Waiblingen

E-Scooter von Lime liegen auf Gehwegen in Waiblingen: Kritik vom Blindenverband

Lime Roller
E-Scooter von Lime können in Waiblingen seit dem 2. Mai 2022 ausgeliehen werden. Die Testphase läuft bis Ende Oktober 2022. © ZVW/Alexandra Palmizi

Umgeworfene E-Scooter, die quer auf Gehwegen lagen: Das war das Hauptproblem für die Stadt Waiblingen nach Einführung des Verleihs durch die Firma Lime Anfang Mai 2022. Nun teilt das Unternehmen mit, „dass sich die Situation rund um das Thema ordnungsgemäßes Parken kontinuierlich verbessert“ habe. Das bestätigt auch Klaus Läpple, Leiter der Abteilung Umwelt bei der Stadt Waiblingen. Allerdings betont er zugleich, dass die Lage immer noch nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden kann. Den Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg stört es sehr, dass E-Roller überall auf den Verkehrsflächen für die Fußgänger abgestellt werden dürfen.

Wenn es in Waiblingen auch nach der Ende Oktober 2022 auslaufenden Testphase weiter E-Scooter von Lime geben soll, dann wird es nach Klaus Läpples Auffassung sicher wichtig sein, mehr feste Abstellflächen festzulegen – und umgekehrt auch mehr Verbotszonen. Lime hat dafür schon etwas getan und sogenannte „Parking Pins“ eingerichtet. Diese werden Nutzern in der Smartphone-App als bevorzugte Abstellflächen angezeigt. Solch eine Fläche gibt es zum Beispiel in der Nähe des Hallenbads Waiblingen, beim Spielplatz auf der Brühlwiese, in der Straße „Am Stadtgraben“ und noch in einigen anderen Straßen in der Innenstadt.

Lime plädiert grundsätzlich für freiwillige Abstellflächen

Lukas Windler, Senior Manager Public Policy bei Lime, betont, dass weiter Maßnahmen initiiert beziehungsweise unterstützt werden sollen, die dafür sorgen, dass E-Scooter kein Hindernis im öffentlichen Raum darstellen. Grundsätzlich besteht die Herausforderung laut Lukas Windler in der ungleichen Verteilung des öffentlichen Raums. „Deswegen befürworten wir die Schaffung von freiwilligen Abstellflächen für Mikromobilität.“

Lime plädiert hier für freiwillige Abstellflächen – idealerweise durch die Umwidmung von Auto-Parkplätzen. „Auf einen Pkw-Parkplatz passen bis zu zwölf E-Scooter!“ Die Erfahrung aus anderen europäischen Städten zeige, dass diese Abstellflächen gut angenommen würden und Gehwege entlasten.

Gibt es viele Abstellflächen, kann sich Lime auch eine Nutzungspflicht vorstellen

Bei einer ausreichenden Dichte dieser Flächen (etwa alle 100 bis 150 Meter) spricht sich Lime für eine verpflichtende Nutzung dieser Flächen durch die Nutzer aus. „Ein solches Hybrid-System aus stationslosem Parken in Außenbereichen und festen Abstellflächen in besonders hoch frequentierten Innenstadtbereichen wäre aus unserer Sicht die am besten geeignete Maßnahme.“

Das ist indes für Waiblingen noch Zukunftsmusik. Das Unternehmen setzt deshalb bereits jetzt eine Reihe von Maßnahmen um, die sich laut ihrem Sprecher in ihrer Summe als sehr effektiv erwiesen haben:

  • Bei Ausbringung der Fahrzeuge sollen keine Konflikte im öffentlichen Raum und insbesondere für mobilitätseingeschränkte und sehbehinderte Menschen entstehen. „Dafür schulen wir unser Logistikpersonal regelmäßig“, teilt Lukas Windler mit.
  • Nutzer werden laut Lime vor der ersten Fahrt mit der App über alle lokalen Regeln für das sichere Fahren und Parken aufgeklärt.
  • In regelmäßigen Abständen werden die Fahrer durch App-Nachrichten oder per E-Mail an die Regeln erinnert.
  • Nach der Fahrt erinnert die App an ordnungsgemäßes Parken bei Fahrtende.
  • Nutzer müssen nach der Fahrt ein Foto vom geparkten E-Scooter machen, um den Mietvorgang beenden zu können.
  • Über die Adresse hilfe@li.me oder unter 0 69/77 04 47 33 können Bürger falsch abgestellte E-Scooter beim Lime-Kundendienst melden. Die E-Scooter werden dann von Lime-Mitarbeitern wieder ordentlich aufgestellt.
  • Darüber hinaus hat sich Lime innerhalb des Branchenverbandes Plattform Shared Mobility (PSM) für eine übergreifende Beschwerdestelle eingesetzt.

Wie viele E-Scooter in Waiblingen bereitstehen, ist jeden Tag anders

Lime setzt die E-Scooter in Waiblingen nach eigenen Angaben je nach Nachfrage ein. Wie viele also täglich zur Nutzung bereitstehen, wechselt regelmäßig. Das Unternehmen betont, in stetigem Austausch mit der Stadt Waiblingen zu stehen – insbesondere was die Obergrenze der zur Verfügung gestellten E-Scooter anbelangt.

Der Wunsch der Stadt Waiblingen, Nutzern einen Bonus zu zahlen, wenn sie ihren Roller auf bestimmten Flächen abstellen, wurde von Lime noch nicht umgesetzt – allerdings soll es das irgendwann geben. „Wir arbeiten derzeit an einer technischen Umsetzung für die Boni“, betont Pressesprecher Lukas Windler. Das bestätigt auch Klaus Läpple von der Stadt Waiblingen. „Sie tun das ernsthaft prüfen.“

Informiert werden die Nutzer über diese Neuerung per App – und zwar sobald das Bonussystem freigeschaltet wurde. Im Blick auf mögliche Beschädigungen von Rollern verweist das Unternehmen darauf, dass es Vandalismus bei der Polizei anzeigt, damit die Behörden die Möglichkeit dazu haben, Täter zu identifizieren und entsprechend zu bestrafen. „Vandalismus ist kein Kavaliersdelikt.“

Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg kritisiert E-Scooter

Gerd Widmann vom Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg kritisiert das Free-Floating-System, bei dem E-Scooter überall abgestellt werden dürfen. „Für alle Menschen mit Sinneseinschränkungen sind diese Elektrofahrzeuge eine potenzielle Gefahrenquelle.“ Diese Art der Nutzung des öffentlichen Verkehrsraumes widerspreche jeder Form des selbstbestimmten Lebens und berücksichtige nicht die demografische Entwicklung der Gesellschaft hinsichtlich  Seheinschränkungen. „Wir haben nun in letzter Zeit versucht, mit den verantwortlichen Stellen der Stadt Waiblingen in einen Dialog zu kommen“, betont Gerd Widmann.

Auch der Bauhof hat sich schon intern über die E-Scooter auf Gehwegen beschwert

Die Kritik des Blinden- und Sehbehindertenverbands ist nicht die einzige, die bei Klaus Läpple angekommen ist. Zwar gibt es auch Leute, die eine Ausweitung des E-Scooter-Verleihs fordern, aber die kritischen Rückmeldungen sind laut dem Leiter der Abteilung Umwelt noch klar in der Mehrheit. „Wir haben eigentlich das Interesse, dass es zu keinem Konflikt auf den Gehwegen kommt.“ Mal gebe es Klagen vom Ameisenbühl über herumliegende E-Scooter, mal von der Korber Höhe. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Bürgeraktion Korber Höhe berichteten einige Mitglieder, dass die E-Scooter von Lime häufig im Weg herumliegen würden und dadurch eher Hindernisse seien. Auch der Bauhof der Stadt, betont Läpple, habe schon mitgeteilt, dass E-Scooter bei der Arbeit behindern.

Vor der Mia-Stihl-Kita hat die Stadt beispielsweise nach Beschwerden schon eine Abstellverbotszone für E-Scooter eingerichtet, auch eine bestimmte Fläche beim Landratsamt ist jetzt für E-Scooter tabu. Wer als Nutzer den Roller dort doch abstellt, wird zur Kasse gebeten. Dabei wird Lime bald eine deutlich höhere Gebühr verlangen, wie Klaus Läpple betont.

In der Fußgängerzone von Waiblingen sind E-Scooter momentan noch nicht erlaubt

Im Moment werden auch immer wieder E-Scooter in den Ortschaften abgestellt. Auch dafür fällt momentan eine höhere Gebühr an, weil die Ortschaften nicht zum Testgebiet zählen. Sollte Waiblingen wirklich dauerhaft den E-Scooter-Verleih zulassen, dann führt aus Sicht von Klaus Läpple nichts daran vorbei, auch die Nutzung in allen Ortschaften zu erlauben. In der Fußgängerzone von Waiblingen sind E-Scooter momentan noch tabu – aber auch hier gibt es schon Forderungen einzelner Bürger, das zu ändern. Dass E-Scooter in der Rems landen, ist hingegen laut Läpple kein großes Problem. Er habe bisher zwei-, dreimal davon gehört, dass so etwas passiert sei.

Insgesamt ist Klaus Läpple mit der Nachfrage nach den E-Scootern in Waiblingen zufrieden. „Die Zahlen sind sehr gut.“

Umgeworfene E-Scooter, die quer auf Gehwegen lagen: Das war das Hauptproblem für die Stadt Waiblingen nach Einführung des Verleihs durch die Firma Lime Anfang Mai 2022. Nun teilt das Unternehmen mit, „dass sich die Situation rund um das Thema ordnungsgemäßes Parken kontinuierlich verbessert“ habe. Das bestätigt auch Klaus Läpple, Leiter der Abteilung Umwelt bei der Stadt Waiblingen. Allerdings betont er zugleich, dass die Lage immer noch nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden kann.

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