Waiblingen

Die neuen Eisele-Chefs: Ursachen der Insolvenz und Pläne für den Standort Waiblingen

Eisele GmbH Pneumatic
Johannes Jeitler (links) und Martin Ohneberg am Firmensitz im Gewerbegebiet Eisental. © Benjamin Büttner

Bei Eisele im Eisental ist ein neues Zeitalter angebrochen. Nach der Insolvenz wurden die Waiblinger Spezialisten für Verbindungstechnik von der österreichischen Henn Group übernommen und damit vor noch massiverem Verlust von Arbeitsplätzen bewahrt. Henn-Chef Martin Ohneberg und Johannes Jeitler als Geschäftsführer vor Ort erläutern gegenüber unserer Redaktion, was sie mit Eisele vorhaben und was die Gründe für die Pleite waren.

Johannes Jeitler und Martin Ohneberg sind gleichberechtigte Geschäftsführer bei Eisele. Der Mann für das operative Geschäft und direkter Ansprechpartner vor Ort ist der 41-jährige Österreicher Johannes Jeitler. An der Montanuniversität Leoben hat er Metallurgie und Industriewirtschaft studiert. In verschiedenen verantwortlichen Positionen bei der Voestalpine-Gruppe hat er in Spanien, Portugal, Mexiko und den USA internationale Vertriebserfahrung gesammelt. Wobei die jeweiligen regionalen Einheiten des Technologie- und Industriegüterkonzerns in Größe und Struktur durchaus mit Eisele vergleichbar seien, wie er sagt.

Im Fokus: Die Kunden zuverlässig beliefern

Die Übernahme in der Corona-Zeit stellt eine besondere Herausforderung für alle dar: Termine mit Kunden etwa finden online statt. Dabei gelte es zu vermitteln, „dass wir ein verlässlicher Partner sind und zuverlässig liefern werden“. Das kann nach der Insolvenz nun nicht einfach aus dem Lager geschehen. Der aktuelle Fokus gilt insofern der Produktion, um die Kunden zügig zu beliefern. Von den Kunden bekam er denn auch positives Feedback zur Arbeit von Eisele Pneumatics hinsichtlich Zuverlässigkeit, Flexibilität beim Eingehen auf Kundenwünsche und generell einer guten Belegschaft. Erkennbar sei, dass die Zeit der Ungewissheit Spuren hinterlassen hat – aber eine Mitarbeiterin versichert beim Vor-Ort-Besuch unserer Redaktion gegenüber gleich: „Wir sind wirklich froh, dass es weitergeht.“

In fünf Jahren wurden 20 Millionen investiert

147 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte Eisele Pneumatics vor einem Jahr. Künftig sollen es noch 102 sein, wie im Insolvenzverfahren festgelegt. Grundsätzlich gilt die klare Ansage: „Wir halten am Standort fest.“ Er soll sogar ausgebaut werden. Die Auftragslage sei weiterhin recht günstig. Für die mittel- bis langfristige Zukunft denken die neuen Chefs an zusätzliche Produktionsanlagen und in Sachen Personal auch daran, zu gegebener Zeit das Team zu verstärken. Kurz vor Ablauf der vom Insolvenzverwalter gesetzten Frist konnten die Österreicher außer der Firma in einem sogenannten Asset Deal die Immobilie an der Lise-Meitner-Straße erwerben. Formal ist Eisele Pneumatics nun Geschichte, eine neue Firma namens Eisele GmbH wurde gegründet – ohne das „Pneumatics“ im Namen.

E-Mobilität und Robotik

Martin Ohneberg verspricht sich vom Eisele-Kauf für seine Henn Group, den Kreis der Kunden deutlich zu erweitern. Denn Eisele hat etwas, was Henn bisher nicht oder nicht in diesem Maße hatte: Kunden außerhalb der Automobilbranche – etwa in den Bereichen Lebensmittel („Food and Beverage“), alternative Energien, E-Mobilität und Robotik. Eisele bringt zudem Know-how und Technologien ein, die Henn so bislang nicht hatte: Außer Edelstahl-, Alu- und Messing- Verbindungen könnten die Waiblinger in Zukunft Verbindungen aus Kunststoff sowie Kunststoff-Metall-Hybrid-Verbindungen anbieten. Henn stellt Verbindungen größer als zwölf Millimeter her, Eisele kann auch kleinere Durchmesser. Die Neuerwerbung hat also das Potenzial, den Aktionsradius der Österreicher maßgeblich zu erweitern, wie ein passender Baustein, der zur Ergänzung gefehlt hat – oder in Worten von Martin Ohneberg: „Das ist super komplementär.“

Die Sache mit dem Führungsstil

Eisele Pneumatics war überschuldet und ging in Insolvenz. Die neue Eisele GmbH ist mit frischem Eigenkapital ausgestattet, so dass sich laut Martin Ohneberg niemand Sorgen machen muss, sein Gehalt nicht ausgezahlt zu bekommen. Aber was ist schiefgelaufen bei Eisele Pneumatics? In den letzten fünf Jahren wurde viel investiert, rund 20 Millionen Euro – nicht zuletzt in den neuen Standort im Eisental. Das an sich war kein Fehler, meint Martin Ohneberg, denn: „Die Hoffnung war berechtigt.“

Doch der Markt wuchs nicht wie erwartet, stattdessen kamen Entwicklungen, die den Expansionskurs in Schieflage brachten: Sanktionen zwischen den USA und China, das Schwächeln der Autobranche – und als „Genickbruch“ die Corona-Pandemie. Derweil griffen die Bemühungen, in den USA und Asien Fuß zu fassen, nicht richtig.

Eine Rolle spielte nach Einschätzung von Johannes Jeitler und Martin Ohneberg auch der Führungsstil im Haus. Sie wollen mehr auf Eigenverantwortung der Akteure setzen, die (Informations-)Fäden sollen nicht nur an der Spitze zusammenlaufen.

Bei Eisele im Eisental ist ein neues Zeitalter angebrochen. Nach der Insolvenz wurden die Waiblinger Spezialisten für Verbindungstechnik von der österreichischen Henn Group übernommen und damit vor noch massiverem Verlust von Arbeitsplätzen bewahrt. Henn-Chef Martin Ohneberg und Johannes Jeitler als Geschäftsführer vor Ort erläutern gegenüber unserer Redaktion, was sie mit Eisele vorhaben und was die Gründe für die Pleite waren.

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