Waiblingen

Das widersprüchliche Bild der Nazi-Frauen

Janka Kluge
Janka Kluge bei einem Vortrag bei den „Frauen im Zentrum“ (Fraz). © Büttner/ZVW

Waiblingen. Die blonde Frau, die als Mutter und Bewahrerin von Familie und Traditionen ihrem Mann treu zur Seite steht, das war das Bild der Frau im Nationalsozialismus. Heute ist die Rolle der Frauen in den rechten Parteien diffuser: In der rechten Szene finden sich gewaltbereite Skinhead-Frauen ebenso wie konservative Bewahrerinnen aus dem „Ring nationaler Frauen“ in der NPD, sagte Janka Kluge bei einem Vortrag bei den Frauen im Zentrum.

Frauen in der rechten Szene: Lange hat es die im Bewusstsein der Öffentlichkeit gar nicht gegeben. „Es gab Ehefrauen, es gab Freundinnen. Aber Nazis waren die Männer“, sagte Janka Kluge, Landessprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, bei einem Vortrag im Fraz. Das habe sich mit den Prozessen gegen KZ-Aufseherinnen geändert: „Die Öffentlichkeit merkte, es gab Frauen in den Konzentrationslagern, es gab Nazitäterinnen.“ Dass sich Frauen auch heute in gewaltbereiten Kreisen tummeln, zeigt nicht erst das Beispiel von Beate Zschäpe, Mitglied der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund. Ob diese eine kühle Rechnerin und voll zurechnungsfähig war oder emotional abhängig von ihren beiden Mittätern, darüber gingen die Meinungen der Gutachter auseinander. Beide Bilder spielten aber in den rechten Strukturen eine wichtige Rolle.

„Die rechte Szene hat sich verändert“

So oder so: „Die rechte Szene hat sich verändert“, sagte Janka Kluge. Während nach 1945 die alten Nazis noch versucht hätten, das Bild der Frau als Mutter und ehrenhaften Ehefrau festzusetzen, habe sich das mit der Geburtsstunde der neuen Rechten Ende der 60er Jahre geändert. Die Frauen wollten nicht mehr nur als Teil ihrer Männer wahrgenommen werden – „nicht als Anhängsel eines Skinheads, sondern als gleichwertiger Skinhead mit denselben Idealen wie die Männer“. Darauf hat mittlerweile auch der Kommerz reagiert: Im Versandhandel bestellen sich Neonazi-Frauen Kleidung mit „Heil Hitler“-Aufdrucken, Parfüm mit dem Namen „Nationalist“ und für den Nachwuchs Babystrampler mit der Reichskriegsflagge.

Gedankengut erinnert an Hitler-Deutschland

Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch immer den „Ring nationaler Frauen“, eine Organisation der NPD, deren Gedankengut frappierend an das des Hitler-Deutschlands erinnert: „Was der Mann an Opfern bringt im Ringen seines Volkes, bringt die Frau an Opfern im Ringen um die Erhaltung dieses Volkes in den einzelnen Zellen“, heißt es auf deren Facebook-Seite. Und weiter: „Was der Mann einsetzt an Heldenmut auf dem Schlachtfeld, setzt die Frau ein in ewig geduldiger Hingabe, in ewig geduldigem Leiden und Ertragen. Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für Sein oder Nichtsein ihres Volkes.“ In den konservativen Kreisen bis hin zur AfD orientiere sich das Bild von Familie und Frau an alten Traditionen. „Mehr als eine gute Mutter und Ehefrau hat eine Frau nicht zu sein, diese Positionen sind in der konservativen Rechten nach wie vor verbreitet“, sagte Kluge. Freifrau Beatrix von Storch stehe dafür in der AfD. Auf der anderen AfD-Seite gibt es aber auch die lesbische Alice Weidel, die jüngst zusammen mit Alexander Gauland zur Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl 2017 gekürt wurde. Weil ihre sexuelle Orientierung aus Sicht ihrer Parteigenossen ein Manko sei, habe sie eine besonders markige Rede gehalten und Gauland noch rechts überholt.

Rechte Frauen in Elternvertretungen

„Es ist schwierig, von einem einheitlichen Bild zu sprechen“, resümierte Janka Kluge. Gleichwohl gebe es gemeinsame Positionen – wie das Bild der Rechten als alleinige Hüter von Frauen und Familien. Für dieses Bild hätten sie auch die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht benutzt. Kaum ein Bereich sei von rechten Einflüssen verschont. Intellektuell und adrett treten Studentinnen bei Youtube für die Identitäre Bewegung auf. Freundlich und fleißig engagierten sich rechte Frauen in Elternvertretungen. „Elternbeiräte freuen sich immer über Mitstreiter“, sagte Kluge. Bis diese Mitstreiter plötzlich Sätze sagen wie ,mein Kind soll nicht mit einem Mohammed spielen’.“ Zu Wachsamkeit riet Janka Kluge deshalb den Frauen im Fraz, die wissen wollten, wie sie mit solchen Tendenzen umgehen sollten. „Und klar thematisieren, wenn einem etwas auffällt.“