Waiblingen

Die Esche stirbt aus

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Sieht idyllisch aus, ist es aber inzwischen nicht mehr: Den Eschen geht es an den Kragen. Förster sehen keine Chance für ein Überleben der Baumart. © Habermann/ZVW

Waiblingen.
Um die heimischen Eschen steht es nicht nur schlecht, sie stehen bald gar nicht mehr: „Wir gehen in die finale Phase, in der die Bäume reihenweise umfallen“, warnt Martin Röhrs, Leiter des Geschäftsbereichs Forst im Waiblinger Landratsamt.

Die Lage verschärft sich

Nach Auskunft von Hans-Joachim Bek, Leiter des Forstreviers Reichenberg beim Landratsamt Rems-Murr, verschärft sich die Lage zusehends: Im Zuge des Eschentriebsterbens komme es seit einiger Zeit zusätzlich zum Pilzbefall zu sogenannten Stammfußnekrosen, die den Baum von der Wurzel her faulen lassen. In Moskau sei zudem ein neuer Schädling festgestellt worden, der bald auch unseren verbliebenen heimischen Eschen den Rest geben wird. „Was der Pilz noch nicht dahingerafft hat, macht der asiatische Eschenbastkäfer vollends platt“, fasst Hans-Joachim Bek das Ausmaß zusammen.

Gefahr: Kranke Bäume können umstürzen

Martin Röhrs, der Leiter des Geschäftsbereichs Forst im Waiblinger Landratsamt, spricht sogar inzwischen statt von Eschentriebsterben von einem Eschensterben mit „hohem Gefährdungspotenzial“ für die Bevölkerung. Im Staatswald werden seit dem Jahr 2012 keine Eschen mehr angepflanzt. Der befallene Eschenbestand im Wald wird aus Gründen der Verkehrssicherheit beseitigt. Martin Röhrs weist darauf hin, dass die Förster nicht jede Esche umsägen, wohl aber jene Bäume entlang von Straßen, Fuß- und Fahrradwegen. „Mit Entsetzen“ stellt er an verschiedenen Orten fest, dass im öffentlichen städtischen Raum trotz der Gefahr viele Eschen stehen bleiben. „In Parks und Grünanlagen ist die Situation dieselbe wie im Wald, da muss dringend etwas gemacht werden.“

Drei Ursachen für das Eschensterben

Denn die erste Phase, als befallene Triebe, lichte Kronen und verfärbte welke Blätter die Baumkrankheit anzeigten, sei passé. Der Schadensfortschritt führe jetzt dazu, dass Bäume ihren Halt verlieren. Denn gleich drei Schädlinge machen sich über die wehrlosen Bäume her: Auslöser des Eschentriebsterbens war das falsche weiße Stängelbecherchen Hymenoscyphus pseudoalbidus. Ein nur wenige Millimeter großer Pilz, der seit den 90er Jahren riesige Schäden in ganz Europa anrichtet. Die befallenen Bäume sterben von der Krone her ab. Im Rems-Murr-Kreis wurde die aus Asien stammende Pilzart, die ausschließlich Eschen befällt, erstmals 2007 nachgewiesen.

Zweite Ursache: Stammfußnekrose

Seit zwei Jahren wird zudem die Stammfußnekrose beobachtet, die den Stamm im Wurzelhalsbereich kurz über dem Boden befällt. Der Rest vom Stamm stehe oberirdisch besehen noch gut da, weil Eschen ein hartes und beständiges Holz bilden. Von unten indes faule das Wurzelwerk. Die Folge: Der bis zu 20 Meter hohe und bis zu 2000 Kilogramm schwere Stamm kann nicht mehr gehalten werden. „Die Bäume können bei der geringsten Erschütterung umfallen“, warnt Röhrs.

Dritte Ursache: Asiatischer Eschenbastkäfer

Mit dem dritten Schädling, dem asiatischen Eschenbastkäfer, sei das Endstadium erreicht. Dieser Käfer ist auf dem Vormarsch. Er ist nach Auskunft von Förster Hans-Joachim Bek in Moskau bereits aufgetreten und breitet sich normalerweise nur auf frisch gefälltem Eschenholz aus. An Bäumen allerdings, an denen sich bereits die Pilzart „Falsches weißes Stängelbecherchen“ (Hymenoscyphus pseudoalbidus) zu schaffen gemacht hat, befällt er auch den noch stehenden Stamm. Der Schädling gilt als besonders aggressiv und soll in den USA bereits Millionen von Eschen dahingerafft haben.

Alltägliche Dinge bestehen aus Eschenholz

Förster müssen tatenlos mitansehen, wie eine beliebte und vielfältig verwendbare Baumart zugrunde geht. Rettung für die Eschen schließen sie aus, da die Bäume keine Resistenzen entwickeln können. Eschenholz ist beliebt für den Bau von Möbeln, Turngeräten und Werkzeugstielen. Wer mit der Axt sein Holz für den Kamin spaltet, hält meist einen Eschenholzstiel in Händen, doch davon werden wir uns verabschieden müssen. Denn immer mehr Eschen, die etwa fünf Prozent der Waldfläche in Baden-Württemberg und auch im Rems-Murr-Kreis ausmachen, zeigen die sichtbaren Absterbeerscheinungen und sind dem Tode geweiht.

Auch die Ulme verschwindet

Lange vor den Eschen verschwindet die Ulme aus unseren Wäldern. Laut Bek gibt es keine bestandsbildenden Berg-, Flatter- und Feldulmen mehr, die bis in die 80er Jahre bei uns heimisch waren. Auch der Ulme machte ein Pilz, der von einem Käfer übertragen wurde, den Garaus. Der Schlauchpilz Ophiostoma novoulmi gilt als Auslöser der sogenannten „Ulmenwelke“. Übertragen wurde er vom Ulmensplintkäfer über Zweigfraß. Der Pilz bildet klebrige Sporen, die von den Käfern am Leib getragen und an gesunden Ulmen ins Holzgewebe des Baums übertragen werden. Befallene Bäume lassen mitten im Sommer die Blätter fallen, die Kronen lichten aus, Blätter verfärben sich gelb und welken. Letztlich stirbt der Baum an Wassermangel.