Waiblingen

Dem Sommernachtskino an den Kragen?

kirchedorf Waiblingen Zeller-Platz (Karolingerschulhof) Auftakt zum Sommernachtskino mit "Die Kirche bleibt im Dorf".
kirchedorf Waiblingen Zeller-Platz (Karolingerschulhof) Auftakt zum Sommernachtskino mit dem film fuck ju Göthe Foto: Buettner © Büttner / ZVW

Waiblingen. Gibt es in Waiblingen derartig viele Kulturangebote und Veranstaltungen, dass ein Teil davon ohne Probleme gestrichen werden kann? Ja, glaubt die Alternative Liste. Und beantragte im Zuge der Etatberatungen, die Mittel für die Galerie Stihl und die Wirtschaft, Tourismus, Marketing GmbH um je 100 000 Euro zu kürzen. Die Mehrheit des Gemeinderats sah das anders – beide Anträge wurden abgelehnt.

Besonders der Antrag, das Ausstellungsprogramm der Galerie einzudampfen und 2017 auf eine von drei Ausstellungen zu verzichten, stieß auf völliges Unverständnis im Gemeinderat. „Hier treibt der Wunsch nach Einsparung sonderliche Blüten“, bemerkte FDP-Chefin Julia Goll. Dass es die ALi in Kauf nehme, auf zwei Veranstaltungen runterzugehen, fand sie sehr bedauerlich, die Intervalle zwischen den Ausstellungen würden viel zu groß.

„Ziehen Sie den Antrag zurück!“

Deutliche Worte wählte Ingo von Pollern (CDU), für den die Stihl Galerie bekanntermaßen „in der Champion’s League mitspielt“ und die gewünschte Kürzung nicht weniger als „eine gefährliche Operation am offenen Herzen“ wäre. Auch mit einer Ausstellung weniger würden die Betriebskosten weiterlaufen, gab er zu bedenken und appellierte an die ALi-Fraktion, „ihren untauglichen Antrag“ zurückzuziehen – woraufhin ALi-Chef Alfonso Fazio mehr Respekt einforderte. Tatsächlich stünde das Haus aber ein Gutteil des Jahres leer, während die Fixkosten weiterlaufen würden. Das unterstrich auch Julianne Sonntag (SPD). Zudem verwies sie auf den besonderen Bildungsauftrag der Galerie, der durch diese Kürzung gefährdet wäre. Ganze Schulklassen und viele Erwachsene aus allen Schichten kämen aufgrund der Verbindung mit der Kunstschule – nach Ansicht Sonntags ein einzigartiges Merkmal für Waiblingen – und nicht mehr wegzudenken, wie BüBi-Rat Bernd Wissmann ergänzte. Daniel Bok (Grünt) fand den Sparantrag zu pauschal, DFB-Rat Wilfried Jasper lehnte ihn ganz ab: „Die Galerie ist gut besucht, es funktioniert hervorragend“, konstatierte Jasper. Abgesehen davon könnten Ausstellungen so kurzfristig nicht gecancelt werden, da sie langfristig geplant worden seien.

Am Ende blieb die Alternative Liste mit diesem Antrag ebenso allein wie mit der Forderung, vom Etat der WTM 100 000 Euro zu streichen. „Die WTM wurde gegründet, um die Wirtschaft in der Innenstadt und in den Ortschaften die Wirtschaft zu halten“, argumentierte Frieder Bayer (ALi). Mittlerweile veranstalte sie aber Events, und er frage sich, ob das eine öffentliche Aufgabe sei.

Den Ostermarkt abschaffen?

Ja, denn diese erfüllen die Altstadt mit Leben, meint Daniel Bok (Grünt). Ja, sagte aus demselben Grund auch DFB-Chef Wilfried Jasper. Auch die Sprecher der anderen Fraktionen verwiesen auf den Nutzen der Wirtschaft, Marketing, Touristik GmbH. Notwendig für den Erhalt der Infrastruktur ist sie aus Sicht von CDU-Chef Siegfried Kasper, aber auch aufgrund drohender Leerstände dürften die Mittel nicht gekürzt werden. Ebenso wenig zielführend fand Bernd Wissmann (BüBi) den Antrag. Und SPD-Chef Roland Wied verwies auf die Personalkosten, die den größten Posten ausmachten und nicht zu kürzen seien: „Wir haben gutes Personal, und das brauchen wir auch.“ Wer 100 000 Euro sparen wolle, müsse ein Drittel der Aufgaben zusammenstreichen: „Dinge, die man liebgewonnen hat wie den Ostermarkt, das Weinfest und das Sommernachtskino“, sagte Wied und forderte: „Bitte genau sagen, wo man streichen soll.“ Dazu kommt: Längst steht das Programm für 2017, wie Andrea Rieger (FDP) erinnerte. Alle Beteiligten bräuchten Vertragssicherheit. Das Schlusswort blieb Alfonso Fazio: Angesichts der Leerstände sei es nicht damit getan, die WTM wie bisher weitermachen zu lassen. Über den Sinn mancher Veranstaltung könne man schon diskutieren.