Waiblingen

Der beste Metzger seines Jahrgangs

03d2664c-8041-46d6-a542-d56a50d0d995.jpg_0
Die nächste Generation steht in den Startlöchern: Robin Schäfer (23) ist der Sohn von Uwe Schäfer, einem der beiden Geschäftsführer der Beutelsbacher Metzgerei Schäfer. Ob er mal den Betrieb übernehmen wird, ist noch offen. © Habermann / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Sein Zeugnis enthält nur Einser: Robin Schäfer hat seine Meisterprüfung im Metzgerhandwerk als Jahrgangsbester bestanden – und zwar an der Fleischerschule in Augsburg, die innerhalb Deutschlands als erste Adresse gilt. Ehrgeizig war der 23-Jährige, der aus der Beutelsbacher Metzgersfamilie Schäfer stammt, schon immer.

Natürlich könnte es sich Robin Schäfer einfach machen und sagen, dass er schon immer Metzgermeister werden wollte – aber so war es nicht. Er hat ja bereits als Kind mitbekommen, wie hart sein Vater arbeitet – und das nicht nur unter der Woche. „Das muss eine Frau erst mal akzeptieren, dass der Mann zwölf, 13 Stunden auf Arbeit ist“, sagt der 23-Jährige. Außerdem weiß er nur zu gut, welch ein Druck auf den Schultern seines Vaters und seines Onkels lastet, die gemeinsam die Metzgerei Schäfer führen. Die Kennzeichnung der Produkte und das Lebensmittelrecht erfordern immer mehr Aufwand, die Kunden sind kritischer, der Konkurrenzkampf ist groß – und beim Preis im Vergleich zu Aldi, Lidl und Co nicht zu gewinnen. Gleichzeitig haben Vater und Onkel Verantwortung für 170 Mitarbeiter, müssen für Banken und Lieferanten ein zuverlässiger Partner sein. Kurz gesagt: Es gibt leichtere Jobs. „Und dann sollst du im Laden stehen und immer freundlich gucken“, sagt Robin Schäfer. All dies hat ihn aber nicht abgeschreckt, in der Fleischerbranche durchzustarten. „Der Beruf ist super – weil er wirklich sehr breitgefächert ist.“ Und außerdem ist Robin Schäfer ziemlich ehrgeizig. Motto: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Seinen Meister hat er jüngst an der renommiertesten deutschen Fleischerschule in Augsburg absolviert – als Jahrgangsbester von 39 Absolventen. Natürlich mit lauter Einsern.

„Ich habe mir gesagt: Hey, der zeigst du’s!“

Der Beutelsbacher, der mit seinen Eltern lange über dem Schäfer-Stammhaus in der Buhlstraße gewohnt hat, bekam als Grundschüler von seiner Lehrerin einst nur eine Empfehlung für die Hauptschule. „Ich habe mir gesagt: Hey, der zeigst du’s!“ Robin Schäfer ging auf die Realschule, besuchte dann das Wirtschaftsgymnasium in Waiblingen – und studierte anschließend BWL-Foodmanagement an der Dualen Hochschule in Bad Mergentheim. Der Anteil an Betriebswirtschaftslehre lag bei 80 Prozent – was Robin Schäfer ganz recht war. Denn so hat er seine berufliche Laufbahn nicht auf die Fleischerbranche beschränkt. „Ich wollte mich nach dem Abi nicht wirklich darauf festlegen.“ Gleichzeitig schnupperte er in den Familienbetrieb hinein. Anfangs war er noch vor allem in der Produktion tätig, mittlerweile hat er sich jedoch auf die Büroarbeit spezialisiert. Wenn es um PC und Technik geht, ist er einfacher fitter als der Vater. „Das funktioniert so ganz gut.“

Nach dem Studium war Robin Schäfer klar, dass er eine Fleischerschule besuchen wird, um dort den Meister zu machen. Es sollte Augsburg sein, wie beim Vater, Onkel und Großvater. Robin Schäfer dachte, dass sein Studium anerkannt wird und er sich im Theorieteil einiges sparen kann – doch das ging nicht. Im Nachhinein ist er froh, denn sonst hätte er keine Chance gehabt, den Extrapreis der Schweizer Firma Pacovis zu gewinnen, die unter anderem im Gewürzgeschäft tätig ist. Da gab es zwei Tage in einem Schweizer Hotel, inklusive einem Taschengeld von 300 Schweizer Franken. Motiviert wäre Robin Schäfer indes auch ohne diesen Preis gewesen. „Mein Ansporn war, immer vorne dabei zu sein.“

Um auch in der praktischen Arbeit dazuzulernen, machte Robin Schäfer in der Fleischerschule vor den Prüfungen ein dreimonatiges Praktikum. Er hätte das gerne noch ausgedehnt – das ging aber nicht. „Die machen nur noch drei Monate wegen dem Mindestlohn.“ Die Zeit in Augsburg wird Robin Schäfer so schnell nicht vergessen, sie hat ihn vorangebracht. „Du hast ständig Fachgespräche.“ Der Beutelsbacher weiß: Wenn eines für einen erfolgreichen Unternehmer wichtig ist, dann sind es Lernbereitschaft und Offenheit für Neues. Nichts Selbstverständliches in der Branche: „Das ist heute das große Problem: die Betriebsblindheit“, sagt Robin Schäfer. Genau das aber können sich die Metzger seiner Auffassung nach nicht mehr leisten.

Wer vor allem Wert auf Sicherheit legt, ist im Fleischergewerbe falsch aufgehoben. Niemand kann mehr darauf bauen, dass der Kunde ein Leben lang treu in seiner örtlichen Metzgerei einkauft. Dafür, das weiß Robin Schäfer, muss etwas getan werden. Und dann gibt es noch Dinge, die in diesem Gewerbe niemand beeinflussen kann. „Lass einen Lebensmittelskandal kommen wie BSE – dann sieht es ganz anders aus.“

Ob Robin Schäfer mal wie sein Vater und sein Onkel Geschäftsführer bei der Metzgerei Schäfer wird, weiß er noch nicht. Schließlich gibt es da ja noch den Bruder, der ebenfalls BWL-Foodmanagement studiert, dazu noch die beiden Cousins, die im Moment noch zu jung sind, um über ihre berufliche Zukunft zu entscheiden. Robin Schäfer will vom nächsten Jahr an erst mal in anderen Metzgereien in Bayern und Baden-Württemberg weitere praktische Erfahrungen sammeln. Ende dieses Jahres gönnt er sich nach all der Lernerei und Schufterei erst mal was Gutes – und wird für drei Monate verreisen. „Da möchte ich mit meiner Freundin nach Kanada oder Neuseeland.“

Wie eine Familie

Viele Angestellte in der Metzgerei Schäfer kennen Robin Schäfer schon, als er noch ein kleiner Junge war. Das liegt laut dem 23-Jährigen daran, dass die Verweildauer im Unternehmen recht hoch sei. „Es ist im Prinzip wie eine große Familie.“