Waiblingen

David de Jong spricht in Waiblingen über "braunes Erbe" von Porsche und Co.

Braunes Erbe
David de Jong in Waiblingen: Es war seine erste Lesung an einer Schule. © ALEXANDRA PALMIZI

Über die NS-Vergangenheit großer deutscher Unternehmen und ihre - mehr oder weniger gelungene - Aufarbeitung hat der Journalist David de Jong in Waiblingen vor Schülern der Kaufmännischen Schule (KSWN) gesprochen. Auch Vertreter von Porsche waren anwesend.

In seinem Buch „Braunes Erbe: Die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerdynastien“, das in diesem Frühjahr in zweiter Auflage bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, berichtet der in den Niederlanden geborene de Jong über den Umgang dieser Wirtschaftsfamilien mit ihrer Vergangenheit. Über einen Lehrer des Berufsschulzentrums war der Kontakt zur Adolf Rosenberger gGmbH zustande gekommen. Die wiederum gewann de Jong für dessen erste Lesung in einer Schule überhaupt, die von Michael Blume, dem Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus, moderiert wurde.

Auch zwei Porsche-Vertreter waren anwesend: Frank Scholtys (Leiter Strategie, Planung und IR) und Frank Jung (Leiter Unternehmensarchiv und History Services).

Der Wohlstand im Großraum Stuttgart, führte Blume in das Thema ein, hänge „ganz stark von Großunternehmen wie Daimler, Porsche, Audi und deren Zulieferern Mahle, Bosch und Recaro“ ab. Sie hätten ihre Geschichte, die Teil der Geschichte Deutschlands sei. In der Nazi- und der Nachkriegszeit seien sie gewachsen und hätten Fahrt aufgenommen. Sie hätten sich inzwischen mit ihrer Verstrickung mit dem NS-Regime auseinandergesetzt. Dies sei in einigen Fällen großartig gelungen, in anderen großartig misslungen. Aber man stelle sich langsam der Familienvergangenheit und den Taten der eigenen Vorfahren, an deren Bild gerührt werde.

David de Jong sagte, er habe 2011 in New York bei Bloomberg News als für die deutschsprachigen Länder zuständiger Mitarbeiter angefangen, sich mit der Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerfamilien zu beschäftigen, die auch heute noch mit ihren Milliarden weltweit aktiv seien und über ihre „riesigen wirtschaftlichen Interessen“, Stiftungen, Preise sowie die von ihnen finanzierten Lehrstühle prägenden Einfluss auf die Gesellschaft ausübten. Er sei bei seinen Recherchen auf die Tatsache gestoßen, dass die 1970 vier reichsten Deutschen allesamt eng mit der NSDAP verbunden waren, freiwillig der SS beitraten und auch nach 1945 enge Verbindung mit ihren ehemaligen Kameraden hielten und diese unterstützten.

Adolf Rosenberger und Porsche

Die Namen Quandt, Flick, von Finck, Porsche-Piech, Oetker seien zum Teil mit Kriegsverbrechen und Zwangsarbeit im Dritten Reich verbunden, und man habe in den Familien durchaus auch Initiativen ergriffen, um die NS-Geschichte aufzuarbeiten. Doch die Ergebnisse seien zu wenig bekannt, die Erben der Opfer, so de Jong, hätten keinen Zugang zu den Fakten. Daraus sei die Idee für sein Buch geboren, für das er 2017 nach Berlin gezogen sei und vier Jahre lang recherchiert habe.

Diejenigen, die über viel Eigentum verfügen, so Michael Blume unter Verweis auf das Grundgesetz, hätten auch die Verpflichtung, sich der Vergangenheit zu stellen. Er sei davon überzeugt, dass in Zukunft diejenige Marke an Reputation und Glaubwürdigkeit gewinnen werde, die auch für eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Firmen- und Familiengeschichte stehe.

Als vorbildlich bewertete er in dieser Hinsicht die Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG, die sich dazu entschlossen habe, gemeinsam mit der Adolf Rosenberger gGmbH dessen Schicksal aufzuarbeiten. Rosenberger wurde 1900 in Pforzheim geboren, er war Kampfflieger, Techniker, Geschäftsmann und Werksrennfahrer. 1930 wurde er Teilhaber und kaufmännischer Direktor des neu eröffneten Konstruktionsbüros Porsche.

1935 trat Rosenberger seinen zehnprozentigen Firmenanteil an Ferry Porsche ab. Als Jude wurde er am 5. September 1935 wegen „Rassenschande“ verhaftet und kurzzeitig im Konzentrationslager Kislau inhaftiert. Im selben Jahr emigrierte er nach Paris, 1938 in die USA, wo er seinen Namen in Alan Arthur Roberts änderte. Nach dem Krieg verglich er sich mit Porsche über eine Abfindung für die Übernahme seiner Firmenanteile. Adolf Rosenberger starb 1967.

Über die NS-Vergangenheit großer deutscher Unternehmen und ihre - mehr oder weniger gelungene - Aufarbeitung hat der Journalist David de Jong in Waiblingen vor Schülern der Kaufmännischen Schule (KSWN) gesprochen. Auch Vertreter von Porsche waren anwesend.

In seinem Buch „Braunes Erbe: Die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerdynastien“, das in diesem Frühjahr in zweiter Auflage bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, berichtet der in den Niederlanden geborene de

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