Waiblingen

Die Möbelmacherin

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Katrin Theisges
Insgesamt 500 Stoffvarianten gibt es zur Auswahl. © Palmizi/ZVW
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Kathrin Theisges arbeitet seit einem Jahr für die Möbelmanufaktur Knoll. Ursprünglich hat sie mal Mode gemacht, nun entwirft sie unter anderem Stühle. © Palmizi/ZVW
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Katrin Theisges
Bevor die Möbel bezogen werden, wird gemessen. © Palmizi/ZVW

Waiblingen. Kathrin Theisges sitzt an einem großen Holztisch. In der Hand hält die zierliche Frau mit den dicken, rotblonden Haaren einen Stift. Vor ihr auf der glatten Tischplatte liegen weitere Stifte, Blätter, Stoffproben. Der Designertisch ist ein Ausstellungsstück, wie die anderen Möbel im Showroom auch. Normalerweise arbeite sie nicht hier, sondern in ihrem Büro, erzählt Theisges. Nur samstags, wenn sie im Verkauf ist, dann zeichnet sie manchmal hier oben.

Ein Stockwerk tiefer ist von der aufgeräumten, durchgestylten Atmosphäre der Ausstellungsfläche nicht viel zu spüren. Nähmaschinen rattern, ein Tacker schießt zischend Nadeln in Polster, eine Säge surrt. Theisges schaut regelmäßig hier in der Produktion vorbei. „Megaspannend. So sehe ich, was aus den Möbeln nachher wird. Das hilft mir“, sagt sie. Links hängen verschiedene Stoffe und Lederarten – mit allen Farbvarianten gerechnet sind es 500 Stück. In der Ecke steht eine wuchtige, grün lackierte Maschine, in einem Gestell an der Wand stecken Pappschablonen. Hier wird zugeschnitten, erklärt die Designerin. Gegenüber, hinter einer dünnen Holzwand, sitzen zwei Frauen und ein Mann an ihren Maschinen und nähen. An zwei Tischen mitten im Raum werden die Sofas, Sessel und Bänke bezogen. Viel Platz ist nicht in der Werkstatt, doch es reicht aus für die 300 bis 400 Möbelstücke, die hier jährlich produziert werden – alles in Handarbeit. Theisges kommt aus der Modebranche, sie hat die Kleiderproduktion in China gesehen. „Das ist die Realität, das wissen wir alle“, sagt sie nüchtern. Das hier in der Manufaktur, das sei schon etwas anderes.

Am Anfang war alles ein Experiment

Die Mode sieht man Theisges immer noch an: gerade geschnittener Kapuzenmantel aus zartrosa Wolle, schwarze Hose, schlichtes, weißes Oberteil, dazu passend lackierte Fingernägel. Möbel sind für sie Neuland, da muss sie sich noch einarbeiten. Wieso sie nicht bei der Mode geblieben ist? Theisges überlegt kurz, sagt dann: „Ich habe in einem großen, ziemlich anonymen Unternehmen gearbeitet. Mir war klar, dass ich dort keine Familie gründen würde.“ Inzwischen ist sie 36 Jahre alt, verheiratet und hat ein Kind. Ihr Mann kommt wie sie aus Freiburg, ist ihr nach Waiblingen gefolgt.

Bei der Manufaktur Knoll ist Theisges zufällig gelandet. Vor etwa einem Jahr habe sie sich einfach mal vorgestellt, erinnert sie sich. „Am Anfang wusste eigentlich niemand so richtig, was ich hier tun würde. Es war ein Experiment“, sagt sie und lacht. Und was macht sie nun? Irgendwie ein wenig von allem, antwortet sie. Gerade hat sie ihre erste ganz eigene Stuhlserie entworfen. Grün-braun sind sie, passend zum Herbst.

Die Schwester ist ihr Vorbild

Inspiration holt Theisges sich überall: in der Natur, in Ausstellungen, in Zeitschriften. Die Idee, die sei dabei entscheidend. Das ist es auch, was gutes Design für Theisges ausmacht: Visionen entwickeln, Lösungen finden. Und für sie persönlich zählt auch das Zeichnen. „Ich zeichne wahnsinnig gerne. Wenn ich zeichne, dann bleibt einfach alles stehen“, sagt sie, hält kurz inne, lächelt, nickt. Auch privat zeichnet Theisges viel – irgendwann mache sie sicher mal selbst eine Ausstellung, sagt sie. Vielleicht auch gemeinsam mit ihrer älteren Schwester. Die sei nämlich ihr Vorbild, wie sie so alles unter einen Hut bekomme: Job, Familie, Freizeit. „Als Frau in der heutigen Zeit hat man ja schon eine besondere Rolle zu tragen“, meint Theisges, denkt nach. „Doch, das seh ich schon so“, setzt sie nach und dreht den Zeichenstift in der Hand.

Was Möbel so besonders mache? Die Beständigkeit, dass sie bleiben. Locker mal 20 Jahre lang halte so ein Sofa. Kleider seien dagegen doch „Schall und Rauch“, sagt die Designerin.

Wo die Möbel gemacht werden

Die Knoll Sitzmöbel GmbH gibt es seit mehr als 40 Jahren.

Die Manufaktur ist ein Familienbetrieb: Maximilian Knoll führt sie in mittlerweile dritter Generation.

Mit insgesamt 20 Mitarbeitern stellen die Knolls im Waiblinger Eisental auf drei Etagen maßgefertigte Sofas, Sessel und Bänke her. Dort ist auch der Showroom, in dem die Möbel ausgestellt und verkauft werden.

Auf etwa 300 bis 400 Möbelstücke kommt die Manufaktur jährlich. Ein Zweisitzer-Sofa kostet dabei zwischen 1700 und 3000 Euro, abhängig von Sonderwünschen und Bezug.