Waiblingen

Die kuriose Welt der Postkarten

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Diethart Jakob zeigt einen Automaten, bei dem man für eine Mark eine Postkarte kaufen konnte. © Klopfer / ZVW
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Das Innere des Postkarten-Automaten. © Klopfer / ZVW
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Alte Sammelalben von Diethart Jakob. © Klopfer / ZVW
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Deko von Gabriele Jakob, die das kulinarische Leben in Weinstadt abbilden soll. © Klopfer / ZVW
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Sie stellen fast 400 Weinstädter Ansichtskarten aus allen Teilorten von 1893 bis heute bereit (von links): Hartmut Grenzdörfer (71), Werner Vaihinger (66) und Diethart Jakob (68). © Klopfer / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Karten mit vierblättrigen Kleeblättern, Pfingstgrüße mit Maikäfermotiven, die Köpfe der sieben Schwaben: In der neuen Sonderausstellung im Beutelsbacher Württemberg-Haus sind knapp 400 Postkarten aus Weinstadt zu sehen – dank der Sammler Hartmut Grenzdörfer, Werner Vaihinger (66) und Diethart Jakob (68).

„Ich bin ein total verrückter Sammler – im positiven Sinne“, sagt Diethart Jakob und lächelt. 50 000 Ansichtskarten hat der Endersbacher zu Hause. 30 000 davon bietet er auf Ebay an, der Rest ist unverkäuflich. Die Internetplattform ist für Diethart Jakob wie ein riesiger Flohmarkt, auf dem er mit ein paar Klicks seine Sammlung stetig erweitern kann – und zu tun gibt es da eine Menge. Immerhin hat Diethart Jakob 219 Sammelgebiete, darunter befinden sich allein 30 verschiedene Sammlungen zu Württemberger Wappen. „Das macht mir unglaublich Spaß“, sagt der 68-Jährige, der sehr froh ist, dass ihn seine Frau Gabriele Jakob so unterstützt und selbst auch ein Faible fürs Sammeln hat. Als sein Kollege Hartmut Grenzdörfer, den er seit vielen Jahren aus dem Württembergischen Philatelistenverein kennt, die Idee für eine gemeinsame Ausstellung in Weinstadt hatte, war er sofort dabei, ebenso wie der Endersbacher Werner Vaihinger. Und mit dem Württemberg-Haus haben die drei Sammler einen würdigen Ort gefunden.

Knapp 400 Postkarten können interessierte Bürger vom Sonntag an bewundern. Die Älteste dieser Ausstellung ist im Dezember 1893 verschickt worden und zeigt Gebäude in Endersbach, darunter die Ziegelei Oettinger, die evangelische Kirche und das alte Rathaus. Die Karte stammt aus dem Fundus von Werner Vaihinger, der vor 40 Jahren mit dem Postkartensammeln begonnen hat. Dass nur Karten von Weinstadt zu sehen sind, hat übrigens einen besonderen Grund: Die Ausstellung erinnert daran, dass Weinstadt im März 1976 zur Stadt erhoben wurde. Was laut Stadtarchivar Dr. Bernd Breyvogel nur logisch war, immerhin galt Weinstadt mit seinen damals 21 000 Einwohnern als größtes Dorf von Baden-Württemberg.

Für viele die einzige Möglichkeit, sich ein Bild von der Welt zu machen

Die Hochphase der Ansichtskarte war vor und während des Ersten Weltkriegs. Damals war sie laut Bernd Breyvogel für viele Menschen die einzige Möglichkeit, sich ein Bild von fernen Orten zu machen. Für Orte war sie zugleich ein Marketinginstrument, um sich von der besten Seite zu zeigen. Die Ansichtskarten waren damals auch alles andere als eintönig: So gab es beispielsweise Karten, die aufklappbar waren. Diethart Jakob hat eine von den sieben Schwaben beigesteuert, bei der durchs Aufklappen noch ein achter Mann sichtbar wird, nämlich Graf Zeppelin. „Solche Raritäten sind ein Spezialgebiet von mir“, sagt der Endersbacher. Dann lenkt er den Blick noch auf eine Sorte Karten, die seine Frau leidenschaftlich gern sammelt: Pfingstgrußkarten mit Maikäfern.

Sogar Stuttgart hat mit dem Namen Weinstadt für sich geworben

Der Beutelsbacher Hartmut Grenzdörfer hat unter anderem Karten von 50 Orten in Deutschland zusammengetragen, die sich mit dem Namen „Weinstadt“ schmücken. Meersburg am Bodensee, Iphofen in Franken, aber auch benachbarte Orte wie die Landeshauptstadt. „Man wundert sich, dass die Stadt Stuttgart mit Weinstadt wirbt“, sagt Hartmut Grenzdörfer. Übrigens: Im österreichischen Krems an der Donau gibt es sogar ein Weinstadt-Museum.

Hartmut Grenzdörfer, Werner Vaihinger und Diethart Jakob haben im Gespräch mit unserer Zeitung versichert, dass an jedem Öffnungstag der Sonderausstellung einer von ihnen als Ansprechpartner vor Ort ist. Und wer noch mehr Hintergrundwissen haben möchte, der sollte sich den Freitag, 29. April, vormerken: Da hält Diethart Jakob von 19 Uhr an im Württemberg-Haus einen Vortrag mit anschließender Führung, kostenlos und ohne Anmeldung.

Wenn einer der drei Sammler im Museum anwesend ist, kann er auch den Ansichtskartenautomaten vorführen, der eine Postkarte ausspuckt, wenn die Person nach Einwurf einer D-Mark an einem Griff zieht. Das Gerät stammt aus Diethart Jakobs Bestand, der Endersbacher hat es vor 30 Jahren auf einem Flohmarkt erworben. Ursprünglich stand es mal in einem Lokal der Schnellrestaurantkette Wienerwald. Allerdings hat das Gerät mit den Jahren so seine Macken bekommen – und darum legt Diethart Jakob nur noch eine Karte ein. Sicher ist sicher.

Bis 12. Juni zu sehen

  • Eröffnet wird die neue Sonderausstellung am Sonntag, 17. April, um 11.15 Uhr im Württemberg-Haus (Stiftstraße 11). Die rund 400 Ansichtskarten, die dort gezeigt werden, sind bis Sonntag, 12. Juni, zu sehen – und zwar immer samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr. Zudem ist es möglich, Führungen für Schulklassen und andere Gruppen zu vereinbaren 0 71 51/9 85 47 98.
  • Für Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren gibt es einen Kurs zur Sonderausstellung. Sie können nach Besichtigung der Ausstellung Stempel herstellen, mit denen farbige Karten kreativ bedruckt werden. Der Kurs findet am Samstag, 23. April, von 10 bis 12 Uhr im Württemberg-Haus statt. Kosten: 14 Euro. Interessierte Eltern melden ihre Kinder unter 07151/360515 oder kunstundkeramik@gmx.net an.