Waiblingen

Das hält ein Waiblinger Apotheker vom BGH-Urteil

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Eleftherios Vasiliadis ist Vorstandsmitglied im Landesapothekerverband. Foto: Palmizi © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Taschentücher, Traubenzucker, Hustenbonbons: Bis vor kurzem hat uns der Apotheker unseres Vertrauens zum Medikament oft noch eine Kleinigkeit in die Tüte gesteckt. Doch damit ist nach einem BGH-Urteil Schluss. Eleftherios Vasiliadis, Apotheker in Waiblingen und Vorstandsmitglied im Landesapothekerverband, begrüßt das Urteil. „Das Grundsatzurteil bestätigt die Arzneimittelpreisbindung.“ Versandapotheken schnürten ihren niedergelassenen Kollegen dagegen die Luft ab.

In Deutschland haben rezeptpflichtige Arzneimittel feste Preise. Daran darf sich auch durch die Hintertür nichts ändern. Noch nicht einmal kleine Geschenke im Cent-Bereich dürfen mit in die Tüte, hat jüngst der Bundesgerichtshof entschieden. Übertrieben? Kleinlich? Und geht das Urteil nicht zulasten der niedergelassenen Apotheker? Nein, sagt der Waiblinger Apotheker Eleftherios Vasiliadis. Durch das Grundsatzurteil werde die Arzneimittelpreisverordnung bestätigt, was einen Preiskampf zwischen den Apotheken verhindere und am Ende den Kunden zugutekomme.

Zahl der Apotheken im Land ging um acht Prozent zurück

„Fixpreise für verschreibungspflichtige Medikamente finde ich richtig“, sagt er. Nur so könnten die Kunden sicher sein, dass sie bei Engpässen oder Notfällen nicht plötzlich höhere Preise zahlen müssen. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Notdienst und der verlangt plötzlich eine Riesensumme für ein Medikament, das Sie dringend brauchen“, sagt der Apotheker. Auf der anderen Seite schütze es die Apotheken vor einem ruinösen Wettbewerb, und das, meint Eleftherios Vasiliadis, sei dringend nötig. „Die Apotheken werden immer weniger“, stellt er fest. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Apotheken im Land um acht Prozent zurückgegangen. Manche Apotheker, die in den Ruhestand gehen, fänden keine Nachfolger mehr, weil das Apothekerdasein längst nicht mehr so lukrativ sei wie früher.

Das Apothekensterben merken die Kunden auch in Waiblingen. Dort machten in den vergangenen Jahren die Linden-Apotheke am Bahnhof, die Rathaus-Apotheke und die Apotheke am Marktplatz dicht. Und nicht überall können die Menschen so einfach auf andere Apotheken ausweichen wie in Waiblingen.

Vasiliadis: Rückgang Folge von ausländischen Versandapotheken

„Mich stört die Frage, ob es nicht immer noch genügend Apotheken gibt“, sagt Vasiliadis. Europaweit sei die Apothekendichte unterdurchschnittlich in Deutschland. Und schon jetzt gebe es durchaus Engpässe. „Der Rems-Murr-Kreis ist ländlich geprägt“, erinnert Eleftherios Vasiliadis. Zum Rems-Murr-Kreis gehörten auch viele kleine Ortschaften und der Welzheimer Wald, in dem Apotheken rarer sind. „Wenn dann die Apotheken weniger werden, bin ich gespannt, was Sie sagen“, meint Vasiliadis. Bürgermeister hätten jedenfalls keine Freude, wenn in ihrer Gemeinde plötzlich der Arzt und die Apotheke verschwunden seien.

Dieser Rückgang ist für Vasiliadis ganz klar auch eine Folge der ausländischen Versandapotheken, die zu anderen Bedingungen arbeiten können als ihre deutschen Kollegen. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sind diese nicht an die deutsche Arzneimittel-Preisbindung gebunden. Sie dürfen rezeptpflichtige Medikamente also auch billiger verkaufen. „Damit dreht man den Apotheken die Luft ab“, ärgert sich der Waiblinger.

80 Prozent des Umsatzes durch verschreibungspflichtige Arzneien

Übrigens gelten die Fixpreise nur für verschreibungspflichtige Medikamente. Auch wenn manche Apotheken mit ihren ausladenden Regalen mit Kosmetik, Entspannungsbädern, Gesundheitsbüchern und Babynahrung anders aussehen: „Mit den verschreibungspflichtigen Medikamenten werden 80 Prozent des Umsatzes gemacht“, erklärt Vasiliadis. Bei Schnupfensprays, Kopfschmerzmittel und Hustensaft dürfen Tempo-Taschentücher und Co. also weiter mit in die Tüte.


Keine Preisbindung

Für nicht rezeptpflichtige Medikamente wie Grippemittel dürfen Apotheken seit 2004 die Preise selbst bestimmen. Hier ist im Gegensatz zu den rezeptpflichtigen Arzneimitteln Wettbewerb offenbar erwünscht.