Waiblingen

Das Staufer-Spektakel nimmt seinen Lauf

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Waiblingen. Das Wetter wollte dieses Jahr nicht richtig. Das 11. Stauferspektakel und das 43. Altstadtfest verzeichneten keine Besucherrekorde. Trotzdem ließen sich das gelungene Mittelalterflair und froher Trubel in allen Gassen genießen.

Zu Gewändern, Gewürzen und Glasmacherey führt die Zeitreise auf der Brühlwiese. Mit einem stilechten Tonkrug in der Hand, mit Fuchsfell auf dem Rücken, Standarten und Lederschuhen mit Riemchen und Schnallen schauen etliche wundersam Gewandete dem Ritterkampf zu. Rasselnde Schwerter, täuschend echt nachgestellte Kampfposen, in Zeitlupe gezeigte Schwerthiebe von der tschechischen Gruppe Burdyris fesseln ihre Aufmerksamkeit. Wer die sogenannten „Eineinhalbhand-Schwerter“, Streitkolben oder Flegel anschließend im Ruhezustand anschauen möchte, kommt zum Stand des erhabenen Franken „Francia Elatus“. Er lässt „Touris“, wie die Mittelalterleute die Besucher ihrer Welt augenzwinkernd nennen, einen Nasalhelm mit Gesichtsplatte oder einen Topfhelm mit Nackenschutz aufsetzen. „Sie hatten um die drei Kilogramm Gewicht auf dem Kopf“, erklärt Standbetreiber Wolfram von Rugelandum. Mancher Besucher schlüpft in ein Kettenhemd und darf sich darin als Vertreter der oberen Zehntausend des Mittelalters wähnen.

Drei Tage campen

Statt in den nächsten Kampf gehen die Besucher in ihrer Rittermontur kurz auf Facebook und posten ein Selfie. Für sie liefert die Mittelalter-Vergnügungsmeile Motive und Kulissen zuhauf. Auch die Seilerei und Drechslerei von Heide Abendschein und Jürgen alias Rainald aus dem Rauner zählt dazu. Die beiden gehören der Gruppe „Pfeilgesindel“ aus Kirchheim/Teck an, die zum ersten Mal in Waiblingen ihre Zelte aus Holzstangen und Leintüchern aufschlägt. Drei Tage campen ist angesagt, gekocht wird mit Feuer und geschlafen unter Fellen. Mit dem Publikum, das ihnen beim Drechseln oder in der Seilerei über die Schultern schaut, haben sie viel Spaß: „Es hat sehr viele offene interessierte Leute“, sagen sie.

„Unter lauter verrückten Mittelalterfans kann man hier ganz normal sein“

„Zehn von zehn Sternen“ verteilen sie an die Organisation: „Wir kommen auf einigen Mittelalterfesten rum, aber hier stimmt alles, sogar das Frühstück bekommen wir spendiert.“ Heide geht in ihrer Mittelalterrolle als Heather Glen auf und trinkt aus einem Tonkrug. Sie könne den Alltag komplett hinter sich lassen. „Ich denke nicht an morgen oder Montag“, sagt sie. „Unter lauter verrückten Mittelalterfans kann man hier ganz normal sein“, ergänzt ihr Begleiter Rainald, der einen „Lebemann“ verkörpert. Irgendwo am Ende der Stauferzeit im 13. Jahrhundert siedeln sie ihre Figuren an - ob die schon vegan gegessen haben? Susanne Sieber von der Haferbräterey bietet veganen Gulasch mit Soja an. „Die alten Rezepte sind zumindest fast überwiegend vegetarisch, Fleisch konnten sich die armen Leute ja gar nicht leisten“, preist sie die nächste Spezialität an: Hafertaler, verfeinert mit Gewürzen. Man labt sich beim Bummel durchs Mittelalter auch an Apfelbier und zahmer Sau im Brot, bekommt Käsesalat im Napf, Dattelgebäck und gewässerten Wein, also Schorle.

Lange Schlangen und kulinarische Leckereien

In der idyllisch dargestellten Mittelalter-Fantasie aus Stauferspektakel und Zeltstadt riecht es in jeder Ecke nach Lagerfeuer. In den Altstadtgassen wird die Nase dann mit Grill- und Friteusegeruch in die Gegenwart zurückgeholt. Es bilden sich lange Schlangen mit erwartungsvollen Besuchern, die in den Genuss von Ochs am Spieß kommen wollen. Schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern ein kulinarisches Highlight, sind die Spezialitäten beim rumänischen Kulturverein Luceafarul: gegrillte Hackfleischröllchen „Mici“, Sarmale (Kohlrouladen mit Reis, Hackfleisch und Zwiebeln) oder Mamaliga, ein Maisbrei mit Käse und Schmand. Dem Ohr bieten sich statt mittelalterlicher Klänge auf dem Zeller Platz zünftige Blasmusik vom städtischen Orchester, Rockgitarren vor Bobby’s, die alles geben und Partymucke vor dem Rathaus. Bei der freikirchlichen Gemeinde „Oase“ bleiben viele stehen, lauschen den Bläsern und Gitarristen der kroatischen Band „October light“ und lassen sich vom Slogan „Church & Chill“ zu einer Runde Entspannung einladen. Dazu duftet es süß, weil sechs Pfadfinder der Royal Rangers auf einem Feuerkorb Kaiserschmarrn kochen. Dazu passen die cocktaillastigen Getränkekarten mit süßen und fruchtig-frischen Getränkeangeboten.

Tanzschule nach einigen Jahren Pause wieder dabei 

Auch im Zehnthof ist die Cocktailkarte lang, wo nach einigen Jahren Altstadtfest-Pause der Förderverein der Tanzschule Contemp Dance Center bewirtet und Programm bietet. Auf einer Bühne zeigen Schüler Hip-Hop-Tanzeinlagen. Am Freitag war ordentlich was los, berichtet Stefanie Laubengeiger, Kassenwartin und Organisatorin des Tanzschulen-Fördervereins. Viele Waiblinger hätten sich gefreut, dass ihr lauschiges Eck wieder belebt wird. „Auch die Nachbarn, die anfangs skeptisch waren, sind zum Schluss dazugekommen und an die Tische gesessen, es war schön gemütlich hier.“ Zum Schluss trifft sich alles „bei der Dana“, heißt es bei vielen Stammgästen, denen in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. „Ganz toll, dass hier wieder was ist“, sagen Roswita und Horst Peter Ott. Sie kennen das Waiblinger Straßenfest noch zu Zeiten, als die Volleyballer Champagner ausgeschenkt haben.

Beachbar der VfL

Daran kann sich die heutige Generation, vertreten durch Organisator Robert Enzensberger, natürlich nicht erinnern. Die Untergruppe des VfL zieht die Bewirtung anders auf. Für ihre kleine „Beachbar“ haben sie 200 Kilogramm Spielsand besorgt und auf den Platz gestreut. „Man watet nicht im Sand, aber immerhin sitzt man auf Sand“, so Enzensberger. Auf den selbst gebauten Palettenmöbeln und Hockern wird es am Freitagabend noch recht voll.