Waiblingen

Dr. Stefan König neuer Chef bei Bosch Packaging Technology

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Dr. Stefan König gehört bereits seit sechs Jahren dem Vorstand an und übernahm nun den Vorsitz von Friedbert Klefenz. © Danny Galm
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Das „Carton Printing System“ (CPS) bildet die Basis für sämtliche Serialisierungslösungen von Bosch. Der Drucker lässt sich flexibel verstellen, um die Data Matrix Codes wahlweise oben oder an der Seite der Falschachteln anzubringen. © Bosch
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Jedes Arzneimittel bekommt eine eigene Seriennummer, mit der die Packung zurückverfolgt werden kann, um Fälschungen zu verhindern. Wie verbreitet gefälschte Medikamente sind, zeigt das Beispiel Afrika, wo 30 Prozent aller Malariamittel keine einwandfreie Herkunft haben sollen. © Bosch

Waiblingen. Kaum etwas ist vor Fälschungen sicher. Nicht einmal Medikamente. Ab 2019 bekommt jede Packung eine eigene Seriennummer. So kann die Arznei zum Hersteller zurückverfolgt werden: das Aus für gefälschte Medikamente. Gebaut werden die Maschinen in Waiblingen, dem „Center of Competence“ für diese Technik bei Bosch.

Fälschungssichere Medikamente werden in der Europäischen Union ab 2019 Pflicht. In Deutschland dürfen nur noch verschreibungspflichtige Arzneimittel in Verkehr gebracht werden, die auf ihrer Packung eine individuelle Seriennummer tragen und deren Unversehrtheit erkennbar ist. Die Bosch Packaging Technology in Waiblingen liefert den Pharmaunternehmen die entsprechenden „Track & Trace“-Lösungen, stellte Dr. Stefan König, der neue Vorstandsvorsitzende in Waiblingen, am Montag bei einem Pressegespräch die Technik vor.

Querverbindungen zwischen den Geschäftsbereichen

Die Ingenieure der Verpackungstechnik haben dabei ihren Bosch-Kollegen aus dem Automobilbau über die Schulter geschaut, strich Stefan König nicht nur bei Track & Trace die vielfältigen Querverbindungen zwischen den Geschäftsbereichen von Bosch heraus. In der Autoindustrie sind Seriennummern für jedes Bauteil längst Standard.

Künftig soll dank einer zentral erfassten Seriennummer auch der Weg jeder Arzneipackung zu jeder Zeit zurückverfolgt werden können. Eine Packung geht nur noch über den Ladentisch, wenn der Apotheker wie auch die Versandapotheke die Seriennummer überprüft und eine Fälschung ausgeschlossen hat.

Kontinuität in der Verpackungstechnik

Die Hologramme auf Arzneimittelpackungen, mit denen heute Fälschungen verhindert werden sollen, könnten aufgrund der Seriennummer eines Tages der Vergangenheit angehören, sagte Projektleiter Jörg Willburger.

Im Januar hat Stefan König den Vorsitz des Bereichsvorstandes bei Bosch Packaging Technology übernommen. Er stehe für Kontinuität in der Verpackungstechnik. Der 52-Jährige gehört bereits seit sechs Jahren dem Vorstand an und übernahm nun den Vorsitz von Friedbert Klefenz, 61. Dieser leitete die Geschäfte der Verpackungstechnik seit 2002, einer Zeit, in der der Bereich stark mit Zukäufen gewachsen ist und heute mit weltweit 6200 Beschäftigten rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Keine weiteren Übernahmen

Aktuell stünden keine weiteren Übernahmen an, sagte Stefan König, nachdem Bosch noch 2016 zwei Verpackungsfirmen kaufte: die US-amerikanische Osgood Industries Inc. sowie Kliklok-Woodmann mit zwei Werken in den USA und Großbritannien. Die Bosch Verpackungstechnik sei mit ihrem Produktsortiment in 30 Standorten in 15 Ländern heute so breit aufgestellt, dass sie weltweit komplette Linien anbieten könne und in einzelnen Sparten der Verpackungstechnik Weltmarktführer ist.

Schwerpunkte liegen in der Pharmaindustrie auf der einen sowie in der Nahrungsmittel- und Süßwarenindustrie auf der anderen Seite. Der Umsatz verteile sich 50:50, sagte König. Noch. Während das Investitionsverhalten in der Pharmabranche gut sei, laufen die Geschäfte in der Nahrungsmittelindustrie ruhiger.

„Wir setzen auf das Wachstum im Pharmabereich“

Das hat auch Auswirkungen auf die 900 Arbeitsplätze am Sitz des Geschäftsbereichs in Waiblingen. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter, die im Bereich „Food“ wegfallen und zum Teil in den Bereich „Pharma“ versetzt werden. 35 Arbeitsplätze fielen ganz weg. „Wir setzen auf das Wachstum im Pharmabereich“, sagte König. Zum Beispiel bei den „Track & Trace“-Maschinen.

Der Vorstandsvorsitzende sieht Bosch künftig verstärkt als Lösungsanbieter in der Verpackungstechnik, der „Königsklasse der Automatisierungstechnik“. Die Vernetzung in der industriellen Entwicklung und Fertigung läute auch für den Sondermaschinenbau eine neue Ära ein, sagte König über den Trend zur Industrie 4.0.

Die Vernetzung von Geräten und Systemen biete eine nahezu unerschöpfliche Möglichkeit, Daten zu erfassen, zu speichern und auszuwerten. Auf der Messe Interpack im Frühjahr werde Bosch die Sensorik herausstellen, die in den Verpackungsmaschinen verbaut ist. „Wir gehen voll auf Kundennutzen“, sage König. Dabei könne sich die Verpackungstechnik aus dem Fundus der Automobiltechnik bedienen, in der Bosch sowohl Leitanbieter wie auch Leitanwender von Industrie 4.0-Lösungen sei.

Fernwartung der Maschinen ist ein Thema in der Verpackungstechnik

Eines der Themen in der Verpackungstechnik ist die Fernwartung der Maschinen und Anlagen. Durch Remote Service können die Spezialisten beispielsweise dem Bediener vor Ort klare Angaben machen, wie sich Fehlfunktionen schnell beheben lassen. So können ebenfalls Standzeiten reduziert werden, weil der Experte nicht erst eingeflogen werden muss.

Zukünftig könnten Kunden dank der Remote-Technologie von weiteren Services profitieren wie etwa vorausschauender Wartung basierend auf einer Analyse von Daten, die über eine permanente Zustandsüberwachung erhoben werden. Der Zustand der Maschine werde stets überwacht und es kann präventiv eingegriffen werden, bevor eine Fehlfunktion oder eine Störung entsteht. Die ersten Reaktionen der Kunden seien positiv, meinte König: „Die Kunden sind viel offener, als man meint.“

Bosch Packaging Technology

  • Der Bosch-Geschäftsbereich Packaging Technology mit Sitz in Waiblingen bei Stuttgart ist mit rund 6200 Mitarbeitern einer der führenden Anbieter von Prozess- und Verpackungstechnik. An mehr als 30 Standorten in über 15 Ländern werden Gesamtlösungen für die Pharma-, Nahrungsmittel- und Süßwarenindustrie entwickelt und gefertigt. Am Sitz in Waiblingen sind rund 900 Mitarbeiter tätig. Im Geschäftsjahr 2015 betrug der Umsatz 1,3 Milliarden Euro. Für 2016 wird ein Umsatz in ähnlicher Höhe erwartet. Das Spektrum erstreckt sich von Füll-, Prozess- und Verpackungstechnik für pharmazeutische Produkte und Süßwaren bis hin zu Verpackungslösungen für Stück- und Schüttgüter im Nahrungsmittelbereich sowie für Produkte aus dem Bereich Gesundheit und Körperpflege.
  • Stefan König, 51, ist seit Januar 2017 Vorsitzender des Bereichsvorstands bei Bosch Packaging Technology. Er ist zuständig für Technik (Engineering, Fertigung, Qualität), den Produktbereich Food sowie ATMO Montageanlagen und Sondermaschinen. Seit 1997 arbeitet der promovierte Ingenieur bei Bosch und kam 2011 zur Verpackungstechnik. Er übernahm den Vorsitz von Friedbert Klefenz, 61.