Waiblingen

Die Tricks der Langfinger: So schützen Sie sich

Diebstahl
Der Klassiker: Taschendiebe achten darauf, wem gleich die Augen zufallen. Dann heißt es nur noch: Warten. © Lucky Images / Fotolia

Waiblingen. Ein müder Mensch nickt in der S-Bahn ein. Hernach fühlt er sich frischer – und pennt nie wieder öffentlich: Handy weg, Geldbeutel weg, Kreditkarte weg. In S-Bahnen, Zügen und an Bahnhöfen klauen Diebe dreist im Team. Nicht nur Schlafenden greifen sie in die Taschen. Sie täuschen und tricksen – und entkommen sehr oft unerkannt.

Zwar verzeichnet das Innenministerium bei Taschen- und Trickdiebstählen einen Rückgang der Fallzahlen im Jahr 2016. Allerdings registrierte die Polizei in den drei Jahren davor einen deutlichen Anstieg in diesem Segment.

Diebe ziehen gern durch Züge und S-Bahnen, weil sie dort an jede Menge teure Smartphones und Geldbeutel herankommen. Angetrunkene Schlafende gelten als perfekte Opfer. Tragen sie Kopfhörer im Ohr, umso besser: Die Stöpsel lassen Rückschlüsse auf die Handymarke zu, und der Dieb kann das Smartphone direkt am Kabel aus der Tasche des schnarchenden Besitzers ziehen.

Verschiedenste Tricks

Arbeiten mehrere Schurken im Team zusammen, kommen die verschiedensten Tricks zum Einsatz. Einer lenkt jemanden ab, der andere greift zu. Oder die Ganoven begeben sich gezielt ins Gedränge, etwa beim Ein- und Aussteigen oder an der Rolltreppe. Während viele Leute dicht an dicht stehen, fällt ein Diebstahl nicht so auf. Dreiste Diebe reißen gar jemandem, der in der noch offenen S-Bahn-Tür steht und telefoniert, just im Moment, da sich die Türen schließen, das Handy weg. Oder ein Gauner verursacht oben an einer Rolltreppe einen Stau, sein Kumpel rempelt die Person dahinter an – und erst viel später merkt das Opfer, was fehlt. Oder ein Trickdieb bittet um Hilfe, faltet umständlich einen Stadtplan auf – derweil erledigt sein Kumpel den Job. Vom Klopftrick wird zuweilen noch berichtet: Jemand klopft auffällig ans Fenster einer S-Bahn, alle schauen – das reicht schon.

Fahrgäste handeln leichtsinnig

Diebe müssen oftmals gar keine derart aufwendigen Spielchen inszenieren. Fahrgäste lassen den Koffer kurz unbeaufsichtigt am Bahnhof stehen, Zugreisende hängen arglos die Jacke im Zug samt Inhalt an den Haken, S-Bahn-Fahrer lassen ein teures Tablet oder den hochwertigen Laptop kurz liegen: ein gefundenes Fressen für Zeitgenossen, die genau darauf lauern.

Die Geldbörse hinten in der Hosentasche zu tragen – das hält Daniel Kroh „fast schon für Leichtsinn“. Der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart verweist auf einen aktuellen Fall: Am Donnerstag hat die Polizei in Stuttgart einen Mann erwischt, der seinem Opfer den Geldbeutel aus der Hosentasche ziehen wollte.

Speziell ausgebildete Zivilfahnder im Einsatz

Meistens entkommen die Täter unerkannt. Laut Innenministerium lag die Aufklärungsquote bei Taschendiebstählen im Jahr 2016 bei neun Prozent, im Jahr davor bei 7,4 Prozent.

Die Bundespolizei setzt auf Bahnhöfen und in Zügen speziell ausgebildete Zivilfahnder ein, berichtet Daniel Kroh. Diese Beamten haben ein Auge dafür, wer einen Diebstahl planen könnte. Greift derjenige tatsächlich zu – folgt die Festnahme, und im Polizeibericht heißt es dann oft: „Der Mann wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen auf freien Fuß gesetzt.“

Ob jemand stattdessen in Haft kommt, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Es spielen viele Faktoren eine Rolle: Ist jemand wohnsitzlos, hat er bereits Vorstrafen, welche Art von Tat wird ihm vorgeworfen, besteht Fluchtgefahr? Ein aus juristischer Sicht einfacher Diebstahl allein reicht nicht, um jemanden länger festzuhalten.

Bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe für Diebstahl

Was unter „polizeilichen Maßnahmen“ zu verstehen ist, erläutert Daniel Kroh: Natürlich werden die Personalien geprüft, und die Polizei checkt ab, ob die betreffende Person schon mal aufgefallen ist. Eventuell nehmen die Beamten Fingerabdrücke und fotografieren den mutmaßlichen Täter. Es folgt ein Anruf bei der Staatsanwaltschaft zwecks Klärung der Frage: Dabehalten oder laufen lassen? Für Diebstahl sieht das Strafgesetzbuch Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor – eine Riesenbandbreite also. Oder aber das Verfahren wird eingestellt und der Dieb kommt ungeschoren davon.

Aufklärungsquote: Neun Prozent

Stecken ec-Karte und Kreditkarte im Geldbeutel, droht bei Diebstahl Mehrfachärger. Leichtsinnigerweise schreiben offenbar noch immer manche Bürger den PIN für die Bankkarte auf einen Zettel - und stecken den Zettel in den Geldbeutel. Diebe werden nicht zögern, das großzügige Geschenk bis zum Anschlag auszukosten.

Eine als Telefonnummer getarnte PIN erkennen Diebe als solche. Die Idee ist nicht so ganz neu.

Bei Diebstahl empfiehlt sich natürlich, sofort, die Karte sperren zu lassen. Die kostenfreie Sperr-Notruf-Nummer im Inland lautet: 116 116.

Das Innenministerium hat erst vor wenigen Tagen die Kriminalstatistik fürs Jahr 2016 vorgestellt. Demnach machen Diebstahlsdelikte mit 213 022 Fällen rund ein Drittel aller Straftaten aus.

Die Zahl der Taschendiebstähle ging im Land laut Innenministerium um 11,6 Prozent zurück. Im Jahr 2016 wurden in Baden-Württemberg 9861 Taschendiebstähle gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Trickdiebstähle lag im Jahr 2016 bei 1749. Das entspricht einem Rückgang von 14,3 Prozent.

Die Aufklärungsquote lag 2016 bei Taschendiebstählen bei neun Prozent, im Jahr davor bei 7,4 Prozent. Laut Innenministerium wurden 11,1 Prozent der Trickdiebstähle aufgeklärt. 2015 waren es 12,8 Prozent.