Waiblingen

Drängler auf B14 landet vor Gericht

Waiblingen im Amtsgericht 3
Weil ein 48-Jähriger Polizisten bedrohte und Pfeffersprayschwaden aussetzte, bekam er 40 Stunden Arbeit aufgebrummt. © Redaktion

Waiblingen. Ein Drängler, der an einem Wintermorgen im Dezember 2016 auf der B 14 Richtung Stuttgart einen anderen Autofahrer gefährdet hat, ist am Amtsgericht wegen Nötigung verurteilt worden. Einsicht zeigte der Mann allerdings nicht. In seiner Version der Geschichte ist er das Opfer.

Die beiden Männer sind auf dem Weg zur Arbeit, als sie am frühen Morgen gegen 5 Uhr des 16. Dezembers 2016 auf der B14 zwischen Leutenbach und Schwaikheim aneinandergeraten. Später schildert die Staatsanwältin im Gericht folgenden Tathergang: Der Kläger, ein Polizist, sei auf dem linken Fahrstreifen gefahren, um einen unbeteiligten Smart zu überholen, als der Angeklagte in seinem weißen Hyundai aus dem Tunnel bei der Anschlussstelle Leutenbach schießt, sehr dicht auffährt und dem 51-Jährigen per Lichthupe signalisiert, Platz zu machen. Nachdem der Polizist auf den rechten Fahrstreifen ausweicht, überholt der 61-jährige Angeklagte auf dem linken Fahrstreifen. Statt seine Fahrt hier fortzusetzen, entschließt sich der Angeklagte allerdings, ebenfalls auf die rechte Spur zu wechseln, und schneidet sein Opfer dabei gefährlich. Dieses muss stark abbremsen, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Empört betätigt nun auch der Polizist die Lichthupe. Daraufhin bremst der Angeklagte nochmals ohne ersichtlichen Grund heftig ab, woraufhin auch der Kläger erneut kräftig auf die Bremse drücken muss. „Normalerweise verfliegt mein Ärger über solche Situationen im Straßenverkehr schnell. Doch dieses Verhalten war so fahrlässig, dass ich an der Dienststelle in Schwäbisch Gmünd angekommen sofort eine Anzeige machte“, begründet der 51-jährige Zeuge seine Entscheidung, vor Gericht zu gehen.

Drängler hat eine andere Version der Geschichte parat

Dabei ist diese Anklage nicht die erste, für die sich der 61-jährige Angeklagte zu verantworten hatte. Bisher wurde er jedoch nie verurteilt. Auch in dem vorliegenden Fall hat der Drängler eine andere Version der Geschichte parat: Der Jeep-Wagen des Polizisten habe ihn geschnitten, als dieser auf den linken Fahrstreifen vor ihn auffuhr, deshalb habe er die Lichthupe gesetzt. Daraufhin sei der Vordermann nach rechts ausgewichen und er habe links überholt. Doch in seiner Version der Geschichte tritt nun der Polizist aufs Gas und zieht erneut hinter ihm nach links. Dann habe dieser das Dauerfernlicht angeschaltet. In dieser Version wird der Täter also selbst zum Opfer und das Opfer zum Täter. „Auch ich hatte mir überlegt, eine Anzeige zu machen, habe aber dann doch darauf verzichtet, weil so etwas ja tagtäglich passiert“, so der 61-Jährige.

Der Angeklagte zeigt keine Einsicht oder Reue

Über diese Beschreibung des Tathergangs kann der Polizist vor Gericht allerdings nur ungläubig lachen. Unterschiedlicher könnten die zwei Situationsbeschreibungen kaum sein – da wird der Richterin und den Anwälten im Gerichtssaal einiges an Rekonstruktionsgeschick abverlangt.

Aussschlaggebend für die Richterin ist auch, dass ein Polizist bei einer Falschaussage mit dienstlichen Konsequenzen rechnen muss. Nach einer Unterbrechung der Sitzung, in der der Anwalt den Angeklagten über seine Möglichkeiten aufklärt, entscheidet dieser plötzlich, seinen Einspruch nur noch auf die Rechtsfolge zu beschränken.

Dennoch bleibt der 61-Jährige bei seiner Darstellung der Geschichte und zeigt keine Einsicht oder gar Reue. In seinem Plädoyer fordert der Verteidiger, es bei einer Geldstrafe zu belassen und kein Fahrverbot zu verhängen. Diesem Wunsch gibt die Richterin nach, gegen eine erhöhte Anzahl an Tagessätzen. Insgesamt muss der Drängler nun 60 mal 40 Euro sowie die Kosten des Verfahrens bezahlen. Ob dem uneinsichtigen 61-Jährigen das Lehre genug sein wird, bleibt abzuwarten.