Waiblingen

E-Bikes ausleihen ist kein Hexenwerk

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Mathias Stickel führt beim Vor-Ort-Termin am Waiblinger Bahnhof vor, dass es gar nicht so kompliziert ist, sich ein Pedelec auszuleihen. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Die E-Bike-Station am Waiblinger Bahnhof ist trotz positiver Entwicklung in den vergangenen Monaten längst nicht ausgelastet. Die Hemmschwelle, etwas Neues auszuprobieren, ist bei vielen Menschen hoch, stellen die Betreiber fest. Deshalb wird nun für das Angebot getrommelt – und, viel wichtiger, auch weiter daran gefeilt. Rainer Gessler vom Verkehrsministerium ist für Anregungen und Kritik dankbar.

Video: E-Bike - Wie geht das?

Das bundesweit einzigartige Projekt eines regionalen E-Bike-Netzes (wir berichteten) befinde sich schließlich noch in der Entwicklung, sagt Rainer Gessler: „Wir brauchen etwas Zeit, müssen erst einmal das Nutzungsverhalten der Kunden herausfinden.“ Ständig werde deshalb beim Angebot nachgebessert. Auf Kritik ist unter anderem das Ausleihsystem gestoßen, das manche zu kompliziert finden. Am Waiblinger Bahnhof führte Mathias Stickel von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH vor, wie Nutzer auf die Räder zugreifen können. Dabei wird deutlich: Nach der ersten kleinen Hürde, der Registrierung, ist die Pedelec-Benutzung kein Hexenwerk.

Wer die E-Bike-Stationen des Anbieters „Nextbike“ in Waiblingen und Umgebung nutzen möchte, muss sich erst einmal registrieren lassen. Das geht über die Website www.e-bike-stationen.de, über die Hotline (0 30/69 20 50 46), an den Stationsterminals und über die „Nextbike“-App auf dem Smartphone. Wer über einen VVS-Mobilpass oder die neue „Polygocard“ verfügt, gibt seine Kundendaten an – VVS-Kunden fahren nämlich 25 Prozent günstiger E-Bike. Die Polygocard dient nach der Registrierung unter anderem als Schlüssel zur Station oder zum Freischalten des Fahrrads. Wer keine hat, erhält eine Pin-Nummer per SMS.

Bei der Anmeldung sollte man Handynummer und Kreditkarte bereithalten. Zur Aktivierung des Kundenkontos muss nämlich ein Startguthaben von neun Euro angelegt werden. Wer keine Kreditkarte hat, kann über die Hotline auch seine normale Bankverbindung angeben.

Die Tür zur Station lässt sich durch die Polygocard oder den Pin öffnen, der nach der Registrierung aufs Handy gesendet wird. Mathias Stickel benutzt seine Polygocard. Er hält sie vor einen Sensor und die Schiebetür öffnet sich. Die Nummer des Pedelecs, das er nun ausleihen darf, erscheint auf dem Display des Terminals.

Ein Licht leuchtet beim entsprechenden E-Fahrrad auf. Mathias Stickel drückt einen Knopf hinterm Sattel seines Pedelecs, LED-Lichtlein zeigen ihm den Akkustand an: Vollgeladen – die Fahrt kann losgehen, rund 100 Kilometer Reichweite hat ein Pedelec im Schnitt. Mathias Stickel sagt: „Und wenn ich unterwegs an einem schönen Biergarten vorbeikomme, kann ich das E-Bike sicher parken.“ Er schiebt das angehängte Fahrradschloss durch die Vordergabel, bis es einrastet. Öffnen lässt es sich abermals per Pin oder Karte am Bordcomputer hinterm Sattel.

Abstellen kann man das Pedelec an jedem Standort einer E-Bike-Station. Das Fahrrad wird zurück in den Ständer gestellt, rastet ein, ein Signal bedeutet: Leihe erfolgreich abgeschlossen. Sollte kein Ständer frei sein, kann man sich am Terminal ausloggen und das Fahrrad unangeschlossen in der Station stehen lassen.

Das System funktioniert also bereits, endlich steigen auch die Nutzerzahlen in Waiblingen – wenn auch moderat (siehe Grafik). Nun gilt es, „Kinderkrankheiten“ des Projekts auszumerzen. Dass es sich lohnt, an Rainer Gessler im Verkehrsministerium zu schreiben, erfuhr jüngst ein WKZ-Leser aus Waiblingen. Er hatte nach unserem Artikel über Gesslers Präsentation im Wirtschaftsausschuss der Stadt (WKZ vom 22. Juni: „Elektrofahrrad als Alternative zum Auto“) die Preisgestaltung der E-Bike-Station kritisiert. Der Nachttarif, bei dem die Fahrradausleihe von 18 bis 9 Uhr nur zwei Euro koste, lohne sich nicht für jeden Nutzer: „Ein früherer Beginn oder ein späteres Ende führt dazu, dass die gesamte Nutzung nach dem Stundentarif abgerechnet wird“, schreibt der Leser. Für eine 24-Stunden-Leihe zahlt 16 Euro, wer nicht im Besitz der „Polygocard“ des Verkehrsverbundes Stuttgart ist – nach Stundentarif zwei Euro pro Stunde. Hole der Nutzer sein Fahrrad also erst um 22 Uhr ab und stelle es am Morgen darauf erst um 9.30 Uhr zurück, koste ihn die Nacht 16 Euro, weil der Nachttarif nicht greife, argumentiert der Leser: „ Das finde ich nicht sehr günstig für eine Heimfahrt mit dem Rad.“

Anregungen und Kritik der Nutzer werden wohlwollend aufgegriffen

Sein Vorschlag: Von 18 bis 9 Uhr sollte der Nutzer zwei Euro pauschal bezahlen, die Zeit davor und danach sollte ihn jeweils zwei Euro pro Stunde kosten. Die Antwort aus dem Verkehrsministerium folgte prompt: „Ein sehr guter Vorschlag“, schrieb Rainer Gessler zurück, „Ich bringe den ein und kläre die Umsetzungsmöglichkeiten, danach melde ich mich wieder bei Ihnen.“ Beim Vor-Ort-Termin in Waiblingen bestätigte Gessler nun: „Das werden wir ändern.“

Firmen als Kunden

Die E-Bike-Station bietet auch die Möglichkeit, einen Ständer für private Pedelecs zu mieten. Für 24 Stunden zahlt der Kunde einen Euro (mit VVS-Abo 50 Cent).

Die Betreiber sind andernorts – zum Beispiel am Bosch-Standort Schwieberdingen – in Gesprächen mit Firmen, die in den Terminals in Bahnhofsnähe Fahrräder für Mitarbeiter bereitstellen könnten. Ein Modell, das laut Rathausmitarbeiter Werner Nussbaum auch für Waiblingen interessant sein könnte. Schließlich seien auch mehr als 100 Fahrradboxen am Bahnhof vermietet – vor zehn Jahren undenkbar.

Schließfächer gibt’s in der Station auch: Darin können die Pedelec-Fahrer zum Beispiel ihren Helm einschließen.

VVS-Kunden zahlen für die E-Bike-Ausleihe 25 Prozent weniger. Also statt zwei Euro pro Stunde nur 1,50 Euro. Der Tagestarif für ein Pedelec beträgt 16 Euro (bzw. 12 Euro). Der Nachttarif gilt momentan noch von 18 bis 9 Uhr und kostet zwei Euro (bzw. 1,50 Euro).