Waiblingen

Der kuriose Kosmos der Zahlteller

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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck
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"Ich bin halt ein verrückter Sammler" sagt Diethart Jakob. © Leticia Sprunck

Weinstadt-Endersbach. Von seinen 220 Sammelgebieten gehört es zu den exotischsten: Diethart Jakob hortet zu Hause mehr als 500 Zahlteller. Also Schalen, die auf Verkaufstheken gestellt werden, damit das Geld nicht vom Tisch rollt. Der 68-Jährige erfreut sich am Material und an den Werbesprüchen – und gibt dafür auch schon mal 200 bis 300 Euro aus.


Diethart Jakob zeigt seine Sammlung

„Das schaffen wir“, steht auf dem Zahlteller in großen Buchstaben. Erinnert ein bisschen an Angela Merkels „Wir schaffen das“, jener vielzitierte Satz der Bundeskanzlerin, mit dem sie Ende August 2015 auf die gestiegenen Flüchtlingszahlen reagierte. In dem alten Werbeslogan der Sunlicht-Seifenfabrik AG aus Mannheim ging es allerdings um was anderes. „Da war die Wäsche gemeint“, sagt Diethart Jakob und lächelt. Sunlicht war mal eine deutsche Kultmarke. Wenn Diethart Jakob seine Zahlteller betrachtet, dann ist es für ihn immer eine Reise in seine eigene Vergangenheit. Erinnerungen an die Werbung aus der Kindheit kommen da wieder hoch, Bilder von Schokoladenmarken, Zigarettenfirmen und Kaugummi. Seit rund sieben Jahren sammelt Diethart Jakob nun Zahlteller, sein erster war ein relativ einfacher von Castrol. Mehr als 500 sind es mittlerweile geworden – und darunter sind auch viele aufwendig gestaltete aus Glas. Für den Endersbacher ist es das pure Glück, auf dem Flohmarkt oder im Internet einen originellen Zahlteller zu ergattern. „Ich bin halt ein verrückter Sammler.“

Angefangen hat Diethart Jakobs Leidenschaft in seiner Kindheit. Acht Jahre war er alt, als er sich mit einem Atlas an den Straßenrand der B 14 bei Fellbach setzte und sich die Autokennzeichen anguckte. Er betrachtete dabei immer die Kürzel für die einzelnen Städte und Landkreise und hakte sie in seinem Atlas ab. Ziel: möglichst viele verschiedene Kennzeichen zu sehen. Auch seine Schwester Liebgard Jakob war hier ein Vorbild, da sie damals Autogramme sammelte – etwa von bekannten Schauspielern der Zeit wie Heinz Rühmann oder Gert Fröbe. Diethart Jakob interessierte sich allerdings erst mal für Briefmarken, in der Jugend kamen dann Bierdeckel dazu, die er mit Reißnägeln an die Wand seines Zimmers heftete – und irgendwann als Erwachsener sammelte er alles Mögliche. Diethart Jakob gibt ganz freimütig zu, dass er längst den Überblick über all seine Gegenstände verloren hätte, wenn es da nicht Ehefrau Gabriele Jakob geben würde. „Aufräumen ist für mich ein Fremdwort“, gesteht der 68-Jährige. Gabriele Jakob mahnt ihn deshalb immer wieder zur Ordnung, was dem gemeinsamen Haushalt zweifelsohne gut tut. Was Diethart Jakob besonders freut: Sie sammelt auch gerne. „Ich habe das große Glück, dass meine Frau mich unterstützt.“

Über seine Zahlteller könnte Diethart Jakob stundenlang reden. Er erfreut sich an Details, die andere von selbst gar nicht wahrnehmen. Nehmen wir mal den Zahlteller von Fischer-Dübel: Der ist aus Ornamin, einem speziellen Kunststoff. Und auf der Rückseite stehen noch einige Hinweise, wie etwa dieser Satz: „Bitte nicht mit Scheuersand reinigen und nicht als Aschenbecher benutzen.“ Wobei es durchaus Zahlteller gibt, bei denen der Hersteller explizit darauf hinweist, dass diese auch als Aschenbecher taugen. Diethart Jakob hat natürlich auch davon ein Exemplar, von der französischen Zigarettenmarke Gauloises. „Ich war selbst aber nie Raucher.“

Vor 45 Jahren in einem Tabakladen in Frankreich gesehen

Vor 45 Jahren hat der Endersbacher diesen Zahlteller mal bei einem Frankreichurlaub in einem Tabakladen gesehen. Als er ihn später ersteigern konnte, war das für Diethart Jakob ein großes Glück. Dafür war er auch bereit, einen höheren Betrag auszugeben. „Für den durfte ich in Abstimmung mit meiner Frau 200 Euro ausgeben.“

Diethart Jakob konkurriert natürlich immer wieder mit anderen Sammlern. Wer zum Beispiel einen Coca-Cola-Zahlteller ersteigern möchte, muss damit rechnen, dass es Leute gibt, die alles haben wollen, was mit Coca-Cola zu tun hat. Entsprechend klettern dann die Preise nach oben, werden schnell mal dreistellig. Auch für Diethart Jakob kommt dann irgendwann die Schmerzgrenze – so bei 250, 300 Euro.

Fertig ist der 68-Jährige mit dem Sammeln übrigens noch lang nicht. Er hat seine Suchkriterien nur etwas eingeschränkt, guckt jetzt vor allem nach höherwertigen Zahltellern aus Glas. Einen Traum hegt Diethart Jakob übrigens schon seit langem: nämlich ein eigenes Museum zu haben. Dort würde er dann auch seine Zahlteller ausstellen. Wie das Ganze heißen soll, weiß er schon: „Museum der anderen Art“.

Auf der Suche nach Ausstellungsräumen

Derzeit stellt Diethart Jakob zusammen mit den Weinstädter Sammlern Hartmut Grenzdörfer und Werner Vaihinger im Beutelsbacher Württemberg-Haus (Stiftstraße 11) knapp 400 Postkarten aus, die dort noch bis Sonntag, 12. Juni, zu sehen sind. Geöffnet ist es immer samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Diethart Jakob hofft freilich schon auf die nächste Ausstellung. Das könnte zum Beispiel eine Ausstellung über die Geschichte von Weinstädter Firmen sein – wie etwa Nudelhersteller Birkel. Der 68-Jährige ist deshalb mit Stadtarchivar Dr. Bernd Breyvogel im Gespräch – allerdings muss dieser natürlich auch auf andere Weinstädter Sammler Rücksicht nehmen, die ebenfalls mal wieder im Württemberg-Haus ausstellen wollen.

Bei 220 Sammelgebieten ist Diethart Jakob überzeugt, für viele Themengebiete möglicher Ausstellungen gut aufgestellt zu sein. Nach eigener Einschätzung benötigt das Endersbacher Ehepaar rund ein Vierteljahr Vorlauf, um eine Ausstellung zu konzipieren.