Waiblingen

Drei Paare wollen zusammen alt werden

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Sie bauen gemeinsam zwei Häuser (von links): Michael Kleemann, Ute Dietrich, Claudia Kleemann, Thomas Siegle, Uli Dietrich und Silke Siegle. © Palmizi / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Sie kennen sich alle schon seit mehr als 20 Jahren – und bauen nun zusammen zwei Häuser: Michael Kleemann, Claudia Kleemann, Silke Siegle, Thomas Siegle, Uli Dietrich und Ute Dietrich, alle Anfang bis Mitte 50, möchten gemeinsam alt werden. Ihr neues Zuhause soll barrierefrei sein – und viele Gemeinschaftsräume bieten.

Eine gemeinsame Backstube, eine für jeden nutzbare Werkstatt, ein Garten für alle: Die drei Beutelsbacher Paare wissen schon genau, wie sie ihre Ideen vom gemeinsamen Wohnen im Alter verwirklichen wollen. Zwei Häuser sollen es werden, mit insgesamt sechs Wohnungen, vier davon rund 85 Quadratmeter groß, zwei knapp 60. Die Pläne von ihrem Architekten, dem Weinstädter Martin Bühler, sind bereits ausgearbeitet – und im September wurde die Baugrube ausgebaggert. Fertig werden möchten Michael Kleemann, Claudia Kleemann, Silke Siegle, Thomas Siegle, Uli Dietrich und Ute Dietrich Ende 2019. Sie erfüllen sich damit einen langgehegten Traum von einem selbstbestimmten Leben im Alter – und das bedeutet auch, rechtzeitig neu anzufangen.

„Man kennt die Macken von jedem“

Worauf sie sich einlassen, wissen die Freunde sehr genau. „Man kennt die Macken von jedem und weiß, dass man sich trotzdem gut versteht“, sagt Ute Dietrich. Die Paare möchten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können, auch bei körperlicher Beeinträchtigung. Schließlich verbindet ein Aufzug alle drei Etagen des Hauses, die Duschen sind ebenerdig und alle Türen sind breit genug, damit ein Rollstuhl durchpasst.

Wohnungen für Pflegekraft

In den beiden kleineren Wohnungen könnte später zum Beispiel eine bezahlte Pflegekraft leben, falls dies nötig werden sollte. Auch die eigenen Kinder hätten die Möglichkeit, dort zu wohnen. Falls einer der Freunde stirbt, wäre der jeweilige Partner nicht allein.

Nötiges Eigenkapital mitgebracht

Die Idee für ein gemeinsames Wohnprojekt kam den drei Paaren schon vor zehn Jahren, doch konkret wurde es erst vor rund zweieinhalb Jahren, als die Mutter von Thomas Siegle starb. Für das Haus mit Grundstück gab es mehrere Erben, denen die drei Paare 2016 alles abkauften, zu einem marktüblichen Preis, wie Thomas Siegle betont. Alle haben zudem das nötige Eigenkapital mitgebracht, um das Projekt stemmen zu können.

Noch zehn bis 15 Jahre bis zum Ruhestand

Trotzdem wussten sie nicht, ob sie in ihrem Alter gleich eine lokale Bank finden, die jedem Paar einen Kredit gewährt – doch die Sorge stellte sich als unbegründet heraus. „Es ist noch genug Arbeitszeit da, dass man sagen kann: Ich kann das verdienen“, sagt Michael Kleemann. Schließlich sind alle Anfang 50 bis Mitte 50, haben also noch zehn bis 15 Jahre bis zum Ruhestand. Wer in diesem Alter noch Schulden für eine Immobilie aufnimmt, sollte sich laut Uli Dietrich aber auch über eines im Klaren sein: „Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass man es bis zur Rente abbezahlt hat.“

„Das Schöne ist, dass wir von der Grundeinstellung ähnlich ticken“

Das ein oder andere wollen die Paare in den beiden Häusern selbst machen, wobei sie betonen, dass dies nicht nötig sei, um sich das Projekt überhaupt leisten zu können. Von ihrem Architekten Martin Bühler haben sie zudem den Tipp erhalten, dass Eigenleistung nicht immer sinnvoll ist, vor allem mit Blick auf die Gewährleistung.

Falls es später zu einem Zerwürfnis kommen sollte, hat jedes Paar die Möglichkeit, seine Wohnung zu verkaufen, so wie bei jeder anderen Eigentümergemeinschaft. Daran denken die Beutelsbacher allerdings nicht. Vielmehr freuen sie sich auf ihre Zukunft: „Das Schöne ist, dass wir von der Grundeinstellung ähnlich ticken.“


Ökologisch bauen

Mit einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus haben sich die drei Paare bewusst fürs ökologische Bauen entschieden. Von der KfW-Bankengruppe gibt es hierfür die höchstmöglichen Fördergelder. Deshalb wird es auch eine Fotovoltaikanlage sowie einen Stromspeicher geben. „In der Summe übers Jahr gerechnet müssten wir energieautark sein“, sagt Thomas Siegle.

Die Beutelsbacher bauen zudem ganz bewusst mit Holz, wollen die Fassade aber am Ende verputzen.