Waiblingen

Die Müllabfuhr lässt auf sich warten

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Wie hier in der Blumenstraße sieht’s diese Woche vielerorts im unteren Remstal aus. © Eva Hopfgarten (Online-Praktikant)
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Müll
Tonnen-Stillleben Fronackerstraße. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Für viele Leute in Waiblingen und Umgebung ist es der Aufreger dieser stillen Tage: Als wären die Mülleimer nach Weihnachten und Neujahr nicht schon voll genug, bleiben die Tonnen jetzt teils tagelang stehen. Grund: Die neu beauftragte Firma Kurz aus Ludwigsburg kommt mit der Leerung nicht hinterher.

Betroffen ist in erheblichem Umfang die Leerung sowohl der Restmüll- als auch der Biotonnen im unteren Remstal. „Die Mülleimer verzieren den Ortseingang Großheppach seit Montagabend“, schreibt zum Beispiel Leser Manfred Metz und kommentiert leicht sarkastisch: „Das war eine schöne Feiertags-Dekoration.“ Ob in der Marktgasse oder der Fronackerstraße, ob im Rötepark, in Bittenfeld oder in Hegnach – die Meldungen von Lesern ähneln sich. „In Neustadt ist es besonders schlimm, da stinkt’s zum Teil schon“, schimpft eine Frau. In der Göhrumstraße stehen die Tonnen ebenfalls seit Montag, in der Schopenhauerstraße (Wasserstubensiedlung) dagegen kam die Müllabfuhr am Montag zwar pünktlich, fuhr aber beim Rangieren gegen einen Verteilerkasten für Internet und Telefon und beschädigte ihn dabei. In den sozialen Netzwerken ist schon von „sizilianischen Verhältnissen“ die Rede. Die AWG solle Gebühren erstatten oder kostenlose Müllsäcke verteilen.

Die Routen sind nicht eingespielt, das Müllaufkommen ist hoch

Dass viele Tonnen laut Pressemitteilung der AWG nun wohl bis Samstag am Straßenrand stehen werden, ist nach Ansicht von WKZ-Leserin Hannelore Ahlborn ein „unzumutbarer Zustand“. Die Presseerklärung hätte die AWG früher ausgeben sollen, findet sie, „damit die Tonnenbesitzer Bescheid gewusst und entsprechend darauf reagiert hätten“. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft bittet die betroffenen Bürger, deren Tonnen nicht am geplanten Termin geleert wurden, die Behälter stehen zu lassen, damit die Abfuhr am Folgetag nachgeholt werden kann. Zwar besteht weiter die Hoffnung, dass der Rückstand bis Samstag eingeholt wird. Es könne aber auch bis Montag dauern, befürchtet AWG-Pressesprecher Dr. Manfred Siglinger. Statt der planmäßigen acht Fahrzeuge hat die Entsorgungsfirma jetzt elf am Start.

Für das Unternehmen aus Ludwigsburg, das im Raum Waiblingen erstmals für die Leerung zuständig ist, kommen mehrere Probleme zusammen: Die Müllwerker kennen die Touren längst nicht so aus dem Effeff wie ihre Vorgänger. Mal geht es um die Frage, von welcher Seite in eine Straße gefahren wird. Oft müssen sie die Standorte der Tonnen überhaupt erst finden. Häufige, oft nur sekundenlange Verzögerungen summieren sich im Laufe des Tages auf. Der Pressesprecher nimmt die Barockstädter in Schutz: „Kein Entsorgungsunternehmen liegt in der ersten Woche in der Sollzeit.“

Dazu kommt: Weihnachten und Silvester sind immer eine abfallreiche Zeit. Verpackungen werden entsorgt, aus den Küchen kommt mehr Biomüll als sonst, manche nutzen die freie Zeit zum Entrümpeln und andere schmeißen ungeliebte Geschenke gleich weg. Das kann dieser Tage jeder an den halb geöffneten, weil bis über den Rand voll gestopften Behältern erkennen. Klar, die Zahl der Tonnen hat sich kaum verändert, aber es spielt außerdem eine Rolle, wie viel Inhalt sich darin befindet. Sind sie voll, ist auch das Fahrzeug schneller gefüllt – und die Arbeiter müssen öfter zur Müllverbrennung nach Stuttgart-Münster fahren. Das kostet richtig viel Zeit.

Und dann ist da noch die Sache mit den Leerungsintervallen. Im Lauf des Jahres 2015 sorgte man sich bei der AWG, die Abstände zwischen der letzten Leerung durch die bisher tätige Firma Schäf und der ersten durch die Nachfolger könnten zu lang werden. Also wurden Termine vorgezogen. Was als gute Tat am Bürger gedacht war, holt die Planer jetzt ein. Denn dadurch haben die Kurz-Mitarbeiter einen weiteren Termin, der abgearbeitet sein will.

Siglinger: „Aus heutiger Sicht würden wir uns für die langen Intervalle entscheiden und damit Bürgerbeschwerden in Kauf nehmen.“

Müllabfuhr-Wechsel nach zehn Jahren

Nach zehn Jahren hatte die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr die Abfuhr des Restmülls, des Biomülls wie auch die Leerung der Gelben Tonnen, die Abholung der Christbäume und die Sperrmüll-Entsorgung für den gesamten Rems-Murr-Kreis neu ausgeschrieben. Dabei ist der Landkreis in drei Vergabelose unterteilt. Diesmal aber erhielt die Firma Schäf aus Murrhardt statt für alle drei nur noch für zwei der Vergabelose den Zuschlag.

Für den Raum Fellbach, Kernen, Korb, Waiblingen und Weinstadt setzte sich in einem Feld von sechs Bewerbern – darunter auch die großen Konzerne der Branche – das Ludwigsburger Unternehmen Kurz durch. Wie zuvor also ein Mittelständler, nur dass Kurz diesmal noch unter dem Angebot von Schäf lag. „Der Unterschied war nicht marginal, aber auch nicht gewaltig“, verrät AWG-Pressesprecher Dr. Manfred Siglinger.

Die Ludwigsburger hätten viel Erfahrung bei der Entsorgung, nicht zuletzt kümmern sie sich seit vielen Jahren um die Leerung im Nachbarkreis. Die regelmäßige Ausschreibung ist Vorschrift und sei überdies im Sinne eines Wettbewerbs.