Waiblingen

Durchblick beim Energiesparen

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Sauberes Dienstfahrzeug: Jürgen Menzel ist neuer Geschäftsführer der Energieagentur. © Sarah Utz

Waiblingen. Wer einen neuen Heizkessel braucht oder gar seine Wohnung energetisch auf Vordermann bringen will, verirrt sich leicht im Dickicht technischer Möglichkeiten, gesetzlicher Vorgaben und undurchschaubarer Förderungen. Hilfe bietet die Energieagentur Rems-Murr. Jetzt gab’s einen Wechsel an ihrer Spitze: Jürgen Menzel folgte als Geschäftsführer auf Uwe Schelling, der die Energieagentur seit 2009 geleitet hatte.

Die unabhängig arbeitende Energieagentur, deren Gesellschafter der Landkreis und die Stadt Waiblingen sind, ist seit sieben Jahren Anlaufstelle für Bürger, Unternehmen und Kommunen in Sachen energetischer Gebäudesanierung. Die Erstberatung ist kostenlos. Bei Bedarf gehen die Energieberater aber auch in die Wohnungen und Häuser, machen dort Energiechecks und Vor-Ort-Beratungen, die nicht nur Geld einsparen, sondern auch gut für die Umwelt sein sollen. Ein herausragendes Projekt für die Energieberater ist das Wohngebiet Korber Höhe, wo viele Wohnungen aus den 70ern in die Jahre gekommen sind. Durch Fassaden, Fenster und Türen dringt die Wärme nach draußen, die Heizkosten der veralteten Stromheizungen steigen: Sanieren oder nicht, fragen sich viele Wohnungseigentümer auf der Korber Höhe: Viel zu tun also für die Energieberater.

Sanierungen bringen einen Mehrwert für Handwerker

Die Nachfrage für die Beratung ist da, und das nicht nur auf der Korber Höhe, glaubt der neue Geschäftsführer: „Wir sind mitten in der Energiewende“, sagt Jürgen Menzel.

545 Häuslessanierer, Unternehmer und Kommunen hat die Energieagentur im vergangenen Jahr beraten – der Hauptteil, gut zwei Drittel nämlich, in und um Waiblingen. Grund genug für Jürgen Menzel, neue Anreize für weitere Kommunen im Rems-Murr-Kreis zu schaffen. „Jede Beratung ist eine potenzielle Sanierung“, weiß er. Sanierungen wiederum seien nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die vielen Architekten, Planer und Handwerker, die dadurch Aufträge bekommen. Letztere sollen im Zuge des landesweiten Projekts „KEFF“ aber auch selbst beraten werden. „Auch bei den Unternehmern und Handwerkern gibt es oft noch Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu verbessern.“

In den 90ern waren viele Hausbauer noch skeptisch

Wie das geht, weiß Jürgen Menzel aus langjähriger Berufserfahrung. Nach seinem Studium der Versorgungstechnik plante er bereits in den 90ern Niedrigenergie- und Passivhäuser. Damals seien viele Häuslesbauer noch skeptisch gewesen, sagt Menzel. „Wenn die Leute eingezogen waren, waren sie positiv überrascht.“

Von 2002 bis 2011 war Jürgen Menzel Energiebeauftragter in Ebersbach a. F. und dann in Tübingen. Dort setzte er unter anderem die Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“ um und entwickelte sie weiter. Außerdem habe er das kommunale Energiemanagement eingeführt, erzählt er. Diese Art von Energiesparen soll ohne oder nur mit geringen Investitionen funktionieren: Mit optimalem Lüften oder automatischen Lichtschaltern beispielsweise sei es möglich, 15 bis 20 Prozent der Heizenergie einzusparen.

Sein Dienstfahrzeug ist ein E-Bike

Von 2011 bis Ende März 2016 war Jürgen Menzel Berater der grünen Landesregierung. Jetzt, sagt er, will er wieder näher an den Bürgern und an konkreten Projekten arbeiten. Dazu fährt er von seinem Wohnort Esslingen täglich mit dem Bus oder der S-Bahn nach Waiblingen. „Privat habe ich kein Auto. Es ist kaputt.“ Ob er wieder eins anschafft, sei eine Entscheidung, die er noch zu fällen habe.

Für die Energieagentur, deren Büro sich im Waiblinger Eisental befindet, hat er als Dienstfahrzeug ein gebrauchtes E-Bike angeschafft. Bei schlechtem Wetter benutzt er den Elektro-Zoe aus der Stadtmobilflotte. Und in Esslingen, wo er auch ehrenamtliches Mitglied im Klimabeirat der Stadt ist, nutzt er das Angebot „Car2go“. Dabei können die Fahrzeuge vom Fleck weg gemietet oder 30 Minuten vor Fahrtbeginn online reserviert werden. Praktisch: Am Ziel lässt man car2go einfach stehen.

Elf Mitglieder

Die Energieagentur Rems-Murr hat zwei Gesellschafter, den Landkreis und die Stadt Waiblingen. Angesiedelt ist die Agentur im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental.

Außerdem gehören zur Energieagentur elf Mitgliedskommunen: Allmersbach im Tal, Aspach, Auenwald, Korb, Murrhardt, Oppenweiler, Rudersberg, Schwaikheim, Urbach, Weinstadt und Weissach im Tal.

Vor Ort in den Rathäusern zur Bürger-Beratung ist die Energieagentur nur in den Mitgliedskommunen. Es sind deshalb noch weitere neue Mitgliedskommunen willkommen, die diese bevorzugte Beratung wahrnehmen möchten.

In den Mitgliedskommunen ist die Energieagentur auch mit Infoständen und bei Ausstellungen oder Messen vertreten. Das Angebot der Infostände der Energieagentur soll intensiviert werden.