Waiblingen

Diskussion um neue Parkregelung in der Innenstadt

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Seit Mitte Juli darf in der Fuggerstraße nur noch mit einem Bewohnerparkausweis der Zone 1 geparkt werden. © Ramona Adolf

Waiblingen. Seit Mitte Juli gilt in der Fuggerstraße eine neue Parkregelung: Dort dürfen nur noch Anwohner parken. Die Beinsteinerin Inge Klopfer spricht von einer „Zweiklassengesellschaft“ und fordert: „Gleiches Recht für alle!“ Die Stadt hält dagegen, Auswärtige sollten nicht im Wohngebiet parken, sondern in den öffentlichen Parkhäusern.

Mit Erstaunen habe sie festgestellt, „dass die Bewohner der Fuggerstraße in Waiblingen zu Bürgern erster Klasse avanciert sind“, schreibt Inge Klopfer in einer E-Mail an den Oberbürgermeister. Es ärgere sie, dass die Parkplätze in der Fuggerstraße privatisiert würden, wie Klopfer es ausdrückt, während es ohnehin schon zu wenig öffentliche Parkplätze gebe. Besonders, da nun wegen der Bebauung der Schotterparkplatz auf dem Gelände der ehemaligen Frauenarbeitsschule wegfalle. Und wenn doch solche Regelungen getroffen würden, dann solle gleiches Recht für alle gelten: „Wir haben bei uns im Wohngebiet auch immer Ärger mit dauerhaft abgestellten Wohnwagen. Vielleicht sollten wir auch mal Bewohnerparken fordern“, sagt die Beinsteinerin.

Es geht ums Prinzip

Es sei für sie unverständlich, dass die betreffenden Parkplätze in der Fuggerstraße auch tagsüber frei bleiben müssten, wenn ohnehin die meisten bei der Arbeit seien. Dabei gehe es ihr nicht um sich selbst, sondern ums Prinzip. Und um die Patienten einer Lymphdrainage- und Massagepraxis. „Dort gehen viele ehemalige Krebspatienten zur Nachbehandlung hin“, weiß Klopfer. Diese seien oft nicht besonders gut auf den Beinen – 100 Meter Fußweg könnten ihnen bereits Schwierigkeiten bereiten. Sie seien daher auf einen Parkplatz direkt vor der Tür angewiesen.

Stadtverwaltung verteidigt die neue Regelung

Bei der Stadtverwaltung freilich wird die Sache ganz anders gesehen. Im Antwortschreiben heißt es, „aus verkehrlicher Sicht“ sei eine Wohnstraße in Beinstein nicht mit der Fuggerstraße zu vergleichen. Die Anwohner Letzerer seien durch das hohe Verkehrsaufkommen in der Innenstadt stark belastet und würden durch die neue Regelung lediglich entlastet. „Wer in der Innenstadt wohnt, konkurriert täglich mit Fremden um einen Parkplatz“, betont Oliver Conradt, der Leiter der Abteilung Straßenverkehr und Ordnungsdienste. Für die Verwaltung sei diese neue Parkregelung eher eine Möglichkeit der Steuerung: Auswärtige, die zum Beispiel zum Einkaufen nach Waiblingen kommen, sollen die öffentlichen Parkhäuser nutzen. „Es kann nicht angehen, dass Wohngebiete zugeparkt werden, weil die Leute nicht fürs Parken bezahlen wollen.“

Der Parkdruck in der Altstadt ist groß

Ständig landeten bei ihm auf dem Tisch Beschwerden von Anwohnern, die Probleme hätten, einen Parkplatz vor der eigenen Haustür zu finden. Der Parkdruck in der Altstadt sei einfach zu hoch. Auch wenn dies nicht der Auslöser für die Regelung in diesem konkreten Fall sei, die Stadt müsse so etwas berücksichtigen und Ausgleich schaffen. „Bewohnerparkzonen gibt es an vielen Stellen in der Stadt. Immer gibt es aber auch ausreichend öffentliche Parkplätze in der Nähe“, betont Conradt. Was die Patienten der Praxis angehe, so müsste eben die Praxis für Geschäftsparkplätze vor dem Haus sorgen. Dies sei nicht Aufgabe der Stadt. „Oder die Patienten müssen eben die 150 Meter zu Fuß gehen. Das ist eine Massagepraxis, also Wellness, und keine medizinische Notwendigkeit“, sagt er.

Ebenfalls unzufrieden mit dem Parkleitsystem

Unzufrieden ist Inge Klopfer auch mit dem Parkleitsystem der Stadt. Oft habe sie den Eindruck, es funktioniere nicht richtig. „Mir ist es zum Beispiel schon häufig passiert, dass mir beim Einfahren in die Innenstadt noch 70 freie Plätze in der Marktgarage angezeigt werden und als ich dort angekommen bin, kein einziger mehr frei war“, erläutert sie. Das sei auch für den Waiblinger Einzelhandel nicht gerade hilfreich: Wer wolle schon vor vollen Parkhäusern stehen, wenn er gemütlich bummeln gehen wolle. Ganz alleine ist Klopfer mit ihrer Ansicht da nicht. Auch der Waiblinger Peter Kurz empfindet, dass aufgrund der schwierigen Parksituation das „Einkaufen in Waiblingen immer unattraktiver“ wird. Viele suchten daher Ausweichmöglichkeiten, beispielsweise in Fellbach oder Weinstadt. „Wenn ich nur schnell beim Metzger einkaufen will, aber viermal im Kreis fahren muss, weil ich keinen Parkplatz finde, dann fahre ich eben lieber woanders hin.“ Er kritisiert, dass an ungeeigneten Stellen Parkraum geschaffen werde, dieser an anderen, wo er nötig wäre, aber wegfalle.

Die Stadt derweil verteidigt das Parkmanagement: Das dynamische Leitsystem funktioniere seit 15 Jahren gut, sagt Conradt. Es zeige alle in der Stadt verfügbaren Parkplätze an. „Man muss ihm eben folgen, bis man an einem freien Platz herauskommt“, so der Abteilungsleiter. Das könne dann eben auch mal der Postplatz statt der Marktgarage sein.