Waiblingen

Diakoniestation Waiblingen: Pflege zwischen Omikron und Impfpflicht

Mobile Pflege
Pflege unter erschwerten Bedingungen. © francescoridolfi.com

Im März greift die Impfpflicht für Pflegekräfte. Die Querdenker-Szene hat in den vergangenen Wochen verschiedentlich versucht, den Eindruck zu erwecken, ein Exodus des Personals stehe deshalb bevor. Aber die berufsspezifische Impfpflicht sorgt mitten in der Omikron-Welle durchaus für eine zusätzliche Belastung – etwa bei der Sozial- und Diakoniestation Waiblingen.

Ob wegen der Impfpflicht, der 2G-Einschränkungen oder aus gesundheitlichen Überlegungen: „Wir haben mehrere Mitarbeitende, die sich erst in den letzten Wochen zu einer Impfung entschließen konnten“, berichtet Christian Müller, Vorstandsvorsitzender der Diakonie- und Sozialstation. Die Entscheidungsgründe, aus denen sich die betreffenden Personen nicht bereits vorher impfen ließen, seien dennoch nicht verschwunden. Bedenken und Ängste würden zudem weiter geschürt. „Mitunter ist der Druck des persönlichen Umfeldes offensichtlich sehr groß.“ Er habe hohen Respekt vor allen, die sich doch noch zu einer Impfung entschieden hätten und damit die Bereitschaft gezeigt hätten, „frühere Entscheidungen zu überdenken und sachliche Argumente anzunehmen“.

Eine Mitarbeiterin ist ausgeschieden

Trotzdem: Es gibt „vereinzelt“ Mitarbeitende, die sich nicht gegen Covid impfen lassen. Aber nicht so viele, dass die Diakonie- und Sozialstation Waiblingen dadurch ihre Leistungen einschränken müsste. Die Betroffenen werden den gesetzlichen Vorschriften entsprechend gemeldet, nachdem sie das Angebot von Aufhebungsverträgen nicht angenommen haben. Eine Mitarbeiterin von insgesamt 200 in Hauswirtschaft und Pflege in Waiblingen und Schorndorf ist deswegen ausgeschieden.

Den individuellen Impfstatus aller Mitarbeitenden zu erfassen bedeutet Aufwand – und zwar für die Verwaltung. Grundsätzlich stellt das Thema des Paragrafen 20a des Infektionsschutzgesetzes laut Christian Müller eine zusätzliche Belastung in der derzeit laufenden Omikron-Welle dar. Diese zwinge die Sozial- und Diakoniestation, sich auf wesentliche Leistungen zu konzentrieren, zumal sich Mitarbeitende in Quarantäne befinden.

Viele Ausfälle durch Quarantäne bedingt

Derzeit bewegen sich die Ausfälle in einer Größenordnung von rund fünf Prozent des Teams und werden von den anderen Kolleginnen aufgefangen. „Wir können aber nicht davon ausgehen“, meint der Vorstandsvorsitzende, „dass dies mit noch weiter zunehmenden Quarantänefällen weiter möglich ist“. Dann müssen „zeitweise“ Leistungen eingeschränkt werden. Entsprechende Vorbereitungen auf diese Omikron-Welle wurden bereits vor Weihnachten abgeschlossen und können je nach Bedarf jederzeit umgesetzt werden. „Wir hoffen sehr, diese Pläne nicht aus der Schublade ziehen zu müssen.“

Unter den mehr als 1000 Klienten in Schorndorf und Waiblingen sowie ihren Angehörigen gibt es immer mehr Ansteckungen. Was für die Pflegekräfte in ihrem harten, bis auf die Minute durchgetakteten Arbeitsalltag zusätzlichen Zeitaufwand für den Infektionsschutz bedeutet, den sie kaum noch leisten könnten.

Seit fast zwei Jahren, so Müller weiter, arbeiteten die mobilen Pflegedienste unter dem hohen Druck, den immer neuen Anforderungen der Pandemie zu entsprechen, die für alle Mitarbeitenden auch mit großen Belastungen im privaten Bereich verbunden sind. „Immer noch ist der Einsatz der Mitarbeitenden hoch – und muss sich jetzt nochmals steigern.“ Das verdiene Dankbarkeit und Respekt.

Impfen „ein Akt der Nächstenliebe“

Im November 2020 äußerte sich Christian Müller – ähnlich wie der Evangelische Fachverband für Altenhilfe im Diakonischen Werk Württemberg – kritisch zur Impfpflicht im Pflegebereich und befürwortete eine allgemeine Impfpflicht. Denn bei mehr als 500.000 Hausbesuchen seit der Pandemie sei es nicht zu einer einzigen nachweisbaren Übertragung zwischen Mitarbeitenden und Klienten gekommen. Offenbar gehen die Ansteckungen auf andere Kontakte zurück. „Umso unverständlicher ist es, die Impfpflicht genau auf den Bereich zu beschränken, der nachweislich nicht zu den Risikobegegnungen gehört.“ Gleichwohl wünsche er sich von ungeimpften Mitarbeitenden die Einsicht, dass es sich um einen Akt der Nächstenliebe handle, neben seinem eigenen Schutz auch einen Schutz für gefährdetere Personen aufzubauen. „Sollte man diesen Gedankengang nicht nachvollziehen können, muss man sich auch fragen, ob die Beschäftigung in einer diakonischen Einrichtung noch sinnvoll ist.“

Im März greift die Impfpflicht für Pflegekräfte. Die Querdenker-Szene hat in den vergangenen Wochen verschiedentlich versucht, den Eindruck zu erwecken, ein Exodus des Personals stehe deshalb bevor. Aber die berufsspezifische Impfpflicht sorgt mitten in der Omikron-Welle durchaus für eine zusätzliche Belastung – etwa bei der Sozial- und Diakoniestation Waiblingen.

Ob wegen der Impfpflicht, der 2G-Einschränkungen oder aus gesundheitlichen Überlegungen: „Wir haben mehrere Mitarbeitende,

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