Waiblingen

Die Gnade des Glaubens

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Bereit, um das Wort zu empfangen: Andreas Remel alias Gnade. © privat

Fellbach/Waiblingen. Der Sacro-Popper preist im Lied den Herrn, oh my Lord. Der Sacro-Rapper macht es ein wenig subtiler. Er erzählt einfach die Geschichte von einem schlimmen Frauenschicksal und lässt dann anklingen, worin die Erlösung zu suchen ist.

Video: TV-Talk mit Gnade.

Andreas Remel heißt der Mann, der gerade von Fellbach aus die Charts hochklettert. In der Amazon-Liste bei der Sparte Hip-Hop siedelt er unter den ersten 100 mit seinem Überraschungswerk „Die Tränen hinter dem Lächeln“.

Mit Andreas Remel, diesem Allerweltnamen, ließe sich kein Funken Szeneglaubwürdigkeit herstellen. Also kamen seine Berater, darunter Hans Derer, auf Gnade. Ein begnadeter Künstlername? Nun, ganz unpassend ist er nicht, denn die Gnade, die vom Höchsten kommt, nimmt einen breiten Raum ein, besonders wenn man ihn sprechen hört.

Weil Bilder heute Musik transportieren müssen, gibt es ein Video dazu. Es beginnt mit einer Urszene. Mann will von Frau endlich wissen, was los ist. Bei Adele wurde dazu noch ein Klapphandy benutzt, die Videomacher im Fall von Gnade gingen den Schritt vollends zurück in die Steinzeit: Man sieht Andy Remel in einer öffentlichen Telefonzelle beim Verzweifeln, weil der Frau mal wieder nicht zu helfen ist.

Was dann anhebt, die Musik selbst, hat eine Urgewalt. Im Waiblinger Studio A7 hat man über Remel die Rockfräse laufen lassen, was nun mal mit punchigen Drums und knalligem Bass geht. Casper, der Deutsch-Amerikaner, hat’s vorgemacht.

Der Zeilen und die Bilder erzählen von einer Frau, die auf dem Weg der Selbst- und Fremdzerstörung nichts auslässt. Die Psychiatrie als Endstation. So tief muss jemand fallen, damit er dann auch ordentlich errettet werden kann. Indem er beginnt zu glauben.

Man könnte es als Masche abtun. Als Produktnische, die ja gar keine kleine ist, denn kirchennahe Rocker haben durchaus ein gutes Auskommen. Bei Remel ist der Fall nochmals anders gelagert, sehr autobiografisch. Leider so echt, wie das Unvorstellbare nur echt sein kann. Remel hat Frau und Sohn verloren, weil nicht zu riechen war, dass die Gas-Therme in der eigenen Wohnung leckt.

Wie weiterleben danach? Remel, 31 Jahre alt, hatte Mitte 20 zum Glauben gefunden. Und dieses Halten an einer festen Burg erwies sich für ihn als wahre Hilfe: „Ich hab die Stimme Gottes erst dann gehört, als ich mich komplett selbst verleugnet hatte.“ Und auch die Erfolgsnummer jetzt sei auf einer wahren Geschichte aufgebaut, sagt der Verkünder.