Waiblingen

Der Filmproduzent aus Weinstadt

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Weinstadt-Endersbach/Freiburg. Nur 99 Stunden für die Produktion eines Filmes, der nicht länger als 99 Sekunden sein darf: Schon zum dritten Mal hat sich Johannes Heitmann bei einem Filmfestival mit Freunden der Aufgabe gestellt. Herausgekommen ist „Der gute Mukolewski“. Ein ideenreicher Film mit Witz und Scharm.

Hausmeister Mukolewski ist ein Hausmeister, wie man ihn sich vorstellt: gutmütig, fürsorglich und verantwortungsbewusst. Im Film „Der gute Mukolewski“ stapft er durchs Studentenwohnheim, in der Hand sein Werkzeugkasten, legt beim Vorbeigehen prüfend seine Hand auf die Heizung, die er vor einer Woche repariert hat, um festzustellen, dass sie immer noch tut, überprüft den Druck des Wasserhahns, schaut nach dem Erste-Hilfe-Kasten, um zufrieden sagen zu können: alles paletti. Ein ganz gewöhnlicher Hausmeister, stellt sich da der Zuschauer die Frage? Nicht ganz. Nicht nur wegen seiner Latzhose. Kein Blaumann, wie viele andere ihn tragen. Sie ist rot.

Im Film spielt der Hausmeister ein paar Streiche

Hausmeister Mukolewski (gespielt von dem Freiburger Studenten Axel Bohmann) ist ein Hausmeister, der meint, das Studentenleben auch mit ein paar Schabernacke aufmischen zu müssen. Die Türklinke wird eingeseift, auf der Tür platziert er einen Eimer. Keine böswilligen Absichten stecken dahinter. Immerhin ist der Eimer leer. Enthält kein Wasser, wie es sonst bei dem Streich üblich ist. Am Ende ziehen die Streiche aber andere Folgen nach sich, wie sich wahrscheinlich so mancher gewünscht hat. Für den Zuschauer eine Überraschung. Damit hat keiner gerechnet. Als ein Student etwa das Badezimmer betritt und der Eimer sich über seinen Kopf stülpt, verliert er die Kontrolle und knallt gegen die Wand. Filmblut fließt in Strömen.

„Der gute Mukolewski“ ist das Ergebnis, das der Endersbacher Johannes Heitmann gemeinsam mit vier Freunden und Freiburger Studienkollegen innerhalb von 99 Stunden auf die Beine gestellt hat. So war die Rahmenbedingung des „99-Fire-Films-Award“. Nach der Anmeldung, die per E-Mail erfolgt, erhalten die Teilnehmer ein Thema und die Vorgabe eines Gegenstandes, der im Film vorkommen soll. In diesem Jahr lautete das Motto „Hauptsache ihr habt Spaß“. Außerdem sollte ein On/Off-Schalter eines elektrischen Gerätes vorkommen. Im Film schaltet der Hausmeister Mukolewski dazu die Kaffeemaschine an.

Nun hatten die Filmemacher 99 Stunden Zeit, um sich eine Handlung zu überlegen, Schauspieler zu suchen, das Ganze zu verfilmen und zu schneiden. Nachdem jeder der Fünf sich Gedanken gemacht hatte, einigte man sich auf eine Geschichte, kramte in seinem Bekanntenkreis nach passenden Schauspielern, kümmerte sich um einen Drehort, und dann ging es auch schon los. Auf Axel Bohmann als Hausmeister Mukolewski kamen sie, weil Lukas Diestel, der als Drehbuchautor und Schauspieler beim Film mitgewirkt hat, ihn von einer studentischen Theatergruppe her kannte und er einfach „perfekt schien“, so Johannes Heitmann. Doch als eigentlich gedreht werden musste, war dieser gerade nicht in der Stadt. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, nur 99 Stunden lang Zeit zu haben, ist das purer Nervenkitzel.

Zweimal bereits unter den besten 99 Filmen vertreten

Bereits zum dritten Mal nimmt der 24-jährige Johannes Heitmann mit Freunden an dem Wettbewerb teil, dessen Organisatoren von sich behaupten, dass dies der größte Kurzfilmwettbewerb der Welt sei. Im Jahr 2014 schaffte es der Freiburger Student auf den vierten Platz. Im Jahr 2015 wurden sie zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen, die parallel zur Berlinale stattgefunden hat und sich die Freiburger Studenten mit vielen anderen jungen Filmemachern austauschen konnten. Nur in diesem Jahr können sie keinen großen Erfolg verbuchen. Bis auf die Tatsache, dass sie weiter an Erfahrungswerten dazugewonnen haben, weiter an der Aufgabe gewachsen sind. Denn bevor ein Film dem Publikum im Internet zur Abstimmung freigegeben wird, wählt eine Jury die 99 besten Filme dafür aus. Der Film des Weinstädter Johannes Heitmann ist diesmal nicht dabei. Kein Problem signalisiert er, wenn ihm auch die Enttäuschung in der Stimme deutlich anzumerken ist. Vielleicht reichen sie den Film im März noch bei einem anderen Wettbewerb ein. Davon abgesehen ist bereits das nächste Projekt in der Mache. Deutlich länger wird dieser sein, nämlich zwischen 20 und 25 Minuten lang. Er handelt von einem Studenten, der sein Leben reflektiert samt seinen Freundschaften. Unterstützt wurde Johannes Heitmann und seine Filmkollegen unter anderem durch das Kulturamt der Stadt Freiburg, dem Studierenden Rat und der Fachschaft Germanistik.

Hilfe von Freunden

Mit David Förster hat Johannes Heitmann schon andere Filme realisiert. Auch diesmal führte Förster wieder Regie. Außerdem wurde er von Lukas Diestel und Janik Hauser (Planung, Drehbuch, Schauspieler) sowie Hannes Schmidt als Drehbuchautor und Kameramann unterstützt.