Waiblingen

Die Weinbergquitte kommt

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Sie haben zehn Weinbergquitten in den Strümpfelbacher Weinbergen angepflanzt (von links): Die Wengerter Eberhard Heubach, Werner Kuhnle, Andreas Idler, Daniel Kuhnle und Helmut Schmid. © Eva Hopfgarten (Online-Praktikant)

Weinstadt-Strümpfelbach. Sie geben der Weinbergquitte wieder eine Chance: Die Wengerter Eberhard Heubach, Werner Kuhnle, Andreas Idler, Daniel Kuhnle, Michael Ritter und Helmut Schmid haben auf ihren Rebflächen zehn Bäume gepflanzt. So soll die Artenvielfalt steigen. Gefördert wird das Ganze von der Umweltakademie Baden-Württemberg.

Werner Kuhnle ist ein umtriebiger Mensch. Darum lässt er sich seit langem von der Umweltakademie des Landes per E-Mail informieren, was diese gerade für Aktionen plant. Und als er von deren Leiter Claus-Peter Hutter erfuhr, dass in diesem Jahr der Anbau von Weinbergquitten und Mandelbäumen in württembergischen Weinbaugebieten gefördert wird, schlug Werner Kuhnle sofort zu. Für ihn war schnell klar, dass er sich aufs Anpflanzen der Weinbergquitte konzentrieren wird. „Daraus können unsere Frauen Gelee, Gsälz und Schnäpsle machen“, sagt er. Mandelbäume seien dafür weniger geeignet. Bei aller Liebe für die Natur denkt Werner Kuhnle bei der Aktion natürlich auch an die Vermarktbarkeit. Schließlich sollen die Strümpfelbacher Wengerter von den Weinbergquitten auch profitieren. „Wir sind ja Schwaben“, sagt er und lächelt.

Im Rahmen der Rebflurbereinigung mussten die Bäume verschwinden

Für diese Idee hat Werner Kuhnle in Strümpfelbach einige Mitstreiter gefunden. Mit dabei sind sein Sohn Daniel Kuhnle, Andreas Idler, Helmut Schmid, Michael Ritter und Eberhard Heubach, der erste Vorsitzende der örtlichen Weingärtnergenossenschaft. Vor einigen Wochen haben sie zehn Weinbergquitten auf ihren Rebflächen gepflanzt – und zwar im Nonnenberg sowie in der Gastenklinge. Natürlich an Stellen, an denen die Bäume bei der Bewirtschaftung nicht allzu sehr stören. Das war übrigens auch der Hauptgrund, warum Gehölze wie die Weinbergquitte, die Zwetschge, die Mirabelle oder der Weinbergpfirsich im Rahmen der Rebflurbereinigung Ende der 60er Jahre verschwinden mussten. „Da ist man rigoros mit der Natur umgegangen“, bedauert Werner Kuhnle. Wobei dieses Vorgehen laut Helmut Schmid auch den damaligen technischen Möglichkeiten geschuldet war. „Früher hat man mit dem Seilzug geschafft, da musste alles eben sein.“ Heute sei es dagegen leichter, Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen – was auch den modernen Maschinen zu verdanken sei.

Die Weinbergquitten sind nur ein weiterer logischer Schritt auf dem Weg, die heimischen Wengert attraktiver zu machen. Darum können auch schon seit vielen Jahren die Leute während des ganzen Jahres durch die Weinberge wandern. Früher undenkbar, heute völlig normal. „Man hat erkannt, dass Spaziergänger auch Kunden sind“, sagt Eberhard Heubach.

Die Wengerter haben die zehn Weinbergquitten übrigens umsonst erhalten. Sie mussten sie lediglich anpflanzen. Werner Kuhnle hofft, dass künftigen Spaziergängern bei den Strümpfelbacher Weinbergen nicht mehr nur die Nuss’schen Skulpturen in Erinnerung bleiben, sondern eben auch die Weinbergquitten. Nebenbei freut es ihn besonders, dass durch die Aktion auch der Gemeinschaftsgeist der örtlichen Wengerter weiter gestärkt wurde. Wobei Werner Kuhnle zugibt, dass ohne die Idee von Claus-Peter Hutter, dem Leiter der Umweltakademie, aus allem nichts geworden wäre. „Der Dr. Hutter ist sehr rührig.“

Mehr als 100

Weingüter und Genossenschaften aus Nordwürttemberg haben in diesem Jahr auf Initiative der Umweltakademie mehr als 100 Weinbergquitten und Dürkheimer Krachmandeln in heimischen Weinbergen gepflanzt.