Waiblingen

Der holprige Weg zur Zentralkelter

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Unten im Vordergrund die Stettener Genossenschaftskelter. Ein beträchtlicher Anteil der Rebflur wird von Genossen bewirtschaftet. © Habermann/ZVW
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Vorstandschef Mannschreck.

Kernen-Stetten. Noch ist in Stetten nichts beschlossen. Die 123 Teilhaber der Weingärtnergenossenschaft müssen über ihren Beitritt zur Zentralkelter bei Beutelsbach noch entscheiden. Ohnehin ist der Zeitplan der Genossenschaftsfusion aus den Fugen geraten, da Winnenden, Korb und Schnait Nein sagten. Für den Zusammenschluss, der im November nicht klappte, will Remstalkellerei-Chef Claus Mannschreck jetzt auf kleiner Flamme einen neuen Anlauf nehmen.

Mit dem Bau der Zentralkelter auf einem Grundstück zwischen dem Beutelsbacher Ostrand und dem „Käppele“ sollte Ende letzten Jahres begonnen werden. Eigentlich. „Auch die Fusionen der einzelnen Genossenschaften sollen Ende 2017 kommen“, so Claus Mannschreck, Vorstandsvorsitzender der Remstalkellerei, noch im Juli. „Wir haben noch keinen roten Punkt, aber der erste Spatenstich wird Ende des Jahres erfolgen“, sagte er damals. Dass mit Winnenden, Schnait und Korb drei Wengertergenossenschaften bei ihren Mitgliederversammlungen dem Projekt vorerst den Laufpass gaben, zwingt die Verantwortlichen jetzt, das Projekt neu anzugehen. „Stetten war immer ein Wackelkandidat“, gestand der Vorstandschef der Remstalkellerei, Claus Mannschreck, gestern ein. Bekanntlich hatte die Basis der Stettener Weingärtnergenossenschaft bei einer Probeabstimmung im September 2016 mit nur 56 Prozent der Selbstauflösung zugestimmt. Das Quorum liegt laut Satzung bei 75 Prozent.

Stettener müssen über Angleichung der Geschäftsanteile beschließen

Obwohl Vorstand und viele junge Wengerter das Projekt aus technischen und betriebswirtschaftlichen Gründen gutheißen, sah es bei aller unermüdlichen Überzeugungsarbeit des Vorstands bisher nicht danach aus, als würden die 123 Genossen die hohe 75-Prozent-Hürde nehmen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung könnten nun die Weichen gestellt werden. Dann steht die Anpassung der an die Größe der bewirtschafteten Rebflur gebundenen Geschäftsanteile der Stettener Genossen auf der Tagesordnung. In Strümpfelbach zahlen die Mitglieder 3000 Euro je Hektar, in Stetten aktuell nur halb so viel. Kellerei-Chef Claus Mannschreck sagte gestern, eine Anpassung des Stettener Niveaus ans Strümpfelbacher sei nötig, um überhaupt fusionieren zu können. Zwar behaupte er nicht, dass, wer A sagt, auch B sagen und den Beitritt zur neuen Weingärtnergenossenschaft unterstützen müsse. Aber der Zusammenschluss werde ohne eine Angleichung der Geschäftsanteile nicht funktionieren. „Ob in dieser Versammlung in Stetten auch gleich über die Fusion abgestimmt wird, weiß ich nicht“, so Mannschreck. Bis Redaktionsschluss war gestern eine Stellungnahme des Stettener Genossenschaftschefs Rüdiger Borck nicht zu erhalten.

Mannschreck erklärte am Dienstag (2.1.), bei den Stettener Weingärtnern spiele eine Rolle, „dass die Genossenschaft über eine große Kelter verfügt, dass die Stettener wissen, dass die viel wert ist. Die Stettener sind anders. Viele Weingärtner haben auch Obstbau und gehen damit auf den Markt“. Vielleicht sei es ein Fehler gewesen, nicht schon viel früher in Stetten für die zentrale Organisation der Kelter mit guten Argumenten geworben zu haben. Effizientere Struktur mit moderner Technik, etwa beim Sortieren, verbürge die unter Konkurrenzdruck unverzichtbare Qualitätsverbesserung der Remstalweine, vor allem der roten. Ergo: Für die Produkte der Remstalkellerei wäre die Fusion ein großer Schritt nach vorne.


Gleichzeitig würde der Neubau an den aktuellen Werklöhnen von acht Cent je Kilo, die das Traubengeld belasten, überhaupt nichts ändern. Das Kostenargument ist Mannschreck wichtig. Die Entscheidung der Korber, vom Kelterzug abzuspringen, werde in der Genossenschaft die Werklöhne um das Zwei- bis Dreifache steigen lassen, sobald der anstehende Kauf einer Traubenpresse für 200 000 Euro getätigt worden ist. Die dortige Kelter im Außenbereich hätte ohne Probleme an einen Landwirt zu einer halben Million verkauft werden können.

Das Ganze noch einmal überdenken

„Wir müssen das Ganze noch einmal neu denken“, sagte Claus Mannschreck gestern, „die Wengerter haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Die Lage erinnert fast an „Zurück auf Los“. Mannschreck will, so betont er, die zwei beitrittswilligen Weinstädter Genossenschaften Strümpfelbach und Endersbach/Beutelsbach zu „Keimzellen“ eines zweiten Anlaufs machen. Daraus könne eine größere Einheit entstehen. Kleinheppach und Großheppach, die noch abstimmen müssen, könnten daran andocken. Auch Stetten ist weiterhin eingeladen. Am 10. Januar tagen bei einem Treff alle Genossenschaftsvorstände, um die Strategie anzupassen.


Eine Million weniger

Statt sieben Millionen soll der Neubau der Zentralkelter nun noch sechs Millionen kosten, weil teilweise für die Kelter bei Beutelsbach die alte Technik weiter benutzt werden kann.