Waiblingen

E-Auto-Prämie: Keiner weiß, was Sache ist

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Alle hängen noch in der Warteschleife, was die E-Auto-Förderung angeht, so auch bei Mistubishi Graf in Winnenden-Birkmannsweiler. Im Bild von links: Bernhard und Andrea Graf sowie Ralf Vorbeck; rechts das Elektroauto MIIV, in der Mitte der schwarze Outlander (ein Plug-in-Hybrid). © Habermann / ZVW
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Elektro- und Hybridauto: Eine Nahaufnahme. © Habermann / ZVW

Waiblingen/Eschborn. 4000 Euro Prämie beim Autokauf und zehn Jahre lang keine KfZ-Steuer zahlen? Schöne neue Elektroauto-Welt. Seit dem 18. Mai wird dieser Traum geträumt, denn die Bundesregierung veröffentlichte da erste Infos zur neu geschaffenen Kaufprämie für Elektroautos. Bislang ist’s bei diesem Traum geblieben. Und genauer geguckt, ist der Traum nicht ganz so traumhaft, wie er klingt.

Es klang so gut: 4000 Euro Prämie geschenkt und zehn Jahre keine Steuer zahlen. Was für ein Angebot! Am 18. Mai, also vor einer guten Woche, kam’s raus, die Bundesregierung hatte es beschlossen, Auto-Kaufwilligen hüpfte das Herz. Endlich: E-Autos werden gefördert, die Zukunft ist emissionslos und außerdem günstig. Erinnerungen an die Abwrackprämie ließen Mundwinkel nach oben zucken.

Bei Ralf Vorbeck vom Autohaus Graf in Birkmannsweiler gibt’s den kleinen Mitsubishi electric vehicle. Oder den großen Outlander als Plug-in-Hybrid. Die Kunden kommen und fragen. Aber: „Alle hängen in der Warteschleife.“ Wie lange noch? „Keine Ahnung!“

„Die Vorbereitungen im Bafa für das elektronische Antragsverfahren laufen auf Hochtouren.“ Das Bafa, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit Sitz im hessischen Eschborn, ist wieder die wichtigste Stelle in Sachen Prämie. Wie bei der Abwrackprämie. Und beim Bafa ist alles – na ja und leider – noch unklar. Da ist’s auch ganz wurscht, dass die schöne Prämie am 18. Mai groß in die Republik hinausposaunt worden war. Man kennt die Voraussetzungen noch nicht, unter denen gefördert wird. Erst wenn die Voraussetzungen bekannt sind, können Anträge entgegengenommen werden. Wann das sein wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Vorher gestellte Anträge können nicht bearbeitet werden. Welche Autos förderfähig sind, ist auch noch nicht bekannt. Ab welchem Zeitpunkt der Kauf eines Elektroautos förderfähig ist, wird noch geprüft. Man bittet, von Anfragen Abstand zu nehmen, bis Hinweise zum Antragsverfahren und zu den Voraussetzungen auf der Homepage des Bafa veröffentlicht sind. Das wird „so bald wie möglich“ sein. Das kann dauern.

Aber: Ein bisschen was ist doch schon bekannt. Reine Elektroautos sollen mit 4000 Euro gefördert werden, Hybride werden mit 3000 Euro gefördert. Beiden Varianten soll zehn Jahre lang die Steuer erlassen werden.´Einen „Lachkrampf“ kriegt da Ralf Vorbeck. Sein Outlander-Plug-in-Hybrid koste 40 Euro Steuer im Jahr. Reine E-Autos sind im Übrigen auch jetzt schon von der KfZ-Steuer befreit. Bis vergangenes Jahr galt das für zehn Jahre, aktuell nur noch für fünf Jahre.

Aber da gibt’s noch andere Probleme. Die Prämie von 4000 beziehungsweise 3000 Euro sollen sich, so ist’s geplant, die Autohersteller und die Regierung teilen. Mitsubishi aber hat schon von sich aus einen Elektrobonus für die Kunden geschaffen. Nochmal 2000 Euro drauf gibt’s dann vermutlich nicht. Aber wie wird das alles verrechnet?

Dieses Problem hat man bei den Elektro-Smarts nicht. Dafür ein anderes. Matthias Salak von Burger-Schloz in Weinstadt hat zurzeit und aus gegebenem Anlass jeden Tag eine E-Auto-Anfrage. Kann aber nicht verkaufen. Denn die alten E-Smarts sind weg. Und die neuen kommen erst Anfang 2017. Da belastet’s ihn wenigstens nicht, dass die Prämie bislang nur ein Papiertiger ist.

Inzwischen haben so gut wie alle Auto-Hersteller irgendeine Art von E-Auto im Programm, sei’s Hybrid, Plug-in-Hybrid oder reiner Elektromotor. Doch große Mengen sind’s trotzdem nicht, die weggehen. Matthias Salak hat von 2012, als der erste E-Smart auf den Markt kam, bis Ende 2015 etwa 20 Autos davon verkauft. Ralf Vorbeck schätzt, dass es in den letzten zwei Jahren rund zehn Outlander waren. Sieben davon gingen nach Norwegen. Die Deutschen, sagt er, seien „vorsichtig“.

Der Grund: Elektro-Autos sind, im Vergleich zu entsprechenden Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, teuer. Die nur mit Strom betriebenen Autos fahren außerdem nicht weit. 150, 170 Kilometer – so etwa. Aber nur ohne Radio, Heizung, Klimaanlage, Licht. So liegen auch die Zahlen der im Rems-Murr-Kreis angemeldeten Elektroautos im überschaubaren Bereich. Im Januar waren es 267. Im April 281, also 14 Autos mehr. Die Zahlen für Mai liegen erst im Juni vor. Doch größere Sprünge sind nicht zu erwarten. Außer das Bafa lernt zaubern.

Zur Erinnerung: Die Abwrack-Prämie

Die Abwrack-Prämie hieß offiziell Umwelt-Prämie und ging im Januar 2009 an den Start. Es gab sie bis zum 31. Juli 2010.

Ziel war, alte Autos mit zu hohem Verbrauch und zu großen Emmissionen aus dem Verkehr zu ziehen. Außerdem sollte die Wirtschaft angekurbelt werden.

Voraussetzung für eine Auszahlung war, dass der alte Wagen mindestens neun Jahre alt war. Gekauft werden durfte ein Neuwagen oder ein Jahreswagen.

Es gab 2500 Euro Förderung.

Die ursprünglich 1,5 Milliarden Euro Fördergeld wurden auf 5 Milliarden Euro aufgestockt.

1 933 090-mal wurden Anträge eingereicht. Das heißt, 1 933 090 Autos wurden in Deutschland aus dem Verkehr gezogen und durch neue ersetzt.