Waiblingen

Der VfL Waiblingen organisiert trotz Corona eine Sportwoche

Sportwoche
Maximal neun Kinder am Tag sind bei der Sportwoche des VfL Waiblingen zugelassen. Marc Brommer (links) und sein Team freuen sich, dass sie wenigstens für einen kleinen Teil wieder ein Programm anbieten dürfen. © Alexandra Palmizi

Normalerweise toben bei der Sportwoche des VfL Waiblingen, der „Spowo“, in den Pfingstferien bis zu 120 Kinder und Jugendliche im und rund ums VfL-Stadion. Dieser Tage sind’s insgesamt überschaubare 36 – gleichmäßig verteilt auf vier Tage. Das Coronavirus als Spaß- und Spielverderber: Daran haben sich mittlerweile alle gewöhnt. Die Macher des VfL Waiblingen lassen sich jedoch nicht unterkriegen. Sie freuen sich auch über wenige fröhliche Kindergesichter in ihrem „Sportwöchle“, das sie trotz aller Widrigkeiten und Auflagen organisiert haben.

Mit der Handbremse unterwegs

Es ist ein erster kleiner Schritt dorthin zurück, wie Spowo-Chef Marc BrommerSport erleben möchte: als gemeinsames, körperliches, analoges Erlebnis. „Die Kinder sind jetzt seit drei Monaten mit der Handbremse unterwegs“, sagt Brommer. „Ich weiß nicht, was das mit ihnen macht, wenn sie quasi eingesperrt sind und sie sich nicht mehr frei bewegen können.“

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist Marc Brommers Job, den er mit viel Leidenschaft ausübt. Beim VfL Waiblingen ist er außer für die Spowo auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und zudem Basketballtrainer. Die Begegnungen derzeit indes irritieren ihn. „Bei der Spowo-Begrüßung fallen die Kinder normalerweise vor Freude fast übereinander her“, sagt er. „Jetzt stehen sie mit eineinhalb Metern Abstand zueinander da und passen auf, dass sie ja nichts falsch machen.“

Die Eltern fallen uns um den Hals – symbolisch

Das Coronavirus hat den VfL Waiblingen, wie alle andere Vereine auch, zu Beginn mehr oder weniger lahmgelegt. 3000 Mitglieder hat der VfL, rund 300 Übungsleiter und Trainer sowie 18 Angestellte. 12 000 Sportstunden werden im Jahr angeboten, es laufen 54 Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. „Da ist es extrem wichtig, dass wir unsere Homepage auf dem neuesten Stand halten und mit unseren Mitgliedern kommunizieren“, sagt Jeanette Eberhardt, die beim VfL unter anderem fürs Personalwesen zuständig ist und bei der Geschäftsführung mitarbeitet. „So weiß jeder, wann was wieder losgeht.“ Eberhardt und Brommer sind froh, dass der Verein schon vor einiger Zeit ins Personal investiert hat. Auch wenn die Ehrenamtlichen für jeden Verein unverzichtbar seien, ohne hauptamtliche Kräfte sei die aktuelle Struktur nicht möglich.

So hat der VfL rasch ein Online-Angebot gebastelt, die Mitarbeiter stellten diverse Mitmach-Programme zusammen. „Es ist gut, dass es so etwas gibt“, sagt Brommer. „Aber der Sport im Wohnzimmer ist nicht der, den wir uns vorstellen.“ Die soziale Komponente bleibe auf der Strecke. „Nicht nur den Kindern fehlt etwas, sondern auch den Sportlehrern.“

Kurze Vorlaufzeit 

Parallel zum Online-Angebot haben die VfL-Macher ein Konzept erarbeitet für den Fall, dass die Sportanlagen wieder freigegeben werden – und sie freuten sich, dass gerade rechtzeitig zur traditionellen Sportwoche die Beschränkungen ein Stück weit gelockert worden sind. Den großen Vorlauf hatten Brommer und sein Team dieses Mal nicht, ein paar Tage vorher zurrten sie das Programm der abgespeckten Spowo fest. 36 statt der ansonsten üblichen 120 Kinder hatten sich angemeldet, was der unsicheren Lage geschuldet war. „Wir mussten keinem absagen“, sagt Brommer. „Mehr hätten wir aber auch nicht zulassen dürfen.“ Acht oder neun Kinder werden nun täglich betreut. Es ist also ein überschaubares Häuflein, auf das Brommer allerdings sehr stolz ist. „Ich glaube, wir sind die Einzigen, die sich an die Kinderbetreuung wagen. Die Eltern fallen uns um den Hals. Symbolisch natürlich.“

Öffnen die Hallen in den Ferien?

Demnächst dürfte Sport wieder in größerem Rahmen möglich sein. Am Mittwoch stellte die Sportministerin Susanne Eisenmann in Aussicht, dass Kinder im Sommer wieder Sport ohne Kontaktbeschränkungen treiben können. Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, spricht sich dafür aus, die Hallen in den Sommerferien zu öffnen. „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was die richtige Herangehensweise ist“, sagt Marc Brommer. Er sei jedenfalls froh, nicht darüber entscheiden zu müssen. So oder so: „Wir müssen etwas machen, damit die Kinder am Ende des Tages nicht die großen Verlierer sind.“ Jeanette Eberhardt hofft, dass die Schulen bald den Betrieb aufnehmen und der VfL wieder Ganztagesbetreuung und zusätzlichen Sportunterricht anbieten kann.

Leiden unter den Beschränkungen des Vereinssports würden übrigens nicht nur die Kinder, so Eberhardt. Viele Senioren, die den Kraftraum nutzten, seien ferngeblieben. Auch die Angst der Herzsportler vor einer Ansteckung sei groß. „Dabei gibt es keine sicherere Methode, Sport zu machen, als bei uns im Verein“, sagt Brommer. „Jetzt müssen wir unsere Senioren wieder abholen.“ Das sei eine große Aufgabe – wobei Brommer nicht allzu sehr klagen möchte. Er glaubt, dass die Themen Kinderbetreuung und Breitensport mittlerweile in der Politik angekommen sind. „Ich würde mir aber wünschen, dass sie noch einen Tick ernster genommen werden.“

Besprechung mit der Stadt Waiblingen

Nach den Pfingstferien warten auf den VfL die nächsten großen Herausforderungen. So stehen die Chancen auf eine Spowo im Sommer nicht schlecht. „Wir werden mit der Stadt Waiblingen die weitere Vorgehensweise besprechen“, sagt Jeanette Eberhardt. „Ansonsten müssen wir flexibel sein und unser Konzept immer wieder anpassen.“ Das bedeutet auch, bei Bedarf den einen oder anderen Übungsleiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen. „Ansonsten tun wir alles, damit die Kinder und Betreuer bestmöglich geschützt sind.“

Restrisiken gebe es freilich immer. „Wenn ich aber mein ganzes Leben mit Vermeidungsstrategien verbringe, dann bleibt irgendetwas auf der Strecke“, sagt Marc Brommer. „Dann werden die Kinder mit 20 Jahren noch auf keinen Baum geklettert sein.“