Waiblingen

Die Zukunft von Lebensmittel Hezel

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Dass die Obst- und Gemüseabteilung von Gemüse-Staiger gut bestückt ist, freut Thomas Hezel. © Steinemann
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Auch die Baustelle vor der Haustür macht Thomas Hezel zu schaffen. © Pöschko-Kopp / ZVW

Beinstein. Kleine Lebensmittelmärkte haben es schwer, sich gegen Aldi, Lidl und Co zu behaupten. Eine besonders schwere Phase macht derzeit allerdings der Lebensmittelmarkt Hezel in Beinstein durch. Das Aus mit Zulieferer Rewe, ein Herzinfarkt des Inhabers und die Riesenbaustelle vor der Haustür schnüren die Luft ab. Nun steigt Sohn Thomas Hezel ein. Die Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet, ist groß.

Video: Thomas Hezel über die geplante Umstellung

Halbleere Regale, auch die Kühltheke kaum noch gefüllt: Der Lebensmittelmarkt Hezel in der Beinsteiner Mitte wirkt auf Kunden derzeit ziemlich verstörend. Viele fragen sich bang: Wie geht es weiter mit unserem Lebensmittelgeschäft in Beinstein? Und hat es überhaupt eine Zukunft?

Seit Juli ist Sohn Thomas wieder in Beinstein

Ja, sagt Thomas Hezel (36). Seit Juli ist der Sohn des Inhabers und gelernte Einzelhandelskaufmann in das Geschäft seines Vaters Eberhard Hezel zurückgekehrt. Bis dahin war Thomas Hezel viereinhalb Jahre lang Marktleiter eines kleinen Edeka-Geschäfts auf dem Stuttgarter Killesberg. Anfang Juli hatte sein Vater einen Herzinfarkt, wohl auch aufgrund von Stress und Überlastung, wie Thomas Hezel vermutet. Derzeit ist Eberhard Hezel in der Reha. Die von Rewe vorgegebenen Preise für die Rewe-Eigenmarke seien so niedrig gewesen, dass sich die Gewinn-Marge für den kleinen Hezel-Laden nicht mehr rentiert habe. „Es hätte keinen Sinn gehabt, die Artikel noch in die Regale zu stellen“, resümiert Thomas Hezel, der aber Verständnis für diese Preispolitik hat: „Der Markt ist, wie er ist. Aber für uns war es halt nichts mehr.“

Inzwischen hat Eberhard Hezel Kontakt mit der Lebensmittel-Großhandlung Okle aufgenommen. Im Moment beliefert diese den Beinsteiner Lebensmittelhändler noch auf Vorauskasse. In Kürze soll der Vertrag unterschrieben werden, und vor allem soll wieder mehr Ware in die Regale kommen, sagt Thomas Hezel. Läuft alles wie geplant, soll aus dem „Nahkauf Hezel“ der „Landmarkt Hezel“ werden. Im Januar soll dann auch der Generationenwechsel vollzogen sein: „Mein Vater wird sich zurückziehen, und ich werde das Geschäft übernehmen“, kündigt der 36-Jährige an. Bis dahin wolle er sich in Beinstein einfinden.

Ein weiteres Problem ist die Baustelle vor dem Lebensmittelmarkt

Ein ganz anderes Problem für Hezel ist die derzeitige Baustelle in der Beinsteiner Mitte. Lange geplant, von vielen erwartet, kommt sie für den Lebensmittler zur Unzeit. Wie berichtet, wird der Beinsteiner Ortskern umgestaltet, inklusive neuer Bushaltestellen und neuem Belag. Von einer unseligen Spirale spricht Einzelhändler Hezel: „Die Baustelle, der Herzinfarkt, alles kommt zusammen ...“ Traurig sei er angesichts der halbleeren Regale: „Ich bin ja in dem Laden aufgewachsen.“

Gleichwohl ist er voller Hoffnung, das 400 Quadratmeter große Lebensmittelgeschäft zukunftsfähig machen zu können. Außer ihm und seinem Vater arbeiten dort derzeit eine feste Kraft und vier Aushilfskräfte. „Jeder Tag ist anders, aber mein Herz hängt daran, sonst wäre ich nicht wieder da.“ Der von ihm geführte Edeka-Markt am Killesberg sei sogar noch kleiner gewesen, aber gut gelaufen.

Um die Zukunft des Beinsteiner Lebensmittelmarktes zu sichern, sollen die Öffnungszeiten ausgedehnt werden. Morgens will Hezel früher öffnen, bisher öffnet der Laden um 8.30 Uhr. Außerdem soll das Geschäft von einem Okle-Ladenplaner unter die Lupe genommen und entsprechend umgestaltet werden. „Es steht und fällt aber alles mit der Kundschaft“, weiß der Einzelhändler. In Beinstein setzt Thomas Hezel weiterhin auf seine Stammkunden, von denen er immer wieder gefragt werde, wie es weitergehen solle. „Ihnen sage ich, wir wollen mit Okle weitermachen.“

104 Jahre Hezel

2012 feierte die Firma Hezel ihr 100-jähriges Bestehen. Gründerin war Karoline Hezel, die Großmutter des heutigen Inhabers Eberhard Hezel. 1912 kaufte sie ein Haus an der Rathausstraße in Beinstein und eröffnete ein Kolonialwarengeschäft. Anfangs war das Geschäft in einem einzigen Zimmer untergebracht, später wurde um einen Raum erweitert. Die Familie lebte im selben Haus. „Nähzeug, Wolle, Nägel, Lebensmittel“: Beim Jubiläum erinnerte sich Eberhard Hezel, Jahrgang 1955, noch gut an den Laden, in dem er aufgewachsen ist und in dem er, wie er sagte, „auf dem Salzfass groß geworden“ ist. Nun steht wieder ein Generationenwechsel an. Sohn Thomas übernimmt.