Waiblingen

Der Ramadan beginnt

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Das Fasten wird jeden Abend mit einem Glas Wasser oder mit einer Dattel gebrochen. © Pixabay/CC0 Public Domain
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Jeden Abend gibt es verschiedene Köstlichkeiten.

Waiblingen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden praktizierende Muslime von Montag an weder essen noch trinken. Im Fastenmonat „Ramadan“ wurde nach islamischer Auffassung das heilige Buch der Muslime, der Koran, herabgesandt. Viele Gläubige bemühen sich in dieser Zeit, sich in die Lage der Ärmeren hineinzuversetzen und mehr als sonst zu beten.

Dieses Jahr beginnt der Ramadan am Montag. Spätestens um 4.19 Uhr werden Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinden zu Waiblingen, die die Ditib-Moschee in der Max-Eyth-Straße besuchen, an diesem Tag frühstücken. Bei Muslimen anderer Gemeinden wird es vielleicht ein paar Minuten später oder früher sein. Doch sie alle werden sich in der Nacht von Sonntag auf Montag körperlich und mental auf das Fasten vorbereiten: viel trinken, sättigende Speisen zu sich nehmen, die Zigarettenschachtel außer Reichweite weglegen. Erst um 20.51 Uhr dürfen sie wieder essen, trinken, rauchen oder mit dem Partner schlafen. So wird es bis Dienstag, 4. Juni, sein. An diesem Tag feiern sie das Ramadan-Fest – das Weihnachten der Muslime.

„In diesem Jahr fasten Muslime mehr als 16 Stunden am Tag“

„In diesem Jahr fasten Muslime mehr als 16 Stunden am Tag“, sagt der Imam Yüksel Eroglu. Der 48-Jährige ist seit fünf Monaten in der Waiblinger Ditib-Moschee im Amt. Von 2012 bis 2017 hat er in Dortmund gearbeitet. „In diesem Jahr“ sagt er, weil der Fastenmonat jedes Jahr um zehn Tage vorrückt. Damit ändern sich die Dauer des Fastens und die Uhrzeit des Fastenbrechens. Beispielsweise geht die Sonne im Winter bereits am späten Nachmittag unter, womit auch die Fastenzeit im Vergleich zum Sommer deutlich kürzer wird.

Die lange Fastenzeit stellt eine große Herausforderung für die Gläubigen dar. Doch sie hat eine ebenso große Bedeutung für sie. Das Fasten ist die dritte von fünf Säulen im Islam, somit für jeden Moslem ab der Pubertät Pflicht, sagt Eroglu.

Ausnahmen von der Pflicht

„Von dieser Pflicht sind Kranke, Gebrechliche, geistig Behinderte, Reisende, Stillende sowie Schwangere ausgenommen“, schränkt er jedoch ein. „Und ebenso diejenigen, die unter äußerst schweren körperlichen Bedingungen arbeiten müssen.“

Von einem Reisenden spreche man dann, wenn dieser eine Strecke von 90 Kilometer zurücklegen müsse, sagt der 48-Jährige. Daneben dürfen Frauen während der Menstruationsblutung nicht fasten, weil der Körper in dieser Zeit deutlich geschwächt ist, und müssen diese Tage nachholen.

Erkrankte können das Fasten, das sie versäumt haben, nachholen, wenn sie wieder gesund sind. Andere, die nicht fasten, müssen für jeden Tag, an dem sich nicht fasten konnten, zehn Euro an Hilfsbedürftige spenden. Dies sei ein durchschnittlicher Betrag für die Versorgung eines erwachsenen Menschen, sagt Eroglu. Zusätzlich spenden alle praktizierenden Muslime während des Fastenmonats an Bedürftige – die Pflichtabgabe nennt sich „Zekat“ und ist eine weitere Säule des Islams. Durch diese Pflichtabgabe soll der Mensch sein Vermögen reinigen, durch das Fasten seinen Körper und seine Seele. Der Verzicht lehrt Selbstbeherrschung und die Fähigkeit zur Enthaltsamkeit. Insbesondere in dieser Zeit sollen gläubige Muslime sich von schlechten Angewohnheiten befreien und sich mit dem Gedanken befassen, wie sie ein besserer Mensch werden können.

Tägliches Fastenbrechen in der Moschee für 200 bis 400 Menschen

Wer bewusst verzichtet, dem werde auch klar, welche Möglichkeiten er im Vergleich zu Ärmeren hat, erläutert Kadri Yayla, der Zweite Vorsitzende der Ditib-Moschee. So könne er sich besser in die Lage von hilfsbedürftigen und armen Menschen hineinversetzen.

Doch fasten muss man nicht alleine. Die Waiblinger Ditib-Moschee bietet seit zehn Jahren täglich während des Ramadans ein gemeinsames Fastenbrechen und gemeinsame Gebete an. Mit Spenden und Hilfe der Muslime aus Waiblingen und Umgebung wird in den Räumlichkeiten der Moschee für alle ein Abendmahl zubereitet. „Wir haben jedes Jahr in der Regel 200 bis 400 Gäste“, sagt Kadri Yayla. Auch vielen Flüchtlingen komme dieses Angebot zugute.

Eins betont er ausdrücklich: „Jeder ist zum Essen herzlich eingeladen, unabhängig von Religion, Geschlecht und Nationalität.“ Zustimmend zitiert der Imam Yüksel Eroglu den persischen Mystiker Rumi: „Komm. Wer du auch immer bist.“ Zumal nicht nur im Islam gefastet wird. Diese Tradition gibt es schließlich auch in anderen Religionen, sagt Eroglu. Sie unterscheide sich nur in der Art und Weise, ergänzt Kadri Yayla.


Einladung

Unter dem Motto „Fastenbrechen zwischen Muslimen und Christen“ findet am Montag, 13. Mai, um 21.08 Uhr ein gemeinsames Abendessen statt. Gäste sind von 20.30 Uhr an in die Waiblinger Ditib-Moschee, Max-Eyth-Straße 28, eingeladen.