Waiblingen

„Die Leute klauen wirklich alles“

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen. Diebe stehlen alles, was nicht niet- und nagelfest ist? Stimmt so nicht. Sie klauen auch, was nicht klaubar scheint. Hunderte Kilo schwere Tresore, noch schwerere Baugeräte, Solarmodule – allerlei Kurioses taucht immer mal in den Polizeimeldungen als Diebesgut auf. Der vergleichsweise langweilige Klassiker: Langfinger stehlen Handtaschen, Handys und Geld aus Autos. Gern aus solchen, die nicht abgeschlossen sind.

Vor einiger Zeit suchten Diebe beispielsweise in Korb gezielt nach Autos, die nicht verschlossen waren. Sie wurden immer wieder fündig. „Dass ein Auto verschlossen werden sollte, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wird aber von manchen Autobesitzern trotzdem nicht gemacht. Im Übrigen ist ein Fahrzeugnutzer verpflichtet, sein Kfz gegen unbefugte Benutzung zu sichern. Dies nicht zu beachten ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Verwarnung von 15 Euro geahndet werden“, informiert die Pressestelle der Polizeidirektion Aalen.

Aufbrüche auch nur wegen ein paar Cent

„Ihr Auto ist kein Tresor“, heißt es in einer Infobroschüre der Polizei zum Diebstahlschutz. Der wichtigste und naheliegendste Rat: keine Wertsachen im Auto liegen lassen, weder sichtbar noch versteckt. Letzteres ist sinnlos, so die Polizei, „weil die Diebe jedes Versteck kennen“. Auch mobile Navigationsgeräte einschließlich Halterung sollten nicht im Auto zurückbleiben, ebenso wenig wie Gepäckstücke im Kofferraum. Finden Diebe Ausweise, Fahrzeugpapiere, Hinweise zur Wohnungsanschrift samt Hausschlüssel – dann könnte dem Autoaufbruch noch ein Einbruch folgen.

Selbst Kleingeld fürs Parken hat in der Ablage nichts zu suchen. Ein verzweifelter Dieb zögert nicht, ein Auto wegen ein paar Cent aufzubrechen.

Polizei rät, den Wagen auch während der Fahrt abzuschließen

Die Polizei rät, den Wagen sogar während der Fahrt abzuschließen. Der Grund sind Blitzdiebstähle etwa während Stopps an einer Kreuzung oder Ampel. Grundsätzlich empfiehlt es sich, das Auto möglichst auf belebten und gut beleuchteten Parkplätzen abzustellen.

Derweil reißen sich Langfinger Gegenstände unter den Nagel, die ehrenwerte Bürger vermutlich als nicht klaubar einstufen würden. Ein Beispiel: Beachtliche 380 Kilo wog eine Vibrationsplatte, die Unbekannte Anfang Mai von einer Baustelle in Allmersbach im Tal gestohlen haben. Eine solche Baumaschine wird zur Bodenverdichtung genutzt, und ein Blick in einschlägige Verkaufsportale zeigt: Es gibt einen Markt dafür. Laut Polizeipressesprecher Rudolf Biehlmaier hat sich im Allmersbacher Fall bisher kein konkreter Tatverdacht ergeben – das Ding ist weg. Baumaschinen sind nicht nur, aber auch bei organisierten Banden beliebt, heißt es bei der Polizei, und „Baumaterial ist immer ein Problem.“

„Ausgeschlossen ist nie was“

300 Kilo brachte ein Tresor auf die Waage, den Einbrecher Anfang März aus einer Bäckereifiliale mitten in Korb gestohlen haben. Die Ermittlungen laufen, doch es hat sich noch kein Tatverdacht ergeben, so Rudolf Biehlmaier. Ihn würde es nicht wundern, wenn der selbstredend leere Tresor irgendwann in einem Bach gefunden würde. Das kommt oft vor. Noch Jahre nach einem Diebstahl tauchen Tresore irgendwo auf. Manche lassen sich dann noch einem bestimmten Vorfall zuordnen – andere nicht. „Ausgeschlossen ist nie was“, das ist Biehlmaiers Erfahrung.

Ein Fahrradhändler aus Fellbach sieht das neuerdings vermutlich ähnlich. Diebe haben eines Nachts Anfang Mai aus seinem Geschäft circa 40 Fahrräder gestohlen, wobei sie gezielt die hochpreisigsten auswählten. Auf einen Wert von 150 000 Euro summiert sich das Diebesgut in diesem Fall. Wer ist so dreist und transportiert in einem Laster oder in was auch immer einfach so 40 Fahrräder ab? Das dauert doch. Das fällt doch auf.

Ausgeschlossen ist nie was. Es dürften organisierte Profis am Werk gewesen sein. Bewiesen ist bisher nichts. Bekannt sind allerdings ähnlich gelagerte Fälle. Kürzlich sind in der Schweiz 220 Fahrräder gestohlen worden. Eins davon war mit GPS ausgestattet, so dass die Polizei ein Fahrzeug auf der Autobahn bei Nürnberg anhalten konnte.

„Gelegenheit macht Diebe“: Solarmodule werden zu Beute

Ausgeschlossen ist nie was. Auch dann nicht, wenn ein Bürger Solarmodule auf seinem Grundstück aufstellt. Er muss offenbar damit rechnen, dass irgendeiner die Module gebrauchen kann. Und sie einfach mitnimmt. So geschehen im März in Alfdorf. „Gelegenheit macht Diebe“, sagt Rudolf Biehlmaier und erzählt von einem Fall im Ostalbkreis, der allerdings schon lange zurückliegt: Diebe haben von einem Scheunendach sämtliche Solarmodule abgebaut.

Oder Weidezaungeräte. Wer klaut Weidezaungeräte? Unbekannte haben genau das in Rommelshausen und Schorndorf Mitte Mai getan. Die Beklauten befinden sich in größerer Gesellschaft. In einem Pferdeforum im Internet drehen sich Diskussionen genau darum: Weidezaungeräte fehlen ständig irgendwo. Fazit eines Forumsmitglieds: „Die Leute klauen doch wirklich alles.“

Kurios, kurioser

Eine Blitzrecherche unter dem Stichwort „Kuriose Diebstähle“ fördert eine beachtliche Bandbreite an Dingen zutage, die kürzlich gestohlen worden sind: Ein Hähnchengrillwagen fehlt seit kurzem in Echterdingen. Jemand hat in Kitzingen eine Spenderbox für Hundekottüten mitgehen lassen. Im US-Bundesstadt New Jersey hat sich ein junger Mann palettenweise Käse im Wert von 145 000 Euro unter den Nagel gerissen.