Waiblingen

Ein globaler Rock’n’Roll-Krimi

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Bernd Kleiner und seine Fender Telecaster. © Ramona Adolf

Waiblingen. Ein Rocker auf verrückter Odyssee durch Irland. Immer auf der Suche nach der nächsten urigen Kneipe für ein perfektes Konzert, immer auf der Flucht vor rachsüchtigen Drogenhändlern. „Local Hero – Lebe deinen Alptraum“ heißt der etwas andere Schwaben-Krimi vom Waiblinger Blues-Urgestein Bernd Kleiner.

Video: Waiblingen aus anderer Sicht.

Wohl nichts kann der 66-Jährige, der schon vor 50 Jahren die Remstäler Beat-Szene mit aufmischte, so gut wie Gitarre spielen. Doch auch mit seinen Schreibkünsten weiß Bernd Kleiner zu unterhalten. So rasant, wie die Finger der linken Hand beim Solo übers Griffbrett tanzen, geht die Handlung des E-Book-Romans zur Sache. Und beinahe so locker wie die Rechte die Saiten anschlägt, erzählt er von Musik, vom Reisen, von Lebenskünstlern und und verkrachten Existenzen. Witzig, unverkrampft, freilich etwas ungeschliffen an manchen Stellen. „Gib dem Leser mal Zeit zum Durchschnaufen“, monierte eine Freundin. Doch der Autor winkt ab und gibt Vollgas, anders als seine Hauptfigur Lothar, der stark autobiografische Züge trägt und das Tempolimit auf holländischen Autobahnen zu schätzen weiß. Bloß keinen Stress, denn davon gibt es in diesem geschriebenen Roadmovie aufgrund seiner Zufallsbekanntschaft Maggie sowieso genug.

Psychedelische Vorhölle in der Hausboot-Siedlung

Die Soulsängerin wurde von ihrem Bandleader, nachdem sie seinen heimlichen Drogengeschäften auf die Schliche gekommen war, aus dem Tourbus geworfen. Durch Zufall kann sie später ihre geliebte Ukulele retten, zunächst nicht ahnend, dass der Bösewicht das Instrument als Versteck für die illegalen Pillen missbraucht hatte. Völlig abgebrannt, lernt Maggie den gealterten und ebenso klammen Gitarristen kennen, der es trotz unbestreitbarer Begabung nie zum Durchbruch geschafft hat und immer nur ein „Local Hero“ blieb. Mittels Handy-Ortung nehmen Maggies Widersacher schon bald die Fährte auf – und die Flucht des rockenden Zufalls-Duos nach Irland beginnt. Schon auf dem Weg dorthin werden Kneipenbesucher bei Spontankonzerten mit schnell einstudierten Coversongs in Euphorie und aus Versehen eine ganze Hausboot-Touristensiedlung mit halluzinogenen Drogen in den Wahnsinn versetzt. Aber das ist alles nur der Anfang.

Nach typischer Popliteratur-Manier werden Songtexte zitiert, über Konzert-Equipment und Handytarife diskutiert. Autobiografisches und frei Erfundenes vermischen sich auf allen Ebenen, und der Leser kann sich ein Vergnügen daraus machen, zu entwirren, was ins Reich der Fantasie gehört und was tatsächlich dem anekdotenreichen Leben der Remstalrock-Legende entspringt. Beruhigende Auskunft von Bernd Kleiner: „Die Morde sind alle frei erfunden.“ Anders die Schauplätze, die sind alle real. Die Gartenlaube, in der der Rocker wohnt, steht in Großheppach – ist aber nur eine normale Gartenlaube. Die 24-Stunden-Tankstelle lässt sich unschwer identifizieren, der Gitarrenladen ebenfalls. Alle erwähnten Fährverbindungen nebst Preisen sind echt und nachrecherchiert. Sämtliche erwähnten Kneipen und Pubs, und das sind so einige, wurden von Bernd Kleiner und seiner Frau Jule Stöwe besucht. Sogar die besagte Hausboot-Siedlung im holländischen Vislust existiert – die psychedelische Katastrophe hat freilich nicht stattgefunden.

Hauptfigur mit 70 Prozent Realitätsgehalt

Die handelnden Personen sind nicht echt, aber zum Teil aus Facetten realer Freunde konstruiert. Da kann es schon vorkommen, dass harmlose Bekannte unschuldig „kriminalisiert“ werden, wie der Autor grinsend gesteht. Aber indem er über echte Menschen schreibt, gelingen die Figuren einfach authentischer, das ist der Trick. Zu geschätzten 70 Prozent Realitätsgehalt hat der Local Hero selbst. In Wahrheit nicht gerade reich, aber auch nicht total abgebrannt. Gut, die paar Euro fürs E-Book kann er gut gebrauchen, um die künftigen Weltreisen etwas angenehmer zu gestalten. Denn seit dem Ruhestand verbringt er nicht mehr allzu viel Zeit in der Heimat, der er vor einigen Jahren mit dem Album „Schwabenkrawall“ eine gebrochene Liebeserklärung widmete. Nächstes Fluchtziel von Bernd Kleiner und Jule Stöwe ist Marokko, wo der alte Kumpel und „Graveguards“-Bandkollege Peter Renz lebt. Überwintert wird wohl auf Teneriffa. Und für den Fall, dass sie es vor lauter rechter Hetze und Gewalt in Deutschland partout nicht mehr aushalten, haben ihnen Freunde in British-Columbia schon Asyl angeboten. Den Wohnungsschlüssel haben sie in der Tasche.

Die Weltreisen des Waiblinger Rockers von Ägypten bis Zypern und Chile bis Norwegen geben jedenfalls noch genug Stoff her für weitere „Local Hero“-Folgen. Die nächste spielt „Down Under“, wo das Duo Bernd und Jule dieses Jahr erst war und das Duo Maggie und Lothar den Durchbruch schafft. So viel sei verraten: Im Land der Krokodile und Giftquallen werden die Morde immer abgefahrener.

Das E-Book

Erhältlich ist der Kurzkrimi als E-Book bei Amazon Kindle für 3,99 Euro. Bei der Suche „Local Hero - lebe deinen Alptraum“ eingeben.

Für den Autor ist dieser Veröffentlichungsweg kostenlos. 70 Prozent der Einnahmen bleiben bei ihm.