Waiblingen

Diakonie will als Mieter aufs Hess-Areal

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In die Jahre gekommen: Der Arbeitsplatz von Klaus Szegedi (links) und Gruppenleiter Alfred Widmann in der Oppenländerstraße. Die Bereiche Metall, Montage und Verpackung sollen ins Hess-Areal verlagert werden. © Habermann / ZVW
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Auch sie bekommen, wenn alles glattläuft, einen Arbeitsplatz im Hess-Areal. © Gabriel Habermann

Waiblingen. Auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Hess scheint nach Daimler der zweite Mieter gefunden zu sein: Die Diakonie Stetten will rund ein Drittel der Remstal-Werkstätten in der Oppenländer sowie einen Teil des Berufsbildungswerks an den Rand des Ameisenbühls verlagern. Die Remstal-Werkstätten mitten in einem Gebiet, das sich wirtschaftlich und kulturell entwickelt – das ist für deren Geschäftsführerin Susann Haalck ein bestechender Gedanke.

2021 feiert die Diakonie das 50-jährige Bestehen ihrer Werkstätten in der Oppenländerstraße. Grund zur Freude für die rund 450 Beschäftigten, doch die Gebäude sind in die Jahre gekommen. „Wir haben einen Sanierungsstau und müssten viel Geld investieren“, sagt Geschäftsführerin Susann Haalck. 2016 sei die Entscheidung gefallen, die Oppenländerstraße aufzugeben und in Waiblingen einen anderen Standort zu suchen. Letzten Endes gebe es Themen, die auch bei einer Sanierung nicht zu verändern wären: Die fehlenden Aufzüge in den Gebäuden etwa und die Innenstadtlage, die logistisch eine extreme Herausforderung sei: Manche Auftraggeber kämen mit großen Lkw, die nicht durch die Einfahrt passen: „Am neuen Standort können wir uns darauf einstellen.“

Mietverhandlungen laufen

Rund ein Drittel der Werkstätten soll in die neue Halle auf dem Hess-Areal am Rande des Ameisenbühls verlagert werden. Umziehen sollen die Bereiche Metall, Montage und Verpackung, womit rund 150 Menschen mit Behinderung und etwa zwölf Gruppenleiter neue Arbeitsplätze bekommen werden. Die Mietverhandlungen der Diakonie mit Greenfield Development laufen. Bauen wird Greenfield am neuen Standort zwei Gebäude mit hochwertiger Ausstattung, wobei, wie berichtet, als anderer Mieter Daimler im Boot ist. Neben der verkehrsgünstigen Lage ist es auch die mögliche Zusammenarbeit mit dem Autobauer, die den Standort für die Diakonie attraktiv macht. „Wir gehen nicht von jetzt auf nachher von Aufträgen aus“, stellt Susann Haalck klar. Einen positiven Effekt erhofft sie sich von der Nachbarschaft gleichwohl. Zumal klar ist: „Die Partner wollen uns gern da haben.“

Das gilt auch für das Berufsbildungswerk BBW, das an seinem Standort in der Steinbeisstraße aus den Nähten platzt. Auch im BBW, das in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert, muss mehr und mehr in die Sanierung investiert werden, zudem wachse der Bedarf an Metall-Ausbildungsplätzen, so BBW-Geschäftsführer Roman Hanle. Umziehen soll mit rund 70 Auszubildenden und zehn bis zwölf Ausbildern deshalb der Bereich Metall, was aus Hanles Sicht wiederum gut zu den Werkstätten und zu Daimler passt. „Der Rest des BBW wird saniert“, kündigt er an. Da durch den Wegfall des Metall-Bereichs rund 1800 Quadratmeter Fläche frei werden, sei dies durch interne Umzüge gut handelbar.

Geht’s nach Plan, wird im Herbst 2020 in der neuen Halle gearbeitet

Geht alles nach Plan, soll ab Herbst 2020 in der neuen Halle auf dem Hess-Areal gearbeitet werden. „Mein Wunsch wäre, bis 2021 eine Alternative für das gesamte Areal an der Oppenländerstraße gefunden zu haben“, sagt Susann Haalck. Ende März, hofft sie, soll der Mietvertrag mit Greenfield für die Halle unterschrieben werden. Wegen einer weiteren zukünftigen Ansiedlung will die Diakonie im Gespräch mit Grundstücksbesitzerin Familie Hess bleiben. „Die Idee ist, dass dort ein tolles Gebiet entsteht“, schwärmt Susann Haalck. Einbringen könnte sich die Diakonie auch mit ganz neuen Geschäftsfeldern: „einem Seminarhaus zum Beispiel oder einem Café“, so die Geschäftsführerin. „Wir wollen uns zukunftsfähig aufstellen, mittel- und langfristig, und interessante Arbeitsplätze anbieten.“

Im kommenden Jahr sollen die Sommerferien für den Umzug genutzt werden. Dann endlich kann die Chance wahr werden, „neue Wege mit anderen Kooperationspartnern zu gehen“.


Werkstätten, BBW und Daimler

Die Remstal-Werkstätten der Diakonie in der Oppenländerstraße sind 1971 gestartet, heute sind in den Werkstätten rund 450 Menschen beschäftigt. Als Partner und Dienstleister für Unternehmen übernehmen die Werkstätten heute Aufträge für Montage, für Verpackung, Konfektionierung und Versand und für Tampondruck. Dazu kommen Arbeitsplätze in der Hauswirtschaft, der Töpferei, der Handweberei sowie in der Garten- und Landschaftspflege.

Das BBW ist eine Einrichtung zur Berufsvorbereitung und Ausbildung von jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf. Die Auszubildenden erhalten eine individuelle Unterstützung für den Einstieg in die Arbeitswelt. Kostenträger ist überwiegend die Agentur für Arbeit.

Daimler plant auf dem Hess-Areal einen Entwicklungsdienstleistungspark mit 260 Arbeitsplätzen.