Waiblingen

Die Martinskirche in Neustadt sollte eigentlich ihre frisch sanierte Turmuhr bekommen - doch dann ging etwas schief

Turmuhr
Die Martinskirche in Neustadt hat seit Ende September 2020 keine Turmuhr mehr – und das bleibt auch noch eine Weile so. © Alexandra Palmizi

Als die Firma Turmuhrenbau Eisenhart an diesem Montag, 9. November, kurz nach 9 Uhr mit ihrem Kranwagen in der engen Straße „Im Unterdorf“ Richtung Martinskirche fährt, ist die Freude groß. Nach fast sechs Wochen soll die evangelische Kirchengemeinde in Waiblingen-Neustadt ihre Turmuhr wieder erhalten. Diese wurde Ende September von der Firma aus dem Landkreis Ludwigsburg wegtransportiert, um den Rost zu entfernen und Ziffern sowie Zeiger wieder frisch zu vergolden.

Es wird gefilmt und fotografiert

Klaus Wangerin, Erster Vorsitzender des Fördervereins „mEinhorn“, ist an diesem Montag ebenso da wie sein Schriftführer Jens Grüter und der evangelische Pfarrer Joachim Bauer. Es wird gefilmt und fotografiert, die Männer der Firma werden herzlich begrüßt. Und dann läuft alles anders als gedacht.

Seit Wochen eingerüstet

Ursprünglich sollte die restaurierte Turmuhr über das Gerüst der Winnender Firma Rienth an ihren Platz zurückgebracht werden. Dieses war an der West- und Ostseite nötig geworden, weil der Sandstein rund um die Turmuhr feine Rillen und Löcher aufwies. Dann wurde allerdings der Plan geändert und die Uhr sollte doch per Kranwagen an ihren alten Platz gebracht werden. So wollte die Kirchengemeinde vermeiden, dass die Uhr auf den letzten Metern doch noch beschädigt wird.

70 Prozent der Kosten trägt die Stadt Waiblingen

Aus dem Grund sind die Kosten auch etwas höher. Rund 10 000 Euro sind fällig, wobei die evangelische Kirchengemeinde Neustadt selbst keinen Cent zahlen muss. 70 Prozent übernimmt die Stadt Waiblingen, den Rest der Förderverein „mEinhorn“, der seit seiner Gründung im Jahr 2007 immer wieder Spenden für Renovierungsprojekte der Kirchengemeinde gesammelt hat.

Uralter Vertrag mit der Stadt

Dass Waiblingen so viel zahlt, liegt an einem uralten Vertrag. Vermögensausscheidungsurkunde nennt sich das Ganze laut Pfarrer Joachim Bauer – und darin ist geregelt, wie viel die Stadt bei Sanierungen für Glocken und Kirchturm aufwenden muss. „In Waiblingen hält man sich noch an die alten Verträge.“

"Das ist alte Handwerkskunst"

Bevor die Uhr mit dem Kran nach oben gebracht wird, posieren Joachim Bauer und Klaus Wangerin vom Förderverein vor der Uhr noch schnell fürs Foto unserer Zeitung. Die Goldfarbe glänzt, alles sieht wie neu aus. 80 Kilo sei das Ziffernblatt schwer, sagt der Pfarrer, da es aus Gusseisen sei. „Das ist alte Handwerkskunst.“ Und dann endlich schwebt die Uhr nach oben Richtung Kirchturm.

Die falsche Uhr 

Kurz nach 9.20 Uhr sind irritierte Gesichter zu sehen. Das Ziffernblatt wird vom Kran wieder gen Boden transportiert. Warum nur? Stimmt was nicht mit dem Kran? Ein Vertreter der Firma Eisenhart sagt schließlich, was los ist: Das Unternehmen hat die falsche Uhr nach Neustadt gebracht – und die passt eben nicht genau.

Zu spät gemerkt

Das haben die Kollegen allerdings erst gemerkt, als sie oben am Turm das Ziffernblatt einsetzen wollten. Der Mitarbeiter erklärt den Vertretern der Kirchengemeinde das Ganze damit, dass bei der Firma gerade zwei Uhren lagern, die restauriert werden müssen – und irrtümlich sei die falsche Uhr fertiggestellt und nach Neustadt gebracht worden. Die richtige Uhr sei dagegen noch in der Firma und auch noch gar nicht fertig.

"Das geht in unsere Geschichte ein"

Pfarrer Joachim Bauer und die Mitglieder des Fördervereins nehmen das Ganze gefasst auf. „Das geht in unsere Geschichte ein“, sagt eine Frau. Klar ist jedenfalls, dass die neue Uhr so schnell nicht kommt. Allerdings ist allen auch klar, dass letztlich kein finanzieller Schaden entstanden ist. Die Uhr der Martinskirche ist ja nicht kaputt oder schlecht restauriert worden – sie wurde nur vertauscht.

Nächstes Sanierungsprojekt steht an

Wenn die Uhr der Martinskirche fertig ist, steht übrigens schon das nächste Projekt an. Nachdem vor vier Jahren für rund 250 000 Euro die mittelalterlichen Wandmalereien im Chor der Kirche restauriert wurden und eine neue Beleuchtung angebracht wurde, sind dieselben Arbeiten nun im Kirchenschiff nötig. Im Frühjahr 2021 wird es laut Pfarrer Joachim Bauer deshalb einen Termin mit dem Landesamt für Denkmalpflege geben.

Falls dann die Behörde für das Vorhaben ein Gutachten verlangt, könnte es länger dauern. Joachim Bauer rechnet mit zwei Jahren, zumal für das Projekt ja auch Spenden gesammelt werden müssen.

Als die Firma Turmuhrenbau Eisenhart an diesem Montag, 9. November, kurz nach 9 Uhr mit ihrem Kranwagen in der engen Straße „Im Unterdorf“ Richtung Martinskirche fährt, ist die Freude groß. Nach fast sechs Wochen soll die evangelische Kirchengemeinde in Waiblingen-Neustadt ihre Turmuhr wieder erhalten. Diese wurde Ende September von der Firma aus dem Landkreis Ludwigsburg wegtransportiert, um den Rost zu entfernen und Ziffern sowie Zeiger wieder frisch zu vergolden.

Es wird gefilmt

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