Waiblingen

Die Chefin des Friseursalons Haarkonzept in Waiblingen geht in den Ruhestand - wie geht es dort weiter?

FriseurHaarkonzept
Ilona Fränzel (links), die bisherige Inhaberin des Friseursalons, übergibt das Geschäft an Sylvia Heinlein (rechts). © Gaby Schneider

Nach vielen Jahren im Beruf geht Ilona Fränzel vom Friseursalon Haarkonzept mit 65 Jahren in den Ruhestand. Doch das Ende des Salons soll es noch nicht sein. Vor Ort haben wir nachgefragt, wie es in der Beinsteiner Straße weitergeht.

Es sind schwierige Zeiten für Friseurinnen und Friseure. Im aktuellen Lockdown dürfen sie ihre Kundinnen und Kunden nicht bedienen. Doch Ilona Fränzel vom Friseursalon Haarkonzept macht nicht etwa wegen der Corona-Krise Schluss. Sie hat bereits vor einem Jahr beschlossen, in den Ruhestand gehen zu wollen. Damals war Corona ein in Deutschland noch unbekannter Virus. Doch der Friseursalon soll weiter betrieben werden. Mitarbeiterin Sylvia Heinlein entschied damals, ihn übernehmen zu wollen. Wie die Situation ein Jahr später aussehen würde, war zum damaligen Zeitpunkt kaum vorstellbar.

Freunde und Familie reagierten skeptisch auf den mutigen Plan

Doch seit einigen Wochen und Monaten steht fest: Der Start für Heinlein wird in der Corona-Krise mindestens holprig, womöglich sogar richtig schwierig. Von Freunden und Familienmitgliedern sei sie bereits darauf angesprochen worden, ob die Übernahme denn wirklich so eine gute Idee ist. Doch Heinlein will den Laden halten, die Kunden und das Konzept liegen ihr am Herzen. „Ich wollte keinen Rückzieher machen, außerdem wachsen Haare immer“, sagt Heinlein und lacht. Auch der Name Haarkonzept soll bleiben. Allerdings nicht mit der Ergänzung „Ilona Fränzel“, sondern eben künftig unter dem Namen von Heinlein.

Das finanzielle Risiko mit dem Laden könne sie derzeit auch nur deshalb eingehen, weil ihr Ehemann den größten Teil des gemeinsamen Lebensunterhaltes bestreitet. Sonst wäre all das nicht möglich, sagt die 48-Jährige. Sie blickt trotz der vielen Herausforderungen optimistisch in die Zukunft und sagt: „Wir sind Handwerker, die einen Service anbieten, den man nicht auf Amazon bekommt.“

Ein besonderes Konzept

Der Friseursalon bietet auch Haarverlängerungen, -verdichtungen und Perücken an. Frauen, die nach einer Chemotherapie und einer Krebserkrankung nur noch wenige Haare haben, können sich im Salon beispielsweise ein Haarteil befestigen lassen. Ilona Fränzel zeigt im Laden, wie so etwas aussieht. Sie zieht einen Plastikring mit Haaren hervor und erklärt, dass dieser mit den noch übrigen Haaren verbunden werde. Nach einigen Wochen muss er wieder befestigt werden, sonst gerät das Haarteil ins Rutschen.

Krankenkasse beteiligt sich

Bei vielen ihrer Kundinnen beteilige sich die Krankenkasse an den Kosten, deshalb gehen nicht nur Scheine und EC-Karten über den Tisch, sondern auch Rezepte. Für diese speziellen Fälle hat der Salon derzeit sogar trotz Lockdown geöffnet. Das Angebot gilt als Teil der Gesundheitsversorgung. Der Salon hat mehrere Standbeine. Neben dem Angebot für Frauen mit wenigen Haaren sind Fränzel und Heinlein auch ins Altenheim gegangen, um dort den Bewohnerinnen und Bewohnern die Haare zu schneiden. Friseure gebe es wie Sand am Meer, meinen die Frauen. Mit ihrem Konzept seien sie aber schon etwas Besonderes. Wegen ihres Angebots für die speziellen Haarteile kommen Frauen von weit her zu ihnen. Eine Dame fahre sogar extra aus Künzelsau nach Waiblingen, erzählen die beiden Friseurinnen.

Sylvia Heinlein (48) begann 2015 als Friseurin in Fränzels Salon, nachdem sie einige Jahre wegen ihrer Kinder pausiert hatte. Zum 4. Januar übernimmt sie nun das Geschäft. Weil sie keinen Meistertitel hat, hieß es im Sommer aber für sie: Wirtschaft und Recht büffeln. Sie musste vor der IHK ihre Eignung beweisen, um überhaupt einen Salon betreiben zu dürfen. Neben der Arbeit und dem Familienleben sei das eine echte Herausforderung gewesen.

Fränzel floh 1989 mit ihrem Mann und ihren Töchtern aus der DDR

Ilona Fränzel freut sich auf den Ruhestand, auch wenn sie schon jetzt so manche Kundin vermisse. „Irgendwann muss Schluss sein“, sagt sie. Die Salonchefin hat fünf Enkelkinder und einen großen Garten, zu tun gebe es für sie deshalb immer etwas. Die 65-Jährige kam über Umwege nach Waiblingen. Sie wuchs in der DDR auf. In Sachsen hatten ihre Eltern früher eine Weberei, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie aber enteignet. Weil ihre Familie nicht ins System passte, wie Fränzel sagt, habe sie zwar eine Lehre zur Friseurin machen dürfen, ein Meistertitel sei ihr dort aber verwehrt geblieben. Sie und ihr Mann entschlossen sich schließlich zur Flucht in die BRD. Mit ihren beiden Töchtern, damals 14 und neun Jahre alt, ging es 1989 über Ungarn in die BRD.

An der Grenze hätten die beiden einen netten Lkw-Fahrer kennengelernt, der seine Hilfe anbot. Über seine Kontakte fand ihr Mann schließlich einen Job in Waiblingen. Heute sagt Fränzel: „Ich bin hier heimisch geworden“. Bereits seit 31 Jahren lebe sie nun hier. Ihren Salon eröffnete sie 1998. Nun, nach über 20 Jahren, überreicht sie Föhn und Bürste an Sylvia Heinlein. Doch mindestens zum Haareschneidenlassen und Kaffeetrinken will sie künftig auch weiterhin hierher kommen.

Nach vielen Jahren im Beruf geht Ilona Fränzel vom Friseursalon Haarkonzept mit 65 Jahren in den Ruhestand. Doch das Ende des Salons soll es noch nicht sein. Vor Ort haben wir nachgefragt, wie es in der Beinsteiner Straße weitergeht.

Es sind schwierige Zeiten für Friseurinnen und Friseure. Im aktuellen Lockdown dürfen sie ihre Kundinnen und Kunden nicht bedienen. Doch Ilona Fränzel vom Friseursalon Haarkonzept macht nicht etwa wegen der Corona-Krise Schluss. Sie hat bereits vor einem

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