Waiblingen

Die Verkehrsstatistik 2016

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen/Aalen. Aggressives Verhalten im Straßenverkehr fällt kaum noch auf – weil es an der Tagesordnung ist. Dasselbe gilt für Handy-Getippe am Steuer. Diesen Verstößen widmet die Polizei extra Aufmerksamkeit. Polizeichef Roland Eisele: „Man könnte noch mehr machen. Aber es ist alles eine Frage des verfügbaren Personals.“

Einen Handyverstoß zu ahnden, das kostet Zeit. Ein Polizist beobachtet, ein zweiter hält das entsprechende Auto ein Stück entfernt an. Solche Kontrollen bilden einen „Schwerpunkt“ bei der Polizei, sagte Polizeichef Roland Eisele bei der Präsentation der Statistik 2016 am Dienstag in Aalen.

Was heißt unaufmerksam?

In Unfallberichten heißt es oft, „Unaufmerksamkeit“ sei der Grund für einen Unfall gewesen. Wie oft ein Handy im Spiel war, ist nicht im Einzelnen erfasst; so ganz selten dürfte das nicht der Fall sein. Bei Kontrollen hat die Polizei 2017 deutlich mehr Verstöße gegen das Benutzungsverbot von Handys festgestellt als im Jahr davor.

Tendenz steigend

Was ebenfalls oft vorkommt, sind Verstöße gegen die Gurtpflicht. Auch hier war die Tendenz steigend. Seit 1976 müssen Verkehrsteilnehmer einen Gurt anlegen. Eine zum Teil tief verwurzelte Aversion gegen den Lebensretter scheint noch heute das Verhalten vieler zu lenken. In den 70er Jahren hatte das Verkehrsministerium eine Studie in Auftrag gegeben, um den Beweggründen der Gurtmuffel auf den Grund zu gehen. Mit solch tief verwurzeltem Widerstand hatten selbst Pessimisten nicht gerechnet. Einige Befragte bekannten sich klar zur Bereitschaft für Kampf mit harten Mitteln gegen die Gurtpflicht.

Minimal mehr Unfälle als 2015

Was die Unfallzahlen angeht, liegt die 2016er-Statistik weitgehend im Landestrend. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen, also im Ostalb- und Rems-Murr-Kreis sowie in Schwäbisch Hall, gab’s im vergangenen Jahr minimal mehr Unfälle als 2015. Im Rems-Murr-Kreis sind 2016 fast genauso viele Unfälle passiert wie ein Jahr davor.

Deutlich mehr Unfälle mit Senioren

Auffällig ist, dass es im Rems-Murr-Kreis deutlich mehr Unfälle gegeben hat, an denen Senioren beteiligt waren. Ältere sind am Unfallgeschehen laut Polizei „überproportional“ als Unfallverursacher beteiligt.

Immer wieder mal kocht eine Diskussion darüber hoch, ob Senioren ab einem bestimmten Alter verpflichtend an Tests teilnehmen sollten. Die Reaktionen seitens Interessenverbänden Älterer sowie des ADAC klingen stets ähnlich: Eine Pflicht ginge zu weit, zumal nicht alle 65- oder 70-Jährigen gleich fit oder nicht fit sind. Der in schöner Regelmäßigkeit wiederholte Appell lautet: Senioren sollten freiwillig regelmäßig Seh- und Hörtests absolvieren und sich Fahreignungstests unterziehen.

Risiko bei jungen Fahrern

Für junge Fahrer ist man geneigt, dasselbe zu fordern. Die Personengruppe der 18- bis 24-Jährigen steht laut Polizei „im besonderen Fokus der Unfallauswertung. Mangelnde Fahrpraxis, nicht selten gepaart mit einer erhöhten Risikobereitschaft, führt des Öfteren zu einer überproportional höheren Beteiligung an Verkehrsunfällen“. Im Rems-Murr-Kreis hat sich die Zahl der Unfälle mit jungen Fahrern rückläufig entwickelt. Zu hohe Geschwindigkeit ist deutlich häufiger Unfallursache, wenn Fahranfänger am Steuer sitzen.

Motorradunfälle bei Älteren

Unerfahrenheit und Ungeübtheit nennt Kriminaldirektor Ottmar Kroll als Gründe, die oftmals zu Motorradunfällen Älterer führen. Wer sich als Senior ein schweres Motorrad zulegt und lange nicht gefahren ist, sollte es langsam angehen. Dasselbe gilt für Pedelec-Fahrer. Kroll empfiehlt ungeübten Pedelec-Fahrern, sich vor dem Start so weit zu ertüchtigen, dass unfallfreier Stand auf einem Bein gelingt. Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern ist 2016 fast gleich geblieben. Doch es sind im vergangenen Jahr mehr Motorradfahrer verunglückt als im Jahr davor.

Zu schnell unterwegs

Bei sechs Unfällen sind im Jahr 2016 sieben Menschen ums Leben gekommen. Bei fast zwei Drittel aller tödlichen Unfälle ist zu hohe Geschwindigkeit die Ursache.

Wegen der besonderen Umstände und des jungen Alters der Verstorbenen richtete sich im Kreis die Aufmerksamkeit ganz besonders auf den tödlichen Unfall am 28. September bei Seiboldsweiler. Eine Fahranfängerin steuerte einen mit acht Personen völlig überladenen Polo. Das Auto kam von der Straße ab, überschlug sich und blieb in einem Maisfeld liegen. Zwei 18-Jährige überlebten den Unfall nicht. Beide waren den Erkenntnissen der Polizei zufolge nicht angegurtet gewesen.

Zwischen Kapf und Vordersteinenberg starb ein 24-jähriger Motorradfahrer Ende April 2016 bei einem Unfall. Ein 57-jähriger Rennradfahrer stürzte Ende Mai auf einem Radweg zwischen Breitenfürst und Haghof. Obwohl er einen Helm getragen hatte, erlitt der Mann schwerste Kopfverletzungen und starb.


Unfallfluchten, Fußball, Transporte

Der Rems-Murr-Kreis liegt mit weitem Abstand vorn in einem unrühmlichen Feld: 2453 Unfallfluchten registrierte die Polizei im Jahr 2016. Im Ostalbkreis waren es knapp 900 weniger, im Landkreis Schwäbisch Hall sogar rund 1600 weniger. Etwas mehr als ein Drittel der Fälle konnte die Polizei präsidiumsweit aufklären. Viel höher liegt der Anteil, wenn Menschen bei einem Unfall schwere Verletzungen erlitten haben und ein Beteiligter sich aus dem Staub gemacht hat. Auf fast zwei Drittel beläuft sich die Aufklärungsquote in diesen Fällen.

Fußball bindet Polizeikräfte

Die SG Sonnenhof-Großaspach und der VfR Aalen halten die Polizei zusätzlich auf Trab. Die beiden Fußballvereine tragen Spiele im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen aus, und es geht dabei nicht immer friedlich zu. Zwei Spiele waren im vergangenen Jahr in die Kategorie „hohes Risiko“ eingeordnet, 13 Spiele galten als riskant. Solche Klassifizierungen wirken sich natürlich auf den Einsatzplan der Polizei aus. Bei 41 Bundesliga- und Freundschaftsspielen waren 3356 Beamte im Einsatz, heißt es in der Jahresstatistik 2016.

Aufwendig: Schwertransporte

Allerorten wird der Überstundenberg der Polizei beklagt. Gewisse ungeliebte, zeitintensive Aufgaben bleiben aber erhalten. Die Begleitung von Großraum- und Schwertransporten zählt dazu. 1590 solche Transporte hatte das Polizeipräsidium Aalen im vergangenen Jahr zu begleiten. 4532 Beamte waren insgesamt mit dieser Aufgabe betraut.

Betrunkene Fahrer

Bei tödlichen Unfällen ist laut Polizei Alkohol eine der Hauptursachen.

15 Menschen sind 2016 im Rems-Murr-Kreis bei Unfällen, bei denen Alkohol im Spiel war, schwer verletzt worden.

469 Führerscheine sind 2016 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung einbehalten worden.

Von absoluter Fahruntüchtigkeit ist laut Polizei ab einer Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille auszugehen. Bei Radfahrern liegt der Grenzwert bei 1,6 Promille.

Neun Unfälle hat die Polizei im Kreis gezählt, bei denen Beteiligte unter Drogeneinfluss standen.