Waiblingen

Ein Drittel weniger Mitglieder: Pfarrer erklärt Waiblinger Kirchenfusion

Kirche Neustadt
Paul-Gerhardt-Haus in Neustadt. © Büttner

Die drei evangelischen Kirchengemeinden Neustadt, Hohenacker und Bittenfeld sollen zum 1. Januar 2023 fusionieren. Eine der drei Pfarrerstellen wird in den Jahren nach dem Zusammenschluss wohl wegfallen. Was bedeutet das für die Gläubigen und die Arbeit vor Ort? Darum ging es nun an Informationsabenden in den drei Gemeinden. Ein Bericht aus Neustadt.

Bereits am Donnerstag hatte die evangelische Gemeinde in Hohenacker ihre Mitglieder eingeladen, über die Fusion zu sprechen. Am Freitag waren dann Neustadt und Bittenfeld parallel an der Reihe. In Neustadt fanden knapp fünfzig Gemeindeglieder den Weg ins Paul-Gerhardt-Haus, um sich aus erster Hand über den Zusammenschluss zu informieren. Kirchengemeinderatsmitglied Gerhard Märtterer gab zunächst einen einleitenden Überblick über die Entwicklung der Neustädter Gemeinde: Deren Mitgliederzahl verringerte sich demnach seit 1969 von 2732 auf 1675.

Dieser Trend, so Märtterer, werde sich sicherlich fortsetzen. Inflation, steigende Mieten und Benzinpreise würden dafür sorgen, dass in vielen Haushalten am Monatsende das Geld knapp werde und man sich Gedanken mache, wo gespart werden könne. Die Folge seien noch mehr Kirchenaustritte.

Drei Gemeinden: von 7500 auf 5000 Mitglieder geschrumpft

Die Situation sei in Hohenacker und Bittenfeld durchaus vergleichbar. In den drei Gemeinden zusammen habe sich die Zahl der Gemeindeglieder von 7500 auf weniger als 5000 verringert, und ein Drittel weniger Mitglieder bedeute ein Drittel weniger Pfarrstellen. Da die Anzahl der Pfarrstellen alle sechs Jahre neu festgelegt werde, müsse man sich darauf einstellen, dass ab 2030 für Neustadt, Hohenacker und Bittenfeld insgesamt nur noch zwei evangelische Pfarrer zur Verfügung stehen. Um sich darauf vorzubereiten, planen die Kirchengemeinderäte der drei Gemeinden seit 2019 den Zusammenschluss, der nun zum 1. Januar 2023 vollzogen werden soll.

Die zukünftigen Strukturen der neuen Kirchengemeinde Neustadt-Bittenfeld-Hohenacker (ein gemeinsamer Name steht laut Internetseite der Gemeinde Neustadt noch nicht fest) stellten Kirchengemeinderatsvorsitzende Gabriele Klingler und Pfarrer Joachim Bauer gemeinsam vor: In jeder der Ortschaften, versicherten sie, werden weiterhin an jedem Sonntag und an jedem Feiertag Gottesdienste gefeiert werden.

Die bisher drei Kirchengemeinderäte werden zunächst ein gemeinsames Gremium bilden, nach den Kirchenwahlen 2025 wird der neue Kirchengemeinderat aus zwölf gewählten Mitgliedern, von denen aus jeder Ortschaft vier kommen, den Pfarrern und der Kirchenpfleger bestehen.

Es soll einen gemeinsamen Haushalt geben, aber jeweils auch ein eigenes Budget

Die vier Gemeinderatsmitglieder eines Ortes, Kirchenpfleger und der zuständige Pfarrer sowie vier weitere Ehrenamtliche bilden einen Ortsausschuss. Der wiederum verfügt über eigene Haushaltsmittel und hat bei personellen Entscheidungen ein Vorschlagsrecht.

Erhalten bleiben der gemeinsame Gemeindebrief und zunächst auch die drei Gemeindebüros. In das gemeinsame Eigentum der neuen Kirchengemeinde überführt werden die Pfarrhäuser in Bittenfeld und Hohenacker, das Hausmeisterhaus und U12.

Die neue Kirchengemeinde wird einen gemeinsamen Haushalt haben. Aber selbstverständlich, betonte Pfarrer Bauer ausdrücklich, würden die für die jeweiligen Gebäude gebildeten Rücklagen auch weiterhin diesen zugeordnet bleiben, zweckgebundene Spenden seien auch in Zukunft möglich.

Die Mittel in Höhe von 495.000 Euro für die Renovierung der Bittenfelder Ulrichskirche, versicherte er, stehen ebenfalls schon bereit, die neue Gesamtkirchengemeinde müsse diese nicht aufbringen.

Eine der drei Pfarrerstellen fällt wohl weg

Der saure Apfel, in den man beißen müsse, sei allerdings der Wegfall einer Pfarrstelle. Wenn Pfarrer Frank im kommenden Jahr in den Ruhestand gehe, werde seine Stelle zwar noch einmal neu besetzt, aber nach dem nächsten Weggang - voraussichtlich sein Eintritt in den Ruhestand, so Bauer - werde dies wohl nicht mehr der Fall sein.

„Wir machen uns alle freiwillig auf den Weg in einen großen Lernprozess“, gab Bauer der Gemeindeversammlung mit auf den Heimweg, „an dessen Ende es künftig nicht mehr den Pfarrer von Neustadt und das Gemeindehaus von Bittenfeld gibt, sondern nur noch unsere Pfarrer und unsere Gemeindehäuser.“

Gerade in diesen beunruhigenden Zeiten seien die Menschen auf etwas angewiesen, das trage, halte und sich als belastbar erweise. Gläubige Christen bauten jedoch ihre Zuversicht nicht auf Strukturen und Organisationsformen, sondern auf den „Herrn der Kirche“. Protestantischen Christen sei klar, dass „Kirche“ eine ewige Baustelle sei. Daran habe sich seit der Reformation 1534 nichts geändert. Doch auch wenn sich die Organisationsform wandelte, so sei die Botschaft doch immer dieselbe geblieben. Und in deren Mittelpunkt stünden „Liebe, und Jesu“. Dies sei auch schon so gewesen, als der König zugleich auch Bischof war und das Thema des sonntäglichen Gebets im Gottesdienst vorgab.

Die drei evangelischen Kirchengemeinden Neustadt, Hohenacker und Bittenfeld sollen zum 1. Januar 2023 fusionieren. Eine der drei Pfarrerstellen wird in den Jahren nach dem Zusammenschluss wohl wegfallen. Was bedeutet das für die Gläubigen und die Arbeit vor Ort? Darum ging es nun an Informationsabenden in den drei Gemeinden. Ein Bericht aus Neustadt.

Bereits am Donnerstag hatte die evangelische Gemeinde in Hohenacker ihre Mitglieder eingeladen, über die Fusion zu sprechen. Am Freitag

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