Waiblingen

Doch keine Corona-Impfung für Robert Thiel aus Waiblingen: Impfzentrum Stuttgart sagt Termin für Mitarbeiter der Paulinenpflege wieder ab

ThielImpfung
Robert Thiel aus Waiblingen (68) fährt Schüler der Bodenwaldschule der Paulinenpflege Winnenden. Er wollte sich gegen Corona impfen lassen – doch derzeit darf er das nicht. © Gaby Schneider

Robert Thiel aus Waiblingen hatte schon einen bestätigten Termin für eine Erstimpfung in der Liederhalle in Stuttgart, dem Zentralen Impfzentrum des Klinikums Stuttgart – bis er Anfang März eine Mail erhielt, dass er doch nicht kommen darf. Dabei fährt der Mann, der auf der Korber Höhe wohnt, seit den Sommerferien 2020 auf 650-Euro-Basis Schüler der Bodenwaldschule. Das ist eine Schule für Erziehungshilfe im Rems-Murr-Kreis, Träger ist die Paulinenpflege Winnenden. Robert Thiel wäre damit eigentlich wie Lehrer oder Mitarbeiter einer Schulkindbetreuung berechtigt, eine Impfung gegen Corona zu bekommen – wäre da nicht sein Alter.

Der Waiblinger, der vor seinem Job für die Bodenwaldschule für eine Großwäscherei fuhr, ist 68 Jahre alt. Robert Thiel bekam am 2. März 2021 eine Mail vom Klinikum Stuttgart, in der stand, dass er wegen seines Alters als Person zwischen 65 und 79 Jahren aktuell nicht geimpft wird. Seinen Termin am 3. März konnte er deshalb nicht wahrnehmen, auch der gebuchte Zweittermin am 28. März ist jetzt hinfällig. „Diese Altersgruppen sind offensichtlich Menschen 3. Klasse“, ärgert sich Robert Thiel.

Robert Thiel aus Waiblingen ist einer von vielen, die sich wegen der Impfterminvergabe ärgern

Er ist nicht der einzige, der Probleme hat: Unsere Redaktion berichtete erst jüngst über eine 81-Jährige aus Waiblingen, die einfach keinen Termin im Impfzentrum in Waiblingen erhält. Auch riefen bei unserer Redaktion Menschen an, die seit Wochen auf der Warteliste für einen Impftermin stehen - und einfach keinen bekommen. Nicht jeder aber möchte, dass über seinen Fall in der Öffentlichkeit berichtet wird. Robert Thiel will indes, dass seine Geschichte erzählt wird.

Für Menschen ab 65 gibt es keinen Impfstoff von Astrazeneca

Der 68-jährige Waiblinger erhält weder den Impfstoff von Astrazeneca noch den von Biontech oder Moderna. Eine Impfung, so heißt es in der Mail des Impfzentrums des Klinikums Stuttgart weiter, wäre für Personen zwischen 65 und 79 Jahren nur möglich, wenn diese zur Gruppe der höchsten Priorität gehören, also schon im Dezember impfberechtigt gewesen wären. Zu dieser Gruppe zählen etwa Pflegeheimbewohner. Robert Thiel jedenfalls fühlt sich ungerecht behandelt.

Sprecher des Sozialministeriums kann Ärger nachvollziehen

„Wir können den Ärger von Herrn Thiel verstehen. Die Aussage von Seiten des Impfzentrums und die damit verbundene Absage des Termins ist aber die richtige Auskunft“, betont Pascal Murmann, stellvertretender Pressesprecher des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales und Integration. Der Impfstoff von Astrazeneca könne schließlich bislang nur an Menschen unter 65 Jahren verimpft werden. Das Sozialministerium stützt sich dabei auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Daran halten wir uns – und alle anderen Bundesländer auch.“

Die Ständige Impfkommission setzt den medizinischen Standard

Dass ein Bundesland dies allein nicht ändern kann, begründet Pascal Murmann damit, dass ein medizinisch hochkomplexer Impfstoff nun mal ein geregeltes Zulassungsverfahren durchläuft. „Die Empfehlungen der Stiko gelten als medizinischer Standard.“

Er erinnert in diesem Zusammenhang auch noch mal an die vielen kritischen Stimmen im Sommer/Herbst 2020, als die medial auch vielfach transportierte Befürchtung bestanden habe, dass Impfstoffe jetzt schnell durch irgendwelche Zulassungen durchgepeitscht werden, ohne sich über die Folgen ausreichend Gedanken zu machen. „Jetzt kann es zwar für viele Menschen nicht schnell genug gehen, was wir durchaus verstehen, aber die Sicherheit ist dennoch weiterhin wichtig. Das liegt im Interesse von uns allen.“

Biontech und Moderna werden vor allem an Leute über 80 verimpft

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind prinzipiell weiterhin für die Gruppe der Menschen über 80 reserviert. „Hier hat es mit die meisten Todesfälle gegeben und hier leben die meisten Menschen in den Alten- und Pflegeheimen, die als Hotspots gelten, was die Infektionen angeht“, erläutert Pascal Murmann. Die Impfstoffe von Biontech sowie Moderna seien zudem weiterhin sehr knapp. „Hier bekommt Baden-Württemberg anteilig seiner Bevölkerung die Lieferungen – wie alle anderen Bundesländer auch.“

Der stellvertretende Pressesprecher des Sozialministeriums räumt ein, dass sich deshalb natürlich eine gewisse Lücke in der Altersgruppe zwischen 65 und 79 auftut. „Leider bedeutet das, dass sich beispielsweise Lehrer und andere aus den berechtigten Gruppen ab 65 Jahren im Moment noch gedulden müssen.“

Es gibt 1160 aktive Lehrer in Baden-Württemberg, die 65 und älter sind - und wegen ihres Alters keinen Impfstoff kriegen

In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben von Pascal Murmann allein rund 1160 aktive Lehrkräfte ab einschließlich 65, die auch im Präsenzunterricht tätig sind. Eine Box Biontech wäre nötig, diese zu impfen. „Das klingt nicht viel. Aber das ist noch die derzeitige Wochenration Biontech/ Pfizer, die wir einem Kreisimpfzentrum liefern können“, stellt der Sprecher des Sozialministeriums klar.

Mehr Impfstoff soll es laut Sozialministerium im zweiten Quartal des Jahres 2021 geben

Damit will er deutlich machen, wie knapp der Impfstoff gerade ist. Und genau dieser Impfstoff werde derzeit noch gebraucht, um ihn an die über 80-Jährigen sowie an Bewohner in Alten- und Pflegeheimen zu verimpfen. „Die Situation für die Altersgruppe ab 65 wird sich nach derzeitigem Stand dann entspannen, wenn wir mehr Impfstoff von Biontech/Pfizer und Moderna bekommen, voraussichtlich im Verlauf des zweiten Quartals.“ Das wäre erst zwischen Anfang April und Ende Juni 2021.

Das Land erhält den Impfstoff von Biontech und Moderna nach wie vor nur in kleinen Mengen

Für Menschen wie Robert Thiel aus Waiblingen stellt sich nun die Frage, wann sie mit der Impfung dran sind. Als Fahrer von Schülern ist der 68-Jährige von der Korber Höhe schließlich einem gewissen Risiko ausgesetzt, sich mit Corona zu infizieren. Dazu teilt Ministeriumssprecher Pascal Murmann mit, dass das Land für die Über-65-Jährigen nach wie vor nur sehr geringe Mengen an Impfstoff von Biontech und Moderna erhält. „Für die Verhandlungen mit den Herstellern ist der Bund zuständig.“

Bis zu 25 000 Menschen werden pro Tag in Baden-Württemberg geimpft

Geimpft werden nach Angaben des Sozialministeriums in Baden-Württemberg aktuell bis zu 25 000 Menschen pro Tag. Eine Liste der Personen, die sich aktuell impfen lassen können, gibt es auf der Internetseite des Sozialministeriums. Pascal Murmann rät jedem, sich vorab zu informieren, ehe ein Termin im Impfzentrum vereinbart wird. „Wenn es Unklarheiten gibt, empfehlen wir auch, sich vorher mit seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin auszutauschen. Der Anspruch auf eine Impfung wird immer erst vor Ort im Impfzentrum geprüft.“

Robert Thiel aus Waiblingen hatte schon einen bestätigten Termin für eine Erstimpfung in der Liederhalle in Stuttgart, dem Zentralen Impfzentrum des Klinikums Stuttgart – bis er Anfang März eine Mail erhielt, dass er doch nicht kommen darf. Dabei fährt der Mann, der auf der Korber Höhe wohnt, seit den Sommerferien 2020 auf 650-Euro-Basis Schüler der Bodenwaldschule. Das ist eine Schule für Erziehungshilfe im Rems-Murr-Kreis, Träger ist die Paulinenpflege Winnenden. Robert Thiel wäre damit

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