Waiblingen

Diesel-Verkäufe brechen ein

Eine Frage der Flexibilität - Junge Gebrauchte und Neuwagen
Bei Neuwagen ist die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen stark eingebrochen. Viele Händler hocken jedoch auch auf ihren gebrauchten Diesel. © Andrea Warnecke/dpa

Waiblingen. Immer mehr Autofahrer lassen ihre Finger vom Diesel. Im Januar sind im Rems-Murr-Kreis rund 20 Prozent weniger Diesel-Pkw neu zugelassen worden als im Vorjahr. Der Bestand an Dieselfahrzeugen sank leicht auf unter 80 000 Fahrzeuge.

Wie die Kfz-Innung mitteilt, boomten im Januar bundesweit die Neuzulassungen. Dem Plus von 11,6 Prozent bei neuen Autos stand ein Minus von 17,6 Prozent beim Diesel gegenüber. Im Rems-Murr-Kreis lief das Geschäft mit Neuwagen nicht so flott und es wurden nur 0,9 Prozent mehr Pkw zugelassen, nämlich 1339 Neuwagen. Die Dieselmotoren in den Neuwagen gingen dabei um 20,7 Prozent zurück, also stärker als im Bund. War einst jeder zweite Neuwagen ein Diesel, so liegt der Anteil heute unter einem Drittel, bei 28,5 Prozent.

79 954 Diesel-Pkw aktuell im Rems-Murr-Kreis

Bei den Besitzumschreibungen gab’s laut Kfz-Innung mit 0,5 Prozent nur einen Mini-Zuwachs. Die Nachfrage nach gebrauchten Dieseln ist im Rems-Murr-Kreis aber wieder leicht gestiegen: plus 1,6 Prozent. Der Dieselbestand im Kreis nahm nach den Daten der Zulassungsstelle des Landratsamtes um 943 Pkw oder 1,2 Prozent ab.

79 954 Diesel-Pkw gibt es jetzt laut Zulassungsstelle noch im Rems-Murr-Kreis. Wie viele davon die Schadstoffklasse Euro 5 und schlechter haben, weiß keiner, weil das Kraftfahrt-Bundesamt keine Zahlen liefert. Einen Anhaltspunkt liefern aber die Verhältnisse in Stuttgart. Dort sind den Berechnungen des Statistischen Amtes der Stadt zufolge „über 57 Prozent und damit immer noch über die Hälfte aller Stuttgarter Dieselbesitzerinnen und -besitzer von einem Fahrverbot betroffen, wenn es denn käme“, rechnet Roger Schäufele, der Stuttgarter Kreisvorsitzende der Innung vor.

Innung: Unwahrscheinlich, dass Hersteller bezahlen müssen

Reiner Äckerle, der Kreisvorsitzende, der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, schätzt, „dass auch im Rems-Murr-Kreis jetzt zumeist die Menschen in den älteren Dieseln unterwegs sind, die nicht genug Geld haben, um ihre Autos so mir nichts dir nichts auszutauschen“. Die anderen hätten inzwischen Herstellerprämien genutzt oder sich Euro-6-Gebrauchtwagen zugelegt. Im Januar 2017 seien nach den damaligen KBA-Zahlen im Rems-Murr-Kreis rund 82,1 Prozent aller Diesel oder 67 548 Diesel-Fahrzeuge von Fahrverboten bedroht gewesen: „Legen wir die Stuttgarter Zahlen zugrunde, wären es jetzt noch mindestens 38 000, aber wie gesagt, das ist eine Schätzung.“

„Sie zeigt aber, dass die soziale Dimension der Fahrverbotsforderung weiter erhalten bleibt“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Denn selbst, wenn die Euro-5-Diesel auf Kosten der Hersteller nachgerüstet würden, wie es die Deutsche Umwelthilfe fordert, gelte das nicht für Euro-4-Diesel. Christian Reher macht aber keinen Hehl daraus, dass die Innung es für eher unwahrscheinlich hält, dass die Hersteller bezahlen müssen.

Immer mehr Elektroautos und Hybride

Im Moment bleibe nur noch abzuwarten, was passiere, wenn die ersten Urteile in Sachen Fahrverboten gefällt sind und endlich eine Bundesregierung stehe. „In Amerika wäre es einfach, da würden über die Schummler Milliardenstrafen verhängt und die erschummelten Gewinne abgeschöpft. Wäre das bei uns auch so, könnte damit der Nachrüstungstopf gespeist werden.“ Damit hätten auch die Händler das Problem los, auf mehreren Hunderttausend unverkäuflichen Euro-5-Dieseln zu sitzen, was für mache Betriebe existenzbedrohend werde.

Die Zuwachsraten bei Elektroautos und Hybriden sind inzwischen mehrstellig: „Allerdings ändert ein Zuwachs von 60,8 Prozent bei den Elektroautos nichts daran, dass der Bestand damit nur auf 402 Pkw gewachsen ist. Plugin-Hybrid-Pkw wuchsen im Vergleich sogar um 205 oder 165 Prozent auf 330 Pkw. Da“, sagt Torsten Treiber, „könnte uns ein richtiger Boom ins Haus stehen, wenn auch ein zahlenmäßig kleiner.“