Waiblingen

Die Lieblingsplatten von 60 Waiblingerinnen und Waiblingern

Lieblingsplatten
Waiblingen feiert die Vinyl-Schallplatten und ihre Cover. © ALEXANDRA PALMIZI

Mehr Lokalkolorit geht nicht: Solange in der Galerie Stihl die Ausstellung „Cover Art“ mit den künstlerisch wertvollsten Schallplatten-Hüllen läuft, zeigen 60 bekannte Waiblingerinnen und Waiblinger nebenan in der Kunstschule die Cover ihrer Lieblingsplatten – und erzählen in kurzen Texten, was ihnen die Alben bedeutet haben. Von Oberbürgermeister Sebastian Wolf über seinen Vorgänger Andreas Hesky bis zum weltweit gefragten DJ Konstantin Sibold und Jazz-Legende Peter Bühr.

Der Klarinettist und Saxofonist nennt eine gewaltige Sammlung sein Eigen, aber auch andere verfügen über Hundertschaften von Platten. Und ein langjähriger, hochrangiger Rathaus-Mitarbeiter, im Dienst meist im Jackett unterwegs, entpuppt sich als sogar noch längerjähriger Hardrock-Fan: Gemeint ist der ehemalige Stadtkämmerer Rainer Hähnle, der auf dem Foto in der Ausstellung mit AC/DC-Shirt zu sehen ist. Schon mit 14 Jahren wurde er dank älterer Kumpels zum Rockfan und Plattensammler, der schon in den Siebzigern nach Raritäten jagte. Sein Lieblingsalbum zeugt von Kennertum: „Up the hard Way“ (1974) von der britischen Band Hackensack, die harten Bluesrock spielte.

Was Profimusiker und OBs privat hören

Eine nette Geschichte erzählt Andreas Hesky über das Lied „Am Fenster“. Bei einem Besuch bei seiner damaligen Freundin und heutigen Frau spielte diese ihm die Platte vor und wollte wissen, ob das Lied ihm auch so gut gefalle. „Überhaupt nicht“, antwortete er sinngemäß. Nur wenig später beim gemeinsamen Besuch eines Café s in Esslingen, das für seine gute Musik bekannt war, entfuhr es ihm: „Was für ein tolles Lied!“ – Es war dasselbe. Er habe beim ersten Mal Hunger gehabt, erklärte er, da gefalle ihm gar nichts. Mit der Geschichte wird er heute noch geneckt.

Erinnerungen an Schulschwofs

Von Jugend an ein Fan der Alternative Rock Band REM ist sein Nachfolger Sebastian Wolf, der allerdings mit 40 Jahren einer Generation angehört, in der die wenigsten noch Schallplatten kauften, sondern CDs. Für die Ausstellung wurde flugs das CD-Cover auf Platten-Größe hochgezogen. Obwohl noch ein paar Jährchen jünger, weiß DJ Konstantin Sibold das Material Vinyl schon von Berufs wegen zu schätzen. Das Cover des Albums „The Idiots are winning“ des britischen Electronic-Producers James Holden hing jahrelang an der Wand seines Musikstudios in Hohenacker.

Zu den Waiblingern mit imposanter Plattensammlung gehört Stadtrat und Zimmereichef Michael Fessmann. Mit „Watch“ von Manfred Mann’s Earthband hat er eine Scheibe aus der Jugendzeit hervorgeholt, als der VfL- und der Staufer-Schwof Pflichttermine waren und große Konzerte in der Sporthalle in Böblingen stattfanden.

Mit Janis Joplin durch die Siebziger

Als Musiklehrerin des Salier-Gymnasiums beschäftigt sie sich meist mit anderer Musik, aber für die von Juliane Sonntag für den Verein der Freunde der Galerie Stihl kuratierte Ausstellung hat Aja Schwoerer das Album „In concert“ von Janis Joplin ausgesucht. Und Melanie Diener, der Opernstar mit Waiblinger Wurzeln? Sie entschied sich für „Zorbas“ von Mikis Theodorakis, inspiriert vom Film mit Anthony Quinn.

Was ist überhaupt eine Lieblingsplatte? Die Teilnehmer haben ganz verschiedene Ansätze gewählt. Ist sie von der Band, die in der Pubertät fast idolhaft verehrt wurde? Ist es das Album, von dem man in den letzten paar Wochen die meisten Songs in der Playlist hatte? Oder ist es die Platte, die einem musikalisch neue Welten eröffnet hat - oder, noch allgemeiner, die einen als Jugendlicher auf dem Weg ins Erwachsensein begleitet hat? Auch die Kuratorin hat sich intensiv Gedanken gemacht, hat über Johann Sebastian Bach und über die Rockoper „Tommy“ von The Who nachgedacht. Die Wahl fiel auf das „United Rock + Jazzensemble“, in dem Wolfgang Dauner Größen des Jazz und Rock vereinte.

Wie Peter Bühr zum Jazz fand

Peter Bühr schließlich, der Gründer der legendären Flat Foot Stompers, zeigt gleich mehrere Cover von Werken des Jazzgitarristen Eddie Condon und des Altsaxofonisten Earl Bostic. Seine Großeltern hatten ein Elektrogeschäft, in dem er lautstark AFN hörte. Als er auf Earl Bostic stieß, wusste er: Solche Musik wollte er auch machen. Sie prägte sein ganzes Leben.

Die Ausstellung ist bis Mitte Oktober unter der Woche immer dann zu sehen, wenn die Kunstschule geöffnet ist. Am 15. und 16. Oktober dann auch nochmals an einem Wochenende.

Mehr Lokalkolorit geht nicht: Solange in der Galerie Stihl die Ausstellung „Cover Art“ mit den künstlerisch wertvollsten Schallplatten-Hüllen läuft, zeigen 60 bekannte Waiblingerinnen und Waiblinger nebenan in der Kunstschule die Cover ihrer Lieblingsplatten – und erzählen in kurzen Texten, was ihnen die Alben bedeutet haben. Von Oberbürgermeister Sebastian Wolf über seinen Vorgänger Andreas Hesky bis zum weltweit gefragten DJ Konstantin Sibold und Jazz-Legende Peter Bühr.

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