Waiblingen

Eigentümer sauer auf OB Andreas Hesky

Ärger um Bahnhof in Neustadt_0
Lärmschutz wäre notwendig, wenn im Bahnhofsgebäude wieder Menschen wohnen wollen. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen-Neustadt. Der neue Bahnhofsbesitzer in Neustadt ist sauer. „Die Stadt soll mich in Ruhe lassen und der Bürgermeister sich um was anderes kümmern“, kommentiert Mehmet Yurdakul ein Schreiben des Baurechtsamts. Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Frage, was im und am denkmalgeschützten Bahnhof alles möglich ist. Konkret: Darf der Eigentümer dort Wohnungen und eine Kneipe bauen?


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Die Pläne vom Mehmet Yurdakul haben das Zeug dazu, eine unendliche Geschichte zu werden. Ein Jahr nachdem Familie Yurdakul das Neustädter Bahnhofsgebäude ersteigert hat, liegt sie in einem handfesten Clinch mit der Stadt. Wie berichtet, will Yurdakul, dessen Familie eigenen Angaben zufolge bundesweit Bahnhöfe aufkauft, saniert und weitervermietet, die seit langem unbewohnten Bahnhofswohnungen in Neustadt sanieren und wieder auf den Markt bringen. Auf dem danebenliegenden Kleingarten-Areal will er mehrere Mehrfamilienhäuser hochziehen. Genehmigen lassen hat er sich seine ehrgeizigen Pläne nicht. Weder die Sanierung der Wohnungen im denkmalgeschützten Bahnhof noch den Bau der Mehrfamilienhäuser im Außenbereich.

Wohnen bei dem Krach? Nur mit Lärmschutz

Überhaupt hat der rührige Bauherr den Kontakt mit der Stadt bisher eher vermieden. Entsprechend sauer ist er nach einem Schreiben des Baurechtsamts, das ihn auf die fehlenden baurechtlichen und denkmalschützerischen Genehmigungen hinweist und ihn auffordert, die nötigen Schallschutzmaßnahmen für die Wohnungen nachzuweisen. Denn auch wenn dort früher mal ein Bahnhofsvorsteher gewohnt hat – heute hält die Stadt das Wohnen an den Gleisen aus Gründen des Lärmschutzes für gesundheitsgefährdend. „Eine Wohnnutzung ist aus Sicht der Stadt nicht möglich“, informierte Oberbürgermeister Andreas Hesky jüngst auch im Gemeinderat. „Ein Lärmschutz in respektabler Höhe wäre nötig.“

Lärmschutz freilich findet Mehmet Yurdakul völlig unnötig. Die Wohnungen im Bahnhofsgebäude seien fertig, die Mietverträge unterschrieben, berichtet er auf Anfrage. Die neuen Mieter seien Familien, für die der Lärm unproblematisch sei. „Sie sagen, wenn Lärm vorhanden ist, sei das ihr Problem“, versichert er. Lärm werde es aber keinen geben, weil in Neustadt nur die S-Bahn halte und keine Güterzüge durchfahren.„Die Stadt soll mich in Ruhe lassen“, fordert der 32-Jährige, der sich von der Verwaltung mehr und mehr verfolgt fühlt: „Ich mache nichts Unrechtmäßiges“, meint er: „Nur meine Aufgaben.“ Was Oberbürgermeister Andreas Hesky naturgemäß allerdings ganz anders sieht.

Mehrfamilienhäuser auf dem Kleingartenareal?

„Der Neustädter Bahnhof ist kein rechtsfreier Raum“, betont der Stadtchef. Kompliziert wird die Rechtslage dadurch, dass je nach Bewohner der Bahnhofswohnungen verschiedene Behörden zuständig sind: die Bahn im Falle von Bahnmitarbeitern, in allen anderen Fällen die Stadt. Die Zuständigkeit der Stadt habe die Bahn aber bestätigt. Eine baurechtliche Genehmigung braucht Yurdakul auch für den Einbau seiner Sportsbar. Ob eine Gaststätte zulässig ist, muss laut Hesky im Einzelfall geprüft werden - im Bebauungsplan sind Vergnügungsstätten jedenfalls ausgeschlossen.

Noch hat der Bahnhofsbesitzer den Antrag aber gar nicht gestellt. Jetzt schon ausgeschlossen scheint aber der von Yurdakul beabsichtigte Bau von Mehrfamilienhäusern bei den Kleingärten. Laut Hesky handelt es sich um einen Außenbereich, der für Wohnnutzung nicht zugängig ist. „Wohnen muss qualitätvoll sein“, sagte er im Gemeinderat. „Unabhängig von der Wohnungsnot.“

Mit Sorge sieht auch der Waiblinger Gemeinderat die Entwicklung am Neustädter Bahnhof. „Der optische Zustand ist nicht tragbar“, sagte Urs Abelein (SPD). Und wollte wissen: „Wie kriegen wir es hin, dass die Leute wieder gerne auf den Bahnhof gehen?“


Waiblingen-Neustadt. Der neue Bahnhofsbesitzer in Neustadt ist sauer. „Die Stadt soll mich in Ruhe lassen und der Bürgermeister sich um was anderes kümmern“, kommentiert Mehmet Yurdakul ein Schreiben des Baurechtsamts. Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Frage, was im und am denkmalgeschützten Bahnhof alles möglich ist. Konkret: Darf der Eigentümer dort Wohnungen und eine Kneipe bauen?

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07.09.2018: Neustädter
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