Waiblingen

Die längste Suppentafel der Stadt

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Gemeinsam statt einsam: Zwischen drei verschiedenen Suppen konnten die Leute wählen, die dann an einem rund zehn Meter langen Tisch in Gemeinschaft gegessen wurden. © Gabriel Habermann / ZVW

Waiblingen. Mit der nun schon zehnten „Langen Tafel“ erinnert der Waiblinger Tafel-Laden am Tag vor dem Erntedankfest an die vielen Mitbürger und Familien auch in unserer Stadt, die beim Einkauf von Lebensmitteln auf jeden Cent schauen müssen. Der Aufruf zu Spenden blieb nicht unerhört. Und die gedeckten Tische mit Suppenausschank wurden für viele Waiblinger wieder zum geselligen Treffpunkt am Alten Postplatz.

Die drei ehrenamtlichen Mitarbeiter vor dem Tafeltransporter auf dem Postplatz haben ständig zu tun. Gerade bringt jemand Salz, Mehl und ein paar Zuckerpakete vorbei. Ohne große Geste geschieht das, aber herzlich und die Spenden werden mit dankbarer, großer Freude entgegengenommen. „Gib, was du kannst“, lautet das Motto. Besonders gewünscht aber sind, so Elke Schütze vom Vorstand der Waiblinger Tafel, haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Kaffee, weil die Lebensmittel, die die Tafel von ihren Sponsoren aus dem Handel bekommt, meist aus verderblicher Ware mit Ablaufdatum bestehen. Nahrung, die sonst weggeworfen würde.

Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr wies in ihrem Grußwort besonders auf diesen Punkt hin: „Aktiv setzt sich die Tafel gegen den sogenannten ‘Food Waste’ ein. Lebensmittel sollen stattdessen den Menschen zugutekommen und nicht vernichtet werden, nur weil sie eine Druckstelle haben oder das Mindesthaltbarkeitsdatum in einigen Tagen abläuft.“ Denn, sagte Elke Schütze, „eigentlich sollte es uns gar nicht geben. Mehr als zehn Millionen Tonnen Lebensmittel, genießbare, nicht verdorbene, landen bei uns jährlich auf dem Müll.“

700 Waiblinger Haushalte haben die Berechtigung, die Tafel zu nutzen

In Deutschland werden derzeit Hilfsbedürftige durch 930 Tafeln mit 3000 Ausgabestellen unterstützt. „Allein in Waiblingen“, sagt Elke Schütze, „erhielten über 700 Haushalte die Berechtigung, bei der Tafel einzukaufen, das heißt, etwa 1500 Menschen werden versorgt.“ Elke Schütze machte deutlich, „dass Anstöße zur Veränderung beim Thema Armut und Lebensmittelversorgung von übergeordneter Stelle“, also der Politik, kommen müssten. Ansonsten befürchtet sie, „dass die Tafel noch länger gebraucht“ wird.

Die Organisation des Tafel-Betriebs allerdings wäre nicht ohne die vielen Helfer und Ehrenamtlichen möglich. „Über 70 Ehrenamtliche sind tatkräftig und mit viel Herzblut im Einsatz“, würdigte Christiane Dürr deren Engagement. „Sie leisten einen wertvollen Dienst an und für die Gesellschaft und beweisen, was sozialer Zusammenhalt wirklich bedeutet.“ Die Erste Bürgermeisterin dankte aber auch den Waiblinger Geschäften und Organisationen, die als Spender und Sponsoren die Arbeit der Tafel unterstützen.

Und während also unaufhörlich am Tafeltransporter die großen oder kleinen Spenden entgegengenommen wurden, konnten derweil an der gut zehn Meter langen, herbstlich dekorierten Tafel die Waiblinger eine der köstlichen drei Suppen kosten. Zu wählen gab es zwischen einer Kürbissuppe, einer thailändischen Hühnersuppe und einer von der türkischen Frauengruppe „El Ele“ zubereiteten Rote-Linsen-Suppe. Bei den sanften Gitarrenklängen von Alan Morris saßen dann doch viele Freunde, Spender und zufällige Stadtbummler solidarisch und gesellig beisammen. Grad so, wie es die Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr beschrieb: „Bei der Langen Tafel wird hier und heute der Wert von Waiblinger Engagement für andere sichtbar – ja sogar direkt erlebbar.“

Die Tafel-Idee:

Unter dem Leitspruch „Jeder gibt, was er kann“ engagieren sich örtliche Bäckereien, Supermärkte, Metzgereien, Gärtnereien, Handwerker, Kosmetikhersteller, Landwirte, Privatpersonen und viele weitere Organisation mit dem Ziel, dass überschüssige, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel eingesammelt werden und gegen einen geringen Betrag an Bedürftige im Tafelladen abgegeben werden können. Aus dem Info-Flyer der Waiblinger Tafel