Waiblingen

Ein Chor für alle Fälle

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Der Folklorechor Hohenacker würde sich über neue Mitglieder freuen – vor allem Tenöre werden gebraucht. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Suaheli – das Sprach-Repertoire des Folklorechors Hohenacker ist groß. Und auch die Genres sind vielfältig: Am Jubiläumskonzert des GTV Hohenacker beteiligt er sich mit Evergreens aus der Filmmusik. Doch der Chor hat ein Nachwuchsproblem.

360°-Video: Probe des Folklorechors Hohenacker

Elf Frauen und sieben Männer sitzen im Halbrund in einem Raum des Bürgerzentrums Hohenacker und räkeln sich. Die Arme werden hoch in die Luft gestreckt, eine imaginäre Leiter wird erklommen. Dehnübungen. Dann geht es weiter mit den nicht ganz so imaginären Tonleitern – auch die müssen erst mal erklommen werden, bevor die Sängerinnen und Sänger des Folklorechors Hohenacker das erste Lied anstimmen.

Evergreens der Filmmusik

„Heute sind wir etwas dünn besetzt, normalerweise sind wir 37 Leute“, berichtet Barbara Kuhn, die Chorleiterin. Gar nicht dünn lassen die 18 Sängerinnen und Sänger aber das erste Lied klingen: „Halleluja“, in der Version aus dem Film „Shrek“. Denn an diesem Abend wird schon für das große Jubiläumskonzert geprobt, das anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Gesang- und Turnvereins Hohenacker am 22. Oktober stattfindet. Der Folklorechor wird dann Evergreens der Filmmusik beisteuern. Neben „Halleluja“ werden sie auch Hits wie „Qué sera“ aus Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“, „Chim Chimney“ aus „Mary Poppins“ oder „Singing in the rain“ aus dem gleichnamigen Film singen.

Zum Repertoire des Folklorechors gehören neben Filmmusik auch Gospel, Weihnachtslieder, Schlager und Pop. „Wir wollen uns nicht auf ein Genre festlegen, wir sind offen für alles“, erläutert die Chorleiterin. Auch was die Sprachen angeht, ist der Chor nicht festgelegt: Gesungen wird auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Kroatisch und sogar Suaheli. Das Sich-nicht-festlegen-Wollen war auch der Anlass, aus dem der Folklorechor vor 42 Jahren aus dem Gesang- und Turnverein Hohenacker heraus gegründet wurde.

Folklore, oder: Weltmusik aus aller Herren Länder

„Wir wollten einfach mal was anderes singen als immer diese klassische Chormusik“, berichtet Hans-Ulrich Kuhn, einer von zwei Gründungsmitgliedern, die auch heute noch dabei sind. Weltmusik sollte es sein, aus aller Herren Länder – Folklore eben, erinnert sich der 71-Jährige. Anfangs ein kleines Grüppchen von sieben oder acht Leuten, wuchs der Chor über die Jahre an. „Aber neue Sänger können wir natürlich immer gebrauchen“, sagt Kuhn. Chor-Nachwuchs zu finden, sei schwer. Besonders die Tenöre, die seien knapp. Er selbst mühe sich deshalb seit 40 Jahren im Tenor, obwohl er eigentlich eine Bassstimme habe. Und weil die Tenöre trotzdem noch Mangelware sind, unterstützen derzeit drei Damen die Herren der Schöpfung in der hohen Männerstimme.

Während der Probe sitzt die Chorleiterin mal am Klavier und haut in die Tasten, mal klopft sie mit dem Fuß im Takt, im nächsten Moment springt sie auf und geht ums Klavier herum nach vorne, um eine Stimme anzufeuern, eine andere zu dämpfen. „Ey Leute, nehmt mal die Töne“, ruft sie. „Ihr sackt mit der Stimme mindestens einen ganzen Ton ab!“ Also müssen die einzelnen Stimmlagen einzeln ran. Zuerst Bass, dann Tenor, dann Alt und zuletzt der Sopran, die höchste Frauenstimme. Dann dürfen wieder alle gemeinsam singen. Tatsächlich harmonieren die einzelnen Stimmen nun besser miteinander. Die meisten spülen ihre Stimmbänder während der Probe mit Wasser – ein paar Sänger greifen lieber zum Bier.

Zum Abschluss darf der Chor dann noch sein offizielles Lieblingslied singen: „Siyahamba“, ein Lied auf Suaheli. Ob es an den mit Bier geölten Stimmbändern liegt oder nicht – Text und Melodie sitzen trotz siebenwöchiger Sommerpause noch bestens. „Ihr habt nix vergessen, das ist ja toll“, ruft Chorleiterin Kuhn begeistert. Dann kann das Jubiläumskonzert ja kommen.

Neue Sänger werden dringend gesucht

Für fast alle Stimmlagen sucht der Folklorechor Hohenacker noch Verstärkung. „Nur beim Bass sind wir gut aufgestellt“, sagt Chorleiterin Barbara Kuhn.

Mitsingen ist einfach: Vorsingen muss beim Folklore-Chor niemand. „Uns ist es wichtig, dass unsere Mitglieder Spaß am Singen haben“, sagt Kuhn.

Ein bisschen Musikalität ist freilich trotzdem gewünscht, ebenso wie die regelmäßige Teilnahme an den Proben. Auch außerhalb der wöchentlichen Chorproben unternehmen die Sänger einiges zusammen: Neben einer jährlichen Chorfreizeit gibt es Wanderungen, Ausflüge und Festle.

Wer mitmachen möchte, kann sich online unter www.gtvhohenacker.de/abtfolklore informieren oder einfach zur Chorprobe kommen. Der Folklorechor übt immer mittwochs, von 20 Uhr bis 22 Uhr im Bürgerhaus Hohenacker.

Das große Jubiläumskonzert des GTV findet am Samstag, 22. Oktober, in der Gemeindehalle Hohenacker statt.