Waiblingen

Die Ukrainerin Olga Aleyt aus Hegnach sucht Wohnung für Freundin aus Kiew

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Olga Aleyt (36) wohnt mit ihrer Familie in Hegnach und ist vor 18 Jahren aus Kiew nach Deutschland gekommen. Seit der Nacht auf Mittwoch wohnt eine alte Studienfreundin mit ihrem fünfjährigen Sohn bei ihr, die wegen des Kriegs in der Ukraine fliehen musste. © ZVW/Gabriel Habermann

Olga Aleyt (36) aus Hegnach hätte nicht damit gerechnet, dass der russische Präsident Putin wirklich ihre alte Heimat angreifen lässt. „Ich habe selbst fünf Tage gebraucht, bis ich es realisiert habe“, sagt die zweifache Mutter, die aus Kiew stammt und vor 18 Jahren von der Ukraine nach Deutschland gekommen ist. Nach dem ersten Schock hat Olga Aleyt den Entschluss gefasst zu helfen – und zwar zunächst mal drei alten Freundinnen.

„Man hat Bomben gehört und dass geschossen wurde“

Eine Studienfreundin aus Kiew ist in der Nacht auf Mittwoch mit dem Zug über Berlin nach Stuttgart gereist. Sie stieg im polnischen Warschau ein, wohin sie sich zuvor mit ihrem fünfjährigen Sohn durchgeschlagen hatte. Sie verließ laut Olga Aleyt Kiew erst relativ spät, am zehnten Tag des russischen Angriffs. „Es wurde immer schlechter mit der Versorgung.“ Mit dem Zug sei die alte Freundin geflohen, mit dem Auto sei es nicht mehr möglich gewesen. Die Situation am Bahnhof schilderte Olga Aleyts Freundin als beängstigend. „Man hat Bomben gehört und dass geschossen wurde.“

Zurzeit wohnen sie alle zu sechst in einer Drei-Zimmer-Wohnung

Die alte Studienfreundin wohnt seit ihrer Ankunft in Baden-Württemberg mit ihrem Sohn erst mal in der Drei-Zimmer-Wohnung von Olga Aleyt und ihrem Mann. Da das Hegnacher Paar selbst zwei Kinder hat, leben sie dort nun vorübergehend zu sechst.

Olga Aleyt hat allerdings schon längst angefangen, eine kleine Wohnung oder wenigstens ein Zimmer für ihre Freundin und deren Sohn zu suchen. Sie hat zwar mittlerweile über den Chor ihres Mannes ein Angebot aus Bietigheim im Landkreis Ludwigsburg, aber der dortige Vermieter spricht kein Ukrainisch, sondern nur Englisch.

Ideal wäre eine Bleibe in Hegnach

Olga Aleyt befürchtet, dass ihre Freundin mit ihren bisherigen Englischkenntnissen dort nur schwer zurechtkommt. Außerdem ist Hegnach eben doch ein Stück entfernt von Bietigheim – und Olga Aleyt würde der alten Freundin gerne erst mal beistehen können. Das geht in unmittelbarer Nachbarschaft leichter. Ihr Wunsch wäre es daher, eine Bleibe in Hegnach zu finden – vielleicht auch in Untermiete bei einer alleinstehenden älteren Frau, die sich über die Gesellschaft einer Mutter und eines Kindes freut.

Olga Aleyt hat sich in dem Zusammenhang auch gefragt, ob es bei der Stadt Waiblingen eigentlich eine Anlaufstelle für Menschen gibt, die eine Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine suchen. Auch fragt sie sich, wohin sich eigentlich Leute wenden sollen, die selbst eine Wohnung anbieten wollen oder die einfach nur anderweitig helfen möchten. Olga Aleyt würde mit ihren Ukrainischkenntnissen gerne ihren Teil beitragen – und auch ihre alte Studienfreundin habe spontan ihre Bereitschaft erklärt. „Gerne kann sich die Stadt an mich wenden als Ansprechpartner.“

Die Stadt Waiblingen ist bei der Hilfe für die Flüchtlinge bereits aktiv

In den vergangenen Tagen hat die Stadt Waiblingen bereits von Menschen Rückmeldungen erhalten, die bereit wären, Flüchtlingen aus der Ukraine eine Wohnung anzubieten. OB Andreas Hesky hatte schon am 2. März öffentlich dazu aufgerufen, sich bei ihm zu melden. „Wenn Sie Wohnraum zur Verfügung stellen können, bitte ich Sie, sich mit den entsprechenden Informationen direkt per E-Mail an mich zu wenden: oberbuergermeister@waiblingen.de“, schrieb der Oberbürgermeister.

Auch das Netzwerk Asyl Waiblingen, das bereits 2015 vielen Geflüchteten aus Syrien half, soll nun wieder aktiv werden. Wer ehrenamtlich Menschen aus der Ukraine helfen will, soll sich bei der Kooperationsstelle Netzwerk Asyl Waiblingen melden – und zwar unter ute.ortolf@waiblingen.de oder per Telefon unter 0 71 51/50 01-23 30.

Kleidung für Schulfreundin, deren drei Kinder und deren Mutter gesammelt

Olga Aleyt hat nicht nur einer Freundin aus der Ukraine geholfen. Eine alte Schulfreundin aus Kiew floh mit ihrer Mutter und ihren drei Kindern vor dem Krieg, sie lebt mittlerweile in Wangen im Allgäu. Sie verließ die Ukraine schon am ersten Tag des Krieges. So, sagt Olga Aleyt, habe sie noch mit dem Auto das Land verlassen können. Um ihre alte Schulfreundin zu unterstützen, organisierte Olga Aleyt kurzerhand einen privaten Spendenaufruf über eine Whatsapp-Gruppe. Auf diese Weise, sagt die 36-Jährige, seien schnell viele Kleiderspenden zusammengekommen. Was allerdings auch gebraucht werde, seien einfach Geld für Essen oder länger haltbare Lebensmittel wie Nudeln.

Die dritte Freundin, die gerade Olga Aleyt um Hilfe bittet, wurde vom Angriffskrieg des russischen Präsidenten auf ihr Heimatland während ihres Urlaubs in der Karibik überrascht. Sie befand sich in der Dominikanischen Republik, konnte aber nicht in die Ukraine zurückfliegen. Die holländische Fluggesellschaft KLM brachte sie schließlich in die Niederlande, wo sie bei einer Bekannten einer Bekannten untergekommen sei, erzählt Olga Aleyt. Die Mutter ihrer Freundin sei mit der Schwester mittlerweile in Polen – der 55-jährige Vater jedoch wolle trotz seines Alters in der Ukraine gegen die russischen Soldaten kämpfen.

Olga Aleyt versucht nun, ihrer Freundin zu helfen, aus den Niederlanden nach Deutschland zu kommen. Sie könnte sich vorstellen, dass diese gut für die Wohnung in Bietigheim infrage kommen könnte, die sie über den Chor ihres Mannes angeboten bekam. „Sie spricht gut Englisch.“

Auch die evangelische Kirchengemeinde Hegnach unterstützt bei der Suche

Was die Wohnungssuche für ihre alte Studienfreundin und deren fünfjährigem Sohn in Hegnach angeht, hat Olga Aleyt bereits Kontakt mit der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde aufgenommen. Diese, sagt sie, habe nun ihre Mitglieder per Mail über die Wohnungssuche informiert. Wer diesen Artikel nun liest und ein Zimmer oder eine Wohnung anbieten könnte, soll sich laut Olga Aleyt am besten unter der Mailadresse oberbuergermeister@waiblingen.de bei OB Andreas Hesky melden – denn so behält die Stadt den Überblick.

Olga Aleyt (36) aus Hegnach hätte nicht damit gerechnet, dass der russische Präsident Putin wirklich ihre alte Heimat angreifen lässt. „Ich habe selbst fünf Tage gebraucht, bis ich es realisiert habe“, sagt die zweifache Mutter, die aus Kiew stammt und vor 18 Jahren von der Ukraine nach Deutschland gekommen ist. Nach dem ersten Schock hat Olga Aleyt den Entschluss gefasst zu helfen – und zwar zunächst mal drei alten Freundinnen.

„Man hat Bomben gehört und dass geschossen

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