiterer Ansatz war, die Fahrbahn tiefer zu legen. Der Umbau würde allerdings Millionen kosten und ohne die Beteiligung der Bahn wäre dies nicht umzusetzen.

Der Vorschlag, zusätzliche Schilder anzubringen, erscheint den Ingenieuren in Anbetracht der aktuellen Situation als wenig zielführend und wurde ebenfalls verworfen.


Eine Auflistung der Ereignisse in und um die Unterführung:

April 2012 blieb der Kleinbus einer 37-Jährigen in der Unterführung hängen.

Oktober 2015: An einem Tag bleiben gleich zwei Fahrzeuge hängen.

18. Juli 2016: Ein Kleintransporter mit Spezialaufbau für Glasscheiben kommt nicht ganz durch. Herunterfallende Teile beschädigen das Auto eines anderen Verkehrsteilnehmers.

23. September 2016: Ein von der Poststraße kommender Krankenwagen passt nicht durch die verflixte Unterführung.

26. September: Ein Lieferwagen ist zu hoch für die Brücke. Genauso wie ein Möbelwagen.

9. Oktober 2016: Ein Sprinter schafft es nicht unter der S-Bahnstrecke hindurch.

21. Oktober 2016: Unterführung bleibt Transporter-Falle

15. Februar 2017: Schon wieder: Sprinter bleibt in Unterführung hängen

8. März 2017: Transporter bleibt in Unterführung hängen

9. Mai 2017: Die Transporter-Falle schnappt wieder zu