Waiblingen

Die Hitzewelle macht die Arbeit schwer

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Andreas und Gabi Speerschneider grillen und frittieren bei jeder Temperatur. © ZVW/Hannah Clauss
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Betriebshofmitarbeiter im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner.

Waiblingen. Während die einen im klimatisierten Büro aufpassen müssen, sich keine Erkältung einzufangen, haben es Menschen, die in der Sonne arbeiten müssen, schwerer: Wir haben sie gefragt, wie sie ihren Arbeitstag überstehen, was sie gegen die Hitze tun und ob die Arbeitgeber Rücksicht nehmen. Wie schaffen sie es, in der Mittagshitze nicht davonzuschmelzen?

Bei Bauer Volker Escher steht die Kartoffelernte an. Wegen der aktuellen Temperaturen beginnt er bereits um sechs Uhr morgens mit der Arbeit auf dem Feld. Wenn es gegen 13 Uhr zu heiß wird, flüchtet er ins Lager, da sei es schattig und etwas kühler. Auch Bürotätigkeiten verschiebt er in den Sommermonaten auf den Nachmittag, wenn es in der prallen Mittagshitze auf dem Feld kaum mehr auszuhalten ist. Doch nicht nur für den Kreislauf sind die Temperaturen gefährlich: Auch das Obst und Gemüse leidet darunter. Kirschen fangen an zu faulen oder platzen auf, die späten Kartoffeln stagnieren und wachsen nicht mehr weiter, generell fehlt es an Wasser. „Wir würden uns wirklich sehr darüber freuen, wenn es mal gewittern würde.“

Zu der Hitze der Sonne kommt noch der heiße Grill

Auch Gabi und Andreas Speerschneider klagen über das Wetter. Die beiden betreiben eine Imbissbude in Waiblingen, und noch ist es nicht heiß genug, dass die Würstchen von alleine knackig werden - der Grill läuft den ganzen Tag. „Langsam schaffen, viel durchatmen und Kreislauftabletten nehmen“, lautet Gabi Speerschneiders Devise, um die Hitze auszuhalten. In ihrem Imbiss hat es hinter dem Grill tagsüber bis zu 45 Grad. Auch ein Ventilator schafft es da nicht mehr, ein wenig Abkühlung zu verschaffen, meint Andreas Speerschneider. Außerdem werde dieser an anderer Stelle gebraucht, soll die Kühlaggregate vor Überhitzung schützen. Ebenso leidet das Geschäft, berichtet der Inhaber. Bei Temperaturen über 30 Grad werden es immer weniger Leute, die mittags freiwillig rausgehen. Wenn es mal etwas ruhiger ist, nutzen die Speerschneiders die Chance und verlassen die Küche für ein paar Minuten. Unter dem Sonnenschirm sei es zwar immer noch heiß, aber im Vergleich zu drinnen deutlich angenehmer. Die Geschwister hoffen, dass es bald wieder kühler wird. „Alles unter fünf und über 25 Grad ist für uns und das Geschäft schlecht.“

40 Grad von oben und 120 Grad von unten

Bauarbeiter Andreas Grundmann sucht in jeder freien Minute den Schatten. Er arbeitet im Straßenbau, momentan muss er eine Straße asphaltieren. Zusätzlich zu der Hitze von oben kommen dann noch 120 Grad Wärme von unten: Der Asphalt, den er verarbeiten muss, wird auf bis zu 180 Grad Celsius erwärmt. Wenn es so heiß ist wie in den letzten Tagen, fangen Grundmann und seine Kollegen bereits um 5.30 Uhr morgens mit der Arbeit an. Normalerweise startet ihr Tag erst um 7 Uhr. Ihr Arbeitgeber stellt bei der Hitze die Getränke und auch den Sonnenschutz. An den ganz heißen Tagen haben die Bauarbeiter die Anweisung, pro Stunde circa fünf bis zehn Minuten aus der Sonne zu gehen und eine kurze Pause im Schatten zu machen, sagt Grundmann. Oberkörperfrei zu arbeiten sei allerdings verboten, und auch kurze Hosen darf er bei der Arbeit aus Sicherheitsgründen nicht tragen. Er hofft also darauf, dass es bald wieder etwas abkühlt. Er arbeitet am liebsten, wenn es etwas bewölkt ist und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad herrschen.

Lange, dicke Arbeitshosen tragen auch die Mitarbeiter der Stadtreinigung. Die Kollegen von der Baumpflege müssen während der Arbeit sogar Ganzkörperanzüge tragen: Momentan sind sie damit beschäftigt, die Nester der Eichenprozessionsspinner einzusammeln.

Wegen der brennenden Haare der Raupen müssen sie aus Sicherheitsgründen in voller Montur mit Schutzmaske und Anzug in die Baumkronen hochfahren. Daniel Plötzke sagt: „Selbst wenn ein Wind geht, kühlt uns das nicht ab. Wir merken davon durch die Anzüge nichts“. Gerald Ott muss in der Mittagshitze ein Kneippbecken in der Talaue reinigen. Er meint: „Wir kennen unsere Gebiete und wissen, wann die Sonne kommt. Wir fangen morgens eine Stunde früher an und gehen zu den sonnigen Plätzen. Schattige Plätze heben wir uns für den Mittag auf, wenn es in der Sonne zu heiß wird.“ Ab 28 Grad Celsius stellt der Bauhof den Mitarbeitern Wasser zur Verfügung. Viel trinken sei das Wichtigste, meint Werner Bebion, Verantwortlicher der Stadtreinigung.