Waiblingen

Der Ofen im Backhäusle in Beinstein wird saniert - Ehrenamtliche packen mit an

Backhäusle
Gerd Holzwarth und Gernot Koch haben geholfen, den alten Ofen einzureißen und freuen sich, dass sie bald wieder backen können. © ALEXANDRA PALMIZI

In Beinstein steht das einzige Backhäusle von ganz Waiblingen, das noch in Betrieb ist, weiß Michael Gunser vom Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement der Stadt Waiblingen. Zuletzt war es aber in die Jahre gekommen, Steine lösten sich aus der Decke des Backofens und brachen herunter.

„Schließlich war klar, dass wir etwas tun müssen“, erinnert sich der Beinsteiner Ortsvorsteher Thilo Schramm. Folglich stimmte der Ortschaftsrat für die Sanierung des Backofens im denkmalgeschützten Gebäude.

Die Kosten hierfür werden aus dem Ortschaftsbudget bezahlt. 35.000 Euro setzte eine Firma aus Weinstadt dafür an. Da Ehrenamtliche den Abbruch des alten Backofens übernommen hatten, sparte Beinstein bis zu 6000 Euro ein. Außerdem rechnet man noch mit Fördergeldern, so Schramm.

Neu: Ein eingebautes Thermometer

„Als wir fertig waren, war da nur noch ein großes Loch“, sagte Gerd Holzwarth und lächelt. Zusammen mit Gernot Koch, der sich auch für die ALi im Ortschaftsrat engagiert und bis zu fünf weiteren Ehrenamtlichen hatte man sich für zwei Samstage verabredet gehabt. Doch nach einem Samstag klaffte bereits ein großes Loch an der Stelle, wo sich kurz vorher noch der Backofen befand.

Das war Ende Juli. Inzwischen hat eine Firma aus Weinstadt mit dem Aufbau des Backofens begonnen.

Einige Wünsche der Ehrenamtlichen, die dort regelmäßig Brot, Hefezopf, Pizza oder Salzkuchen backen, werden berücksichtigt. Dazu zählt etwa ein kleines Fenster in der Ofentür sowie ein fest eingebautes Thermometer, das die Temperatur im Ofeninneren anzeigt. Bisher arbeitete man mit einem Laser-Thermometer, bei dem man nicht wusste, wie genau das sei, so Holzwarth.

Anfang Dezember soll der Ofen fertig sein

Wenn alles nach Plan läuft, ist der neue Ofen Anfang Dezember fertig installiert. Mit dieser speziellen Bautechnik kennen sich heutzutage nicht mehr viele Ofenbauer aus, weiß Michael Gunser. Als reinen Glücksfall bezeichnet er die Tatsache, dass die entsprechenden Fachmänner direkt nebenan in Weinstadt sitzen.

Mit Aufruf in den Ortsnachrichten nach Backlustigen gesucht

Es ist noch gar nicht so lange her, als Thilo Schramm alle Hebel in Bewegung setzte, dass das Backhäusle wieder mit Leben gefüllt wird. Damals buken die Familie Schmid sowie die Landfrauen. Letztere boten Brotbacken im Kinderferienprogramm an. Aber als Eugen Schmid und Irma Bebion von den Landfrauen gestorben waren, kehrte Ruhe ein.

Dabei hatte man 2013 rund 20 000 Euro für eine Dachsanierung in die Hand genommen, um das Backhäusle und die damit verbundene Tradition am Leben zu erhalten. Schließlich machte Schramm einen Aufruf in den Ortsnachrichten, worauf sich spontan 30 Backlustige meldeten.

Wer backen will, muss Holz hacken

Doch Backen im Backhäusle bedeutet richtig viel Arbeit. „Das Backen fängt im Wald an“, betont Thilo Schramm – nämlich mit dem Holzholen. Viele verwenden "Kräle", also Zweige, zum Anheizen. Die Beinsteiner aber nehmen inzwischen richtige Holzscheite, weil es so weniger ruße und rauche, was die Nachbarschaft inzwischen schätze.

Bis die Beinsteiner Backteams den Bogen raus hatten, habe es eine ganze Weile gedauert. Mittlerweile füllen sie nicht mehr den kompletten Ofen mit Holz beim Anzünden, sondern legen sie immer lieber noch einmal nach, bis der Ofen auf Temperatur gebracht ist.

Anwohner sollten an Backtagen lieber keine weiße Wäsche aufhängen

Rund 20- bis 30-mal im Jahr wird in Beinstein gebacken. Vorab werden stets die Anwohner informiert, dass sie an dem Tag nicht gerade die weiße Wäsche auf dem Balkon hängen haben, meint Thilo Schramm mit einem Augenzwinkern.

Bevor das Backen im Beinsteiner Backhäusle damals nach der langen Durststrecke wieder angepackt wurde, gab es drei Workshops, die von Jürgen Aldinger, Wolfgang Heil und Thilo Schramm geleitet wurden. Einige der anfänglich 30 Begeisterten zogen sich bald schon zurück, weil ihnen der Aufwand zu groß erschien oder die Materie zu kompliziert war. Der Teig, der traditionell von Hand geknetet wird, erfordert zudem einiges an Kraft.

Der Teig wird im Rathauskeller oder zu Hause geknetet

Einige andere sind geblieben – bis heute. Mehr und mehr wurde das Backhäusle ins Leben im Ort integriert, etwa als Station bei den Kinder-Bibeltagen, wo Brötchen gebacken werden. Gernot Koch stieß Aktionen wie „ALi heizt ein“ an. Es fanden VHS-Kurse zum Thema Brotbacken statt.

Da im Backhaus kein Platz für das gemeinsame Kneten ist, wird dafür der Beinsteiner Rathauskeller genutzt. Bei den Brotback-Aktionen der Ehrenamtlichen wird der Teig zu Hause zubereitet.

Ursprünglich wurde das Backhaus einst als Waschhaus erbaut. 1837 kamen die Backöfen hinzu. Das Beinsteiner Backhäusle verfügt über zwei Öfen, einer wird aber seit vielen Jahren nicht mehr genutzt, da dieser ebenso im Innern einbrach wie einige Jahre später der andere Ofen, der jetzt saniert wird. „Beide Öfen wären zu kostspielig gewesen“, so Schramm.

Aus baurechtlicher Sicht fasziniert Michael Gunser der Gedanke, dass man sich schon damals Gedanken um den Brandschutz gemacht hatte. Das Waschhaus wurde demnach zum Backhäusle umgebaut nach einem Erlass von 1835, mit welchem die Holzersparnis und Feuersicherheit begründet wurde.

Auch ein Hudelwisch kommt zum Einsatz

Nur wenige der Ehrenamtlichen beherrschen das richtige Einheizen, bei dem auch mal der Hudelwisch zum Einsatz kommt, ein feuchter Lappen, mit welchem der Ofen auf geringere Temperatur gebracht wird.

Die überschüssige Glut deponieren die Beinsteiner in einem Grill vor der Backstube, wo nebenher Würste oder ein Steak gerillt werden. „Das fördert die Backgemeinschaft“, sagt Gerd Holzwarth.

Beim Einschießen der Brote in den Ofen muss alles sehr schnell gehen, dabei ist Teamarbeit gefragt, da sonst der Ofen zu sehr an Temperatur verliert. Demnach können es die Beinsteiner Backfreunde kaum erwarten, bis sie wieder ans Werk dürfen – oder besser ans Brotbacken im Backhäusle.

In Beinstein steht das einzige Backhäusle von ganz Waiblingen, das noch in Betrieb ist, weiß Michael Gunser vom Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement der Stadt Waiblingen. Zuletzt war es aber in die Jahre gekommen, Steine lösten sich aus der Decke des Backofens und brachen herunter.

„Schließlich war klar, dass wir etwas tun müssen“, erinnert sich der Beinsteiner Ortsvorsteher Thilo Schramm. Folglich stimmte der Ortschaftsrat für die Sanierung des Backofens im denkmalgeschützten

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